Weihnachten 2018

Predigt zur Christmette 24. 12. 2018 im Salzburger Dom
Schwestern und Brüder!

Worum geht es in dieser heiligen Nacht? Was feiern wir, wenn wir uns zu mitternächtlicher Stunde in der Kirche versammeln? Was ist das für ein Gott, der abseits jeglicher öffentlichen Aufmerksamkeit in einer Krippe liegt, als kleines Kind?

Die größten Geister dieser Welt, Musiker, Dichter, Philosophen und Theologen haben versucht, dem Geheimnis nachzuspüren.
So wird von Anton Bruckner erzählt, dass er am Christtag in der Früh vom Messner vor der Weihnachtskrippe kniend angetroffen wurde und als dieser fragte, wie er so früh in die geschlossene Kirche gekommen sei, antwortete er:
„Nach der Christmette bin ich in der Kirche geblieben und habe die Krippe bis jetzt betrachtet. Ich bin noch nicht damit fertig geworden, dass Gott Mensch wird.“

In der Scholastik, der Hochblüte des Mittelalters, wurde das weihnachtliche Geheimnis als Frage „Warum wird Gott Mensch?“ (Cur Deus homo?) vehement und zuweilen äußerst konträr diskutiert:
Die einen meinten, die Menschwerdung Gottes war nötig geworden, um den in Sünde gefallenen Menschen zu erlösen. Das war eine Meinung, die andere, die Franziskanerschule, sie konnte dem gar nichts abgewinnen. Ihr Argument war die absolute Gutheit Gottes. So könne und dürfe man von Gott nicht denken. Es kann doch nicht ein Übel, die Sünde, bei Gott so ein wunderbares Ereignis wie seine  Menschwerdung auslösen.
Von Gott müssen wir immer das Beste denken. Er ist unendlich gut, exklusiv gut. Bei uns Menschen ist das Gute stets mehr oder weniger mit dem Nichtgutsein verbunden. Das ist Preis unserer Endlichkeit, mit anderen Worten, der Ursünde geschuldet. Das Absolute kann man nicht mit endlichen Maßstäben messen, es fordert uns vielmehr zu einer Umkehr des Denkens heraus. Jesus beginnt folglich sein öffentliches Wirken mit den Worten: „Denkt um! Das Himmelreich ist nahe.“
In der Menschwerdung ist Gott uns ganz nahe gekommen; hat sich seine Ursehnsucht, ein Gott mit den Menschen, ein Gott auf gleicher Augenhöhe zu sein, verwirklicht. Wie der alttestamentliche Name „Emmanuel“ sagt. Die Perspektive Gottes, wenn er auf uns Menschen blickt. Ein barmherziger Blick, gezeichnet von Mitleid und Mitfreude! Darin liegt die Frohe Botschaft von Weihnachten.

Umgekehrt bleibt zu fragen, wie schauen wir Menschen auf Gott hin? Wie war es bei seinem ersten Ankommen, das wir in dieser Nacht feiern? Welches Umfeld wurde IHM damals bereitet? Wir haben es gehört: In der Herberge war kein Platz; in Jerusalem, der Stadt Gottes wahrscheinlich schon gar nicht. All diese Orte lagen fest in Menschenhand. Die Krippe bleibt letzte Zuflucht Gottes, diese wird man wohl zu Recht in einem Stall vermuten müssen. Dabei geht es nicht um bloße Äußerlichkeit, diese steht vielmehr für eine innere Wirklichkeit: Des Menschen Weg ist nämlich gesäumt von Eigennutz, Widerstand und Brüchen. Gottes begleitende Hand wird seit jeher ausgeschlagen. Bis in unsere Zeit, die sich weithin rühmen kann, über weite Strecken überhaupt ohne Gott das Auslangen zu finden. 

Wir feiern weiterhin, als ob nichts geschehen wäre, jedes Jahr Weihnachten, betrachten das göttliche Geheimnis mit Andacht und noch mehr Emotion; vergessen allerdings dabei die bittere Armut Gottes. Das Kind liegt in einer Krippe, die von uns aus gleichem Holz gezimmert ist, wie das Kreuz auf Golgotha.

In dieser Spannung steht die Geschichte Gottes mit den Menschen, steht unser Weihnachtsfest; trotzdem der Blick der bedingungslosen Liebe Gottes bleibt. Gott kann sich selbst nicht untreu werden, heißt es in der Heiligen Schrift. Und der Hl. Apostel Paulus schreibt, wir haben es in der heutigen Lesung gehört:

„Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit … loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in der Welt zu leben.“   
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