Priesterweihe Erzbischof Lackner

Predigt von Erzbischof Dr. Franz Lackner OFM bei der Priesterweihe am 4. Juli 2014 im Dom zu Salzburg Brüder und Schwestern im Herrn! Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst! Liebe Weihekandidaten mit Euren Eltern, Verwandten und Freunden! Wenn wir heute zwei unserer Mitbrüder zu Priestern weihen dürfen, dann wird uns und dem ganzen Volk Gottes eine große Gnade zuteil! Eine Gnade, mit der wir nicht achtlos umgehen sollen, wie es einst geschehen ist, als Jesus in seine Heilige Stadt einzog und am Ölberg innehielt und über Jerusalem weinte: „...du hast die Zeit der Gnade nicht erkannt!“ Diese Gnade wird ausgelöst durch die Bereitschaft von Roman und Roland, weil sie sich ganz in den Dienst Gottes für die Menschen stellen. So lade ich uns alle, vor allem euch, liebe Mitbrüder im priester-lichen und geweihten Dienst, das ganze Volk Gottes ein, vor und mit unseren Mitbrüdern, denen heute das Weihesakrament gespendet wird, über diese Gnadengabe Gottes nachzudenken, um erneut innezuwerden, was einst an unserem Weihetag geschehen ist. Gehen wir diesen Erinnerungs¬weg anhand der soeben gehörten Lesungen. Sie wurden von den Weihekandidaten für ihren großen Tag besonders ausgewählt. In der zweiten Lesung stellt Paulus selbstbewusst fest: „Unser Eifer erlahmt nicht in dem Dienst, der uns durch Gottes Erbarmen übertragen wurde“! In der Tat ist es so: Sehr viel hängt davon ab, ob wir uns von Gott für das Evangelium gebrauchen lassen. Eifer ist gefragt! Nicht jedoch Übereifer, denn wir dürfen nicht vergessen, es hat in derselben Lesung auch geheißen: „Das Übermaß der Kraft kommt von Gott und nicht von uns!“ Auf die theologische Kurzformel gebracht heißt das: „in persona Christi agere“. Das bedeutet: nicht in eigener Mission unterwegs zu sein, sondern stets sich von der Erkenntnis des Heiligen Apostel Paulus prägen und bestimmen zu lassen: „Das Übermaß der Kraft kommt von Gott und nicht von uns!“ An dieser Erkenntnis – so will es mir scheinen – mangelt es heute, denn über weite Bereiche gilt eine andere Prioritätensetzung: das Vertrauen auf eigenes Können, auf gut begründetes Wissen oder auf die Kraft der Spekulation und der Organisation! Dagegen könnte die erste Lesung uns ein Lehrstück bieten. Da hat es geheißen: „In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten, Visionen nicht häufig!“ Diese Worte bedenkend, sollten wir fragen: Könnte es nicht auch heute so sein? Dass das Eingreifen Gottes rar geworden ist? Was mich dabei bewegt: Wir kommen bei allem Nachdenken und tiefgründiger Ursachenforschung, warum es in der Kirche zur Zeit gerade so ist, wie es weitgehend erlebt wird, nicht auf die Idee zu fragen, ob vieles, was wir erleben, wenn schon nicht von Gott gewollt, so doch von Ihm zugelassen ist. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich halte das Hinterfragen der Strukturen für sehr wichtig, ebenso das Nachdenken über die Zeichen der Zeit; aber was mich nachdenklich stimmt ist: vorweg auszuschließen, ob für unsere Zeit nicht auch Ähnliches gelten könnte. Sprechen wir da dem Wort Gottes für uns heute nicht Bedeutung und Wahrheit ab? Ich möchte das nicht tun, sondern es mit in die Betrachtung nehmen, das Wort des Propheten Samuel aktualisierend auf unsere Situation hin lesen: eine Zeit, in der Berufungen nicht häufig sind, in der es in unserem Eifer eher selten vorkommt, dass das Wehen des Heiligen Geistes, der antreibt, der gegen alle Hoffnung hoffen lässt, über uns kommt. In der Kirche gibt es auch heute viel Eifer, stete Bereitschaft zu laufen wie der junge Samuel, der mitten in der Nacht aufspringt, um einer vermeintlichen Stimme Folge zu leisten. Die Stimme Gottes kannte er noch nicht! Könnte es nicht auch bei uns so sein? Wir meinen verstanden zu haben, aber die Stimme Gottes, die zu hören für einen Johannes den Täufer Freude war, kennen wir nicht? Es gibt bei uns neben dem Eifer viel Müdigkeit, Resignation und Enttäuschung: Diesbezüglich gleichen wir dem alten Priester Eli, der am helllichten Tag zu schlafen pflegt, der den jungen Samuel dreimal kommen lässt, bis er doch merkt, es könnte der HERR sein, der ihn ruft! Irgendwie erscheint es so, dass wir mit diesen Gedanken noch nicht an das Wesentliche, an den eigentlichen Kern dessen, was Offenbarung sagen will, heranreichen. Die zentrale Hoffnung kündende Botschaft steht – wie so oft in der Heiligen Schrift – gleichsam in einem Nebensatz. Nach der Beschreibung der theo¬logisch kargen Situation mit der Müdigkeit der Erfahrenen und der Unerfahrenheit des Lebendigen, heißt es verheißungs¬voll: „Die Lampe Gottes war nicht erloschen!“ Das ist es, was vor Gott zählt. Es ist nicht die größtmögliche Übereinkunft, der kleinste gemeinsame Nenner, es sind nicht unsere Spitzenleistungen – so wichtig beides auch ist. Es ist vielmehr der unaufdringliche Lichtschein der Lampe Gottes. Diesem demütigen Leuchten Gottes entspricht seitens des Volkes Gottes die Rede vom „heiligen Rest“. Hierin kommen unser Eifer und das von Gott kommende „Übermaß der Kraft“ wundersam überein. Lieber Roman, lieber Roland! Ihr habt auch das Evangelium von der großen Ernte und den wenigen Arbeitern ausgewählt. Dort heißt es: „Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe“. Das traut Gott euch zu! Habt Mut! Habt Eifer! Denn heute wird, durch die Weihe, in euren Herzen eine Lampe angezündet, die Lampe Gottes. Es ist kein Scheinwerfer, kein aufdringlich blendendes Licht. In der Helle unserer Tage und in den von Licht durchdrängten Nächten kann diese Lampe Gottes leicht ihre Leucht¬kraft einbüßen. Aber ich sage euch, in den Herzen der Menschen, dort wo keine Lichtquelle zu leuchten vermag, gibt es viel Finsternis, dort wird sehr, sehr oft dieser Lichtschein Gottes – zu allermeist unbewusst – doch sehr ersehnt. Hütet dieses Licht! Behaltet euch eine liebevolle Aufmerk¬sam¬keit für die stille, unaufdringliche Anwesenheit Gottes unter den Menschen! Denn es ist auch für unsere Zeit wahr: „Das Reich Gottes ist nahe!“ Das anwesende Volk Gottes bitten wir, für seine Priester zu beten! Nehmt aus dieser Gnadenstunde den Aufruf Jesu mit in eure Häuser, in eure Pfarreien: „Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!“

Zurück
Zurück