#trotzdemnah

Bischofsworte vom 18. März
Liebe Schwestern und Brüder,

unser religiöses Leben erfährt durch die Coronapandemie und die damit verbundenen – zweifellos notwendigen – Maßnahmen, einen tiefen Einschnitt. Wer hätte gedacht, dass unsere Gemeinschaft für einige Zeit auf den gemeinsamen Gottesdienst verzichten muss; ist es doch gerade die Eucharistie, die Mahlgemeinschaft, die uns als Katholiken verbindet und die uns Gott und unseren Mitmenschen näherbringt. Auch religiöse Feste, Vorträge und Veranstaltungen sind bis auf Weiteres ausgesetzt – der Schmerz, wir können es nicht verschweigen, sitzt tief.

Im Philipperbrief lesen wir „Ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden: Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben.“ – Anpassungsfähigkeit ist uns Christinnen und Christen gleichsam in unsere DNA geschrieben. Ob in Zeiten des Überflusses oder der Entbehrung, wie wir sie jetzt gerade erleben: Die Nähe zueinander, die Nähe zu Gott werden wir auch in dieser fordernden Fastenzeit lebendig halten – trotz Hindernissen und Verzicht. #trotzdemnah – das wollen wir sein, dazu bekennen wir uns.
Wie ist das angesichts der derzeitigen Situation möglich?

#trotzdemnah:
So schmerzlich der Verzicht auf das Eigentliche uns bewegt, so dankbar dürfen wir über die Möglichkeiten der modernen Technik sein. Durch Live-Übertragungen von Gottesdiensten, durch Videobotschaften, Katechesen und Gebetssammlungen werden unsere Wohnzimmer dieser Tage gleichsam zu Kirchenbänken. Gemeinsam finden wir uns vor den Bildschirmen ein, halten inne und wissen uns im Verfolgen des religiösen Programms miteinander verbunden.

Mit dem konkreten, ununterbrochenen Dienst der Priester, Seelsorgerinnen und Seelsorger, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Krankenseelsorge, bei der Telefonseelsorge oder bei der Caritas steht unsere Kirche mehr denn je an der Seite der Alten, Schwachen, Kranken, der Rat- und Mutlosen. Sie will in dieser Zeit Stütze sein.

Auf der Plattform www.trotzdemnah.at sind die digitalen und analogen Angebote der katholischen Kirche Salzburg versammelt und werden stetig erweitert.

In dieser besonders herausfordernden Zeit dürfen wir uns in besonderer Weise miteinander verbunden wissen und dem Herrn vertrauen, der den „zerbrochenen Herzen“ nahe ist und denen aufhilft, „die zerknirscht sind“ (Ps 34, 18–19). Ich und die Priester unserer Diözese feiern auch weiterhin täglich Gottesdienst für die Erkrankten, die Menschen in Quarantäne, für die Einsatzkräfte, das medizinische Personal, die Politik und die Verantwortungsträger. Sie und Ihre Familien eingeschlossen.

Gebetszeiten verbinden uns
„Gott hat sein Ohr an deinem Herzen.“ Dieses Wort des heiligen Augustinus bringt eine Erfahrung zum Ausdruck, die schon viele Gläubige vor uns machen durften: Was wir an Bitten, Sorgen und Anliegen in unseren Herzen tragen, lässt Gott nicht gleichgültig. Sie gehen ihm nahe.
Die Glocken unserer Kirchen rufen uns deshalb durch ihr Läuten drei Mal am Tag dazu auf, für einen Moment innezuhalten und das eigene Herz im Gebet vor Gott zu tragen.
Ich möchte Sie einladen, dass wir diese Gebetszeiten in den kommenden Wochen bewusst gemeinsam halten: Jede und jeder von uns dort, wo er/sie gerade ist, aber alle zur selben Zeit. Wenn es uns auch nicht möglich ist, uns an einem gemeinsamen Ort zu versammeln, so können wir doch diese Zeiten des Gebets miteinander teilen. Daraus kann eine tiefe Gebetsgemeinschaft wachsen.

Lassen wir uns von der aktuellen Situation nicht die Nähe zueinander nehmen, die uns Menschen so wesentlich ist. Wir haben alle denkbaren Möglichkeiten, als Glaubensgemeinschaft weiter verbunden zu bleiben – nutzen wir sie: ob digital, durch konkrete Zeichen der Nächstenliebe oder durch das Gebet.

Mit Ihnen verbunden – herzliche Segensgrüße


+Franz Lackner
Erzbischof
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