Tag des geistlichen Lebens

Februar 2015

Liebe Brüder und Schwestern aus den verschiedenen Orden und geistlichen Gemeinschaften!

Der Hl. Vater Franziskus, selbst Ordensmann, hat das Jahr der Orden ausgerufen. In dieser Entscheidung dürfen oder sollen wir einen hoffnungsfrohen Wink Gottes erkennen. Das gilt gerade für unsere Zeit, die – was das kirchlich gläubig Leben betrifft – leider nicht überreich gesegnet ist. Der Papst, gerade weil er um das segensvolle Wirken von Ordensgemeinschaften im Laufe der Kirchengeschichte weiß, möchte auf die geistliche Dynamik, die diesen Bewegungen zugrunde liegt, hinweisen.

Dazu eine kleine Rückbesinnung: Was wäre aus Europa wohl geworden, hätte es diese aus dem Glauben kommende Kraft des Gestaltens, des Aufbauens einer Gesellschaft in Gerechtigkeit und Liebe und der Rückführung des ganzen Seins auf einen letzten göttlichen Grund, nicht gegeben? Die Welt des Religiösen wurde – man ist geneigt zu sagen – seit Anbeginn wesentlich von Ordensleuten geprägt. Es ist kein Zufall, dass im selben Jahre als die fast tausend Jahre alte platonische Akademie geschlossen wurde, Benedikt von Nursia, der lateinische Patriarch des Mönchtums, Monte Cassino gründete. Dass Europa sich entfalten und stabilisiert werden konnte, hängt zu einem Gutteil vom Mönchtum ab. Was wäre Salzburg heute ohne die heiligen Ordensleute Rupert, Virgil und Ehrentrudis? Dieser Einfluss lässt sich weiterverfolgen bis weit in die Neuzeit hinein; im Mittelalter waren die großen Theologen Ordensleute; die besten und intelligentesten Köpfe schlossen sich den Bettelorden an, diese trugen wesentlich dazu bei, dass sich aus Domschulen die freie Universität entwickeln konnte. Die Antwort auf einen radikalisierten Individualismus, ausgelöst durch die anthropologische Wende am Beginn der Neuzeit, wurde wiederum durch eine Ordensgründung gegeben: Die Jesuiten, gegründet von Ignatius von Loyola, dem Exerzitienmeister schlechthin. Ihm ist es gelungen zwei wesentliche Momente des Menschsein synthetisch zu verbinden: Der Mensch als Individuum in seiner Einmaligkeit, aber ebenso als Eingebundener, im größeren Kontext von menschlicher wie göttlicher Gesellschaft.

Orden waren im Laufe der Kirchengeschichte meist eine Antwort Gottes auf die großen Fragen der Zeit. Das trifft vor allem auf das 19. Jahrhundert zu, als die soziale Frage virulent wurde, mit Gründungen von Kongregationen: Schulen, Krankenhäuser und Einrichtungen der Fürsorge. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass es nicht nur Männer waren, die sich von Gott gerufen, für die Menschen ganz in den Dienst nehmen ließen, sondern immer auch Frauen. Fast allen Ordensgründern stehen auf gleicher Ebene kongeniale Frauen zur Seite und entwickelten eine eigene authentische Spiritualität. Die neuere Forschung über die Franziskanische Spiritualität hat gezeigt, dass die Hl. Klara nicht nur als erste und treueste Schülerin des Heiligen Franziskus zu verstehen ist, sondern eigenständig und ebenbürtig auf gleicher Ebene steht.

Was zeichnet diese großartigen Gestalten der Ordensgeschichte aus, was haben sie gemeinsam? Gestern feierte die Kirche den Heiligen Don Bosco, Gründer der Salesianer und Apostel der Jugend. Er war mystisch hoch begabt, er lebte eine Gottinnigkeit, die keine Berührung mit der Welt und zwar mit den „armen Welt“ scheute. Papst Pius XI sagte bei der Heiligsprechung: „Im Hl. Johannes Don Bosco war das Übernatürliche fast natürlich und das Außergewöhnliche ganz gewöhnlich!“ Schöner und ansprechender kann Inkarnation nicht beschrieben werden. Ignatius von Loyola wiederum benennt es so: „In Gott eintauchen, um bei den Menschen aufzutauchen!“

Der Heilige Franziskus spricht von dieser geistlichen Dynamik in seinem Testament, ein Dokument der letzten Stunde. Dort heißt es: „Der Herr hat gegeben….“

„Der Herr hat mir Brüder gegeben …“

Der Herr hat ihm in den Kirchen einen so tiefen Glauben gegeben…“

Der Herr hat ihm geoffenbart, was er tun solle und die Kirche hat es ihm bestätigt.“

„Der Herr hat ihn zu Armen und Aussätzigen gesandt und er hat ihnen Barmherzigkeit erwiesen.“

Liebe Brüder und Schwestern es ist der Herr, der ruft; das ist unser Ursprung, unsere Berufung! Und der Herr will, dass wir hinausgehen, die Nöte unserer Zeit erkennen, uns berühren und betreffen lassen. Das Übernatürliche darf in unserem Leben und Wirken nicht fehlen, aber es ist so in diese Welt zu tragen, dass es als fast natürlich erscheint.

Ich möchte diese Predigt nicht beschließen ohne auf eine neue Form zu sprechen, wie der Herr heute in diese Welt hineinwirkt. Es sind dies die Säkularinstitute, die neuen Bewegungen und die Schwestern im Gott geweihten Stand. In der Erzdiözese gibt es auch zwei Einsiedler und eine Einsiedlerin. In dieser Form des Glaubens dürfen wir eine Antwort Gottes auf die Nöte unserer Zeit sehen, die wir noch besser verstehen und tiefer deuten sollen.

Mir scheint die Formel, wie wir sie in den klassischen Orden erfassen durften, auch für das Neue, das Gott in heutiger Zeit tut, angemessen zu sein.

Ich danke namens der Erzdiözese allen Ordensfrauen und -männern für das Leben eurer Spiritualität, für das Zeugnis und für den Dienst. Das ist Hoffnung! Ich danke all den Brüdern und Schwestern in den geistlichen Gemeinschaften, darunter nicht wenige junge Menschen, die sich von Gott berühren lassen, um das Licht des Evangelium heute sichtbar werden lassen. Wenn junge Menschen sich so auf Gott einlassen ist das ein großartiges Zeugnis.

Danken wir gemeinsam Gott! Er verlässt uns nicht. Wie der greise Simeon in ihrem Glauben nicht enttäuscht wurden, so werden wir, wenn wir auf ihn vertrauen, nicht enttäuscht werden.

Ich danke Gott für meine Berufung in den Ordensstand!
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