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Krankenseelsorge / Krankenpastoral

Es gibt zwei Aspekte, die hier anzuführen sind:

  • die pfarrliche Krankenseelsorge
  • die Krankenhaus-Seelsorge bzw. klinische Seelsorge (s. weiter unten).
Neben den Gemeinsamkeiten in Inhalt und Praxis sind vor allem die Unterschiede beachtenswert.


Pfarrliche Krankenseelsorge



Die pfarrliche Krankenseelsorge richtet sich bewusst an Menschen, die durch Krankheit nicht mehr am Gemeindeleben teilnehmen können. Durch besondere Angebote werden sie bewußt in die Pfarre mit hereingenommen.

Dies geschieht durch

  • Besuche von haupt- oder ehrenamtlichen Pfarrmitgliedern, die rund um die Frage "Wie geht"s?" vermitteln, dass die kranken Menschen nicht alleingelassen sind.
  • das Bringen der Krankenkommunion bzw. Gestalten einer Kommunionfeier durch haupt- oder ehrenamtliche Pfarrmitglieder, damit die Kranken die Nähe und den Trost Gottes in der Liturgie erleben können.
  • die Spendung des Sakramentes der Krankensalbung durch geweihte Hauptamtliche, damit Kranke "aufgerichtet" (vgl. Jak 5, 14f) werden und sie so durch den Glauben gestärkt an ihrer Krankheit nicht verzagen.
Vor allem der pfarrliche Fachausschuss "Caritas" bzw. "Diakonie" ist dazu spezieller Ansprechpartner bzw. der Ort, an dem diesbezügliche Aktionen geplant und durchgeführt werden.

Da das Pfarrgebiet meist nicht einfach zu überblicken ist, sind die PfarrmitarbeiterInnen dabei sehr darauf angewiesen, dass ihnen erkrankte Personen gemeldet werden.

Bei Begegnungen am Krankenbett werden nicht selten die Wirklichkeiten von Leid und Tod zur Sprache gebracht bzw. sichtbar und erfahrbar. Daher ist es wichtig für die "Besuchenden", den eigenen Glauben, die eigene Spiritualität in diesen Fragen zu vertiefen und zu festigen (welchen Glauben, welche Hoffnung habe ich selbst noch in schweren Zeiten? Vgl. 1 Petr 3, 15: Seid stets bereit, jedem Menschen Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die Euch erfüllt.).

Vereinzelt werden spezielle Kurse bzw. Veranstaltungen für Pfarrmitglieder, die sich für den - manchmal recht schwierigen - Besuchsdienst interessieren, angeboten. Themen können hier Glaubensvertiefung, Gesprächsführung, Umgang bei speziellen Krankheiten/Entwicklungen u.ä. sein.


Krankenhaus-Seelsorge



Die Krankenhaus-Seelsorge bzw. klinische Seelsorge, also die Seelsorge im Bereich von Krankenhäusern u.ä., beinhaltet grundsätzlich die gleichen 3 Angebote:

Besuche bei Kranken,
Bringen der Krankenkommunion bzw. Gestalten einer Kommunionfeier und
Spendung der Krankensalbung.

Jedoch bringt die Institution, in der die Seelsorge eingebette ist bzw. angeboten wird, wesentliche Kriterien mit, die die seelsorgerliche Arbeit in besonderer Weise beeinflussen und prägen.

