62. Internationale Pädagogische Werktagung

Einer der eingängigsten Songs der Musikgruppe STS ist „Großvater“. In ihm stehen die Verse: „Und durch die Art, wie du dein Leben g’lebt hast, hab i a Ahnung griagt, wie ma’s vielleicht schafft.“ In der Tat zeigten zahlreiche Studien, dass viele Kinder und Jugendliche ihre Großeltern als Vorbilder würdigen, freilich nicht so stark wie ihre Mutter, dann den Vater, aber doch deutlich stärker als Sportasse, Popstars, Filmheldinnen oder Filmhelden – von den Politikerinnen und Politikern gar nicht zu reden, die bei den ersten Vorbildstudien vor mehr als 100 Jahren ganz oben standen und jetzt abgeschlagen das Schlusslicht bilden.
Dass Vorbilder ein unerhört einflussreiches Erziehungsmittel sind, wusste man bereits in der Antike. Plato beispielsweise warnte davor, Heranwachsenden schlechte Vorbilder zu präsentieren – etwa die griechischen Götter, die untreu waren, gewalttätig, listig.
„Vorbilder“ sind in den letzten Jahren ein wenig aus der Mode gekommen, möglicherweise auch deshalb, weil sie in den totalitären Systemen missbraucht worden waren. Zum anderen lag der Pädagogik nach 1968 vor allem an emanzipierten Individuen. Heranwachsende sollten sie selber werden, und nicht fade Kopien von Albert Schweitzer oder Madame Curie.
Doch dem steht entgegen, dass die Psychologie kontinuierlich gezeigt hat, wie wichtig Vorbilder – häufig als „Modelle“ bezeichnet – für das Lernen sind. Denn sie verfügen über ein Voraus an Erfahrung und Kompetenz und können starke motivationale Kräfte freisetzen. „Mein Vorbild ist die Tante Berta. Sie ist beim Radeln immer voraus. Ich will auch so sportlich werden“, so eine Neunjährige. Aktuell sind es insbesondere die Gehirnforscherinnen und -forscher, die die Relevanz von Vorbildern untermauern, nämlich mit den Spiegelneuronen.
In bewährter Weise wird die Thematik des Vorbildes in den Hauptvorträgen philosophisch, soziologisch (aktuelle Vorbilder), psychologisch und pädagogisch angegangen, auch genderspezifische Aspekte werden diskutiert. Zahlreiche Arbeitskreise laden dazu ein, ausgewählte Aspekte zu vertiefen.
Der Wissenschaftliche Beirat der Internationalen Pädagogischen Werktagung Salzburg hat sich bemüht, eine wirklich vorbildliche Tagung auf die Beine zu stellen, und wird sich anstrengen, dass diese auch so ablaufen wird.

Univ.-Prof. Dr. Anton A. Bucher, Präsident der Internationalen Pädagogischen Werktagung Salzburg


Tagungsband 2012

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