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Thema:

Zukunft der Arbeit

"In and out"

Karin Beer
Sekretärin der Gewerkschaft der Privatangestellten Salzburg
 
 

Trendforscher, Lifestyle-Magazine, Motivations- und Erfolgstrainer usw. verwenden häufig die Begriffe „in“ und „out“. Damit wird charakterisiert, was zurzeit gefragt ist oder in Zukunft gefragt sein wird, eben „in“. Alles, was dem nicht entspricht, ist „out“. Man könnte diese Kategorisierung zur Seite schieben, wenn es nur um Mode, Lokale oder Sportarten ginge. Dies ist jedoch nicht möglich - werden doch die Zwänge, sich diesen Kategorien unterzuordnen, immer stärker, da sie bereits in die Arbeitswelt eindringen. Ja, vielfach entscheiden sie über die finanzielle Existenz eines Menschen. Und das in einer Zeit, die propagiert, die Freiheit des Einzelnen sei noch nie so groß gewesen wie heute!

Was ist nun „in“, was ist „out“?

Jobs sind in / Arbeitsplätze out: Statt von einem sicheren Arbeitsplatz zu träumen, sollen sich ArbeitnehmerInnen darauf einstellen, einen „Job“ nach dem anderen oder mehrere nebeneinander auszuüben. Der Trend am Arbeitsmarkt zeigt deutlich, dass das „Überleben“ zur alleinigen Sache des Individuums wird. 2/3 aller neu geschaffenen Arbeitsplätze sind Jobs, von denen kaum jemand mehr existieren kann. Teilzeitbeschäftigungen, geringfügige Beschäftigungen, Selbständigkeit (freie Dienstverträge ohne arbeitsrechtliche Absicherung, mit dem Zuckerl der frei wählbaren Arbeitszeit und 90 Schilling auf die Hand, die unter dem Strich 60 Schilling wert sind) werden vor allem Frauen angepriesen, als die Lösung, um Familie und Beruf vereinbaren zu können. 

Doch man lasse sich nicht täuschen. Die Frauen und die Langzeitarbeitslosen waren schon immer jene „Versuchsgruppen“, an denen getestet wurde, was an prekären, nicht existenzsichernden Beschäftigungsverhältnissen zumutbar ist. Auch wenn die Zuwachsrate der sogenannten atypischen Beschäftigung bei den Frauen nach wie vor höher ist, die Männer ziehen bereits nach!

Flexibilität ist in / Regeln out: Im Koalitionsabkommen der jetzigen Regierung ist festgeschrieben, dass der Kollektivvertrag, und damit die Mindestgehälter und –löhne, auf die betriebliche Ebene verlagert werden soll. Die Wirtschaftsleistung einer Branche wurde bisher als Ausgangsgröße für Verhandlungen um einen gerechten Anteil der ArbeitnehmerInnen heran gezogen. (Es stimmt, was viele Wirtschaftsvertreter behaupten: Ohne Wirtschaft gibt es keine Arbeitsplätze, aber ohne Arbeitskräfte auch keinen Profit!) Künftig soll das betriebliche Ergebnis zählen. - Selbst die Wirtschaftskammer hat „nein“ gesagt. Wohl auch aus der Überlegung heraus, dass dann Konflikte in den Betrieben stattfinden könnten. 

Zunehmend werden Arbeitsverträge vorgelegt, die nur eine Aussage haben: Die ArbeitnehmerIn soll immer und überall alles machen. Er/sie soll biegsam sein, denn nichts anderes bedeutet das Wort „flexibel“! Vor allem Teilzeitbeschäftigte (und das sind überwiegend Frauen) kennen die negativen Folgen. Obwohl sie die Teilzeitbeschäftigung wählen, um ihre Kinderbetreuungspflichten organisieren zu können, die nicht flexibel sind (!), heißt es oftmals „in and out“. Rein in den Betrieb, raus aus dem Betrieb, ganz nach Bedarf des Arbeitgebers. In den wenigsten Fällen ist der Arbeitgeber willens und flexibel genug, andere Lösungen zu finden.

Konkurrenz ist in / Solidarität out: Alte gegen Junge, Gesunde gegen Kranke, ArbeitnehmerInnen gegen Arbeitslose, Frauen gegen Männer, InländerInnen gegen AusländerInnen ... Jede/r gegen Jede/n. Auch am Arbeitsplatz wird die Konkurrenz – der Wettbewerb! – mit immer unfaireren Mitteln ausgetragen. Zum gemeinsamen „Training“ fehlt die Zeit, Tipps/Informationen werden nicht weitergegeben (Wissen ist ja angeblich Macht!), ständige „Fouls“ führen zu Mobbing, Einzelkämpfertum trotz postuliertem Teamgeist istdie Regel. Wer sich dieser Konkurrenz nicht stellt oder nicht stellen kann, ist im Out. 
Wer davon profitiert? Eine wohl eher rhetorische Frage!

Frauen (!) sind in: Kein Trendforscher verzichtet darauf festzustellen, dass wir einem Jahrhundert, wenn nicht gar einem Jahrtausend der Frauen entgegengehen! Angesichts der anderen „Ins“ und „Outs“ eine erstaunliche Prognose. 

Frauen verdienen noch immer 36% weniger als Männer. Bei Fortschreibung der Entwicklung der vergangenen 40 Jahre brauchen wir weitere 133 Jahre, um endlich gleichzuziehen!

Frauen sind in den oberen Etagen noch immer eine Ausnahmeerscheinung. Die gläserne Decke auf halber Höhe der Karriereleiter wird nicht dünner. Tätigkeiten, die von einer Frau übernommen werden, sind vielfach entweder geringer entlohnt oder mit zusätzlichen Aufgaben angereichert. Das Institut für Haushalts- und Konsumökonomie der Univ. Stuttgart hat festgestellt, dass Frauen bei gleicher Qualifikation und mittlerem Einkommen im Laufe ihres Berufslebens um den Wert einer Eigentumswohnung weniger verdienen, bei Managerinnen macht die Differenz eine Villa aus (12 Mill. Schilling)!

Frauen sind armutsgefährdet. Die Armut ist nach wie vor weiblich, und wie soll sich das angesichts der Zunahme nicht existenzsichernder Beschäftigungen ändern?

Was steckt also hinter diesem Megatrend? Sollen Männer noch stärker unter Druck gesetzt werden (siehe Konkurrenz)? Und/oder handelt es sich um eine Beruhigungspille für Frauen? Nach dem Motto: Wartet nur (weiter) ab, eure Zeit kommt noch?

WARNUNG! 
Es ist gefährlich, den „Ins“ und „Outs“ bedenkenlos zu folgen, sie nicht in Frage zu stellen. Trends werden von Menschen gemacht, die bestimmte Interessenslagen vertreten. Sie sind nicht unausweichlich, von Gott gegeben oder unveränderbar wie das Wetter. 
Auch die Arbeitswelt ist gestaltbar. Allerdings kann man nicht darauf warten, dass sie sich von alleine verändert oder darauf vertrauen, dass ein/e andere/r die Sache in die Hand nimmt.
Jede/r einzelne ArbeitnehmerIn könnte mit ein wenig mehr Solidarität und Zivilcourage seine/ihre Arbeitsumwelt nachhaltig verändern. 

Übernehmen auch Sie Verantwortung für die Zukunft der Arbeit, damit es heißt 
„Der Mensch ist Mittelpunkt“

statt
„Der Mensch ist Mittel - Punkt. „

Karin Beer
http://www.gpa.at  

 


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Zuletzt geändert: Montag, 2. Juli 2001, <webmaster@kirchen.net>