  • Die Fülle des Leides und die große Anzahl an Kranken in diesen Einrichtungen.
  • Die unerlässliche Zusammenarbeit mit den anderen, hier verantworlichen, professionellen Berufsgruppen vor Ort (Pflege, Ärzteschaft, spezielle TherapeutInnen, PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, SozialarbeiterInnen...).
  • Die Besonderheiten der Institutionen (z.B. Zuständigkeiten und Entscheidungswege) selbst und die Frage der Integration der Seelsorge darin. So sind - mindestens - die jeweilig Verantwortlichen (Stationsleitende...) unbedingt zu "beachten" z.B. durch spezielle "Anmeldung" eines Besuchsdienstes oder/und durch Erfragen und Befolgung von besonderen medizinischen Anordnungen bei einzelnen PatientInnen (z.B. Mundschutz, Desinfektionsgebote...).
Dies verändert das oben genannte Angebot der Krankenseelsorge qualitativ:
  • aus "Besuchen" werden oft längere und deshalb anspruchsvollere "Begleitungen"
  • in Mehrbett-Zimmern sind Besuche und das Bringen der Krankenkommunion bzw. die Kommunionfeier "manchmal nicht ganz einfach" zu gestalten.
Dies alles betrifft sowohl PfarrmitarbeiterInnen bei ihren Besuchen erkrankter Pfarrangehöriger als auch die speziell eingerichtete KH-Seelsorge, die von eigens dafür angestellten Hauptamtlichen (geweihte und nicht-geweihte SeelsorgerInnen) und ehrenamtlich Engagierten sichergestellt wird.

Vor allem diese KH-SeelsorgerInnen sind - zusätzlich zum schon Erwähnten - mit drei ganz besonderen Themen konfrontiert:
  1. Die Krankenhaus-Seelsorge bezieht sich nicht nur auf die PatientInnen/die Kranken sondern auf alle Menschen im Krankenhaus, ja auf die Institution selbst. Denn: auch MitarbeiterInnen brauchen möglicherweise seelsorgerliche Begleitung und Stärkung, und: in der Institution kommt es oft zu Situationen, in der das besondere Wissen und der Horizont der SeelsorgerInnen von großer Bedeutung ist (z.B. in ethischen Fragestellungen, bei Fragen des Miteinander, in Krisensituationen...).
  2. An keinem anderen Ort wird die Frage, wer und was denn ein Seelsorger/eine Seelsorgerin bzw. die Seelsorge an sich eigentlich sei, so hautnah und so scharf gestellt, wie in solchen Institutionen - und hier besonders in der Zusammenarbeit mit PsychologInnen/PsychotherapeutInnen/PsychiaterInnen. Die Frage, ob und wie denn z.B. die Erfahrungen eines seelsorgerlichen Gespräches in den einzelnen Behandlungsprozess einzubringen seien, muss immer wieder neu und fachübergreifend reflektiert und beantwortet werden.
  3. So wie die Gesellschaft insgesamt sind die Menschen auch im Krankenhaus von ihrer Abstammung, ihrem Glauben und ihren Lebensvollzügen her bunt gemischt. Aus Datenschutzgründen dürfen keine Informationen vorab "abgefragt" werden, etwa um zu suchen, wer von den Menschen katholisch sei o.ä. So ist es unumgänglich für die SeelsorgerInnen, den verschiedenen Menschen behutsam und offen entgegenzugehen.
Durch all das erweitert die Krankenhaus-Seelsorge das Grundangebot der Krankenseelsorge sehr wesentlich durch
  • positive Zuwendung zu allen Menschen (nicht nur Katholiken)
  • achtungsvolles Akzeptieren und Mitdenken/Miteinbeziehen verschiedener Kulturen
  • Präsenz/Mitarbeit in multiprofessionellen Gremien (Ethik-,...)
  • Wissen über und Angebote für Krisenmanagement
  • besondere Kontaktangebote für Angestellte der Krankenhäuser
  • bewußte Eigeninitiativen bei fachspezifischen Fragestellungen
  • ...
Ein langfristiges, gutes Miteinander ist hier nur mit Spezialwissen, Fingerspitzengefühl und wertschätzendem Umgang möglich.

Aus der Komplexität dieser seelsorgerlichen Arbeit ergibt sich konsequent, dass für diesen Seelsorgebereich eine über das theologische Fundament hinausgehende Spazialausbildung und eine gute fachliche Begleitung sowohl für ehrenamtliche als auch besonders für hauptamtliche MitarbeiterInnen von zentraler Bedeutung ist.