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Pastoraltheologische Überlegungen


Offener Himmel - Dekanat Hallein
Was tun wir da eigentlich bei dieser Aktion?


Es ist mir wichtig, nicht nur in einen Aktionismus zu verfallen, sondern immer wieder den Standort zu bestimmen, zu schauen, was uns in unserem Tun leitet, was uns motiviert, was uns ausrichtet. So möchte ich pastoraltheologische Kriterien bzw. Überlegungen anstellen, die mir für das Gelingen des Projektes wichtig erscheinen. Die erwähnten Kriterien sollen die Diskussion anregen, aber auch helfen, die Aktion unter gemeinsamen inhaltlichen Voraussetzungen durchzuführen. Das Überlegen von Kriterien soll eine gemeinsame Basis, ein gemeinsames Bild für das Projekt fördern. Die Überlegungen orientieren sich an einem Referat von Rainer Bucher, dem Pastoraltheologen aus Graz zu "Ausführungen zu einer missionarischen Pastoral nach dem Ende der Volkskirche" und an einem Referat von Walter Schmolly, Vorarlberg, zum Thema „Räume, Spielräume, Zwischenräume. Neue Orte der Verkündigung“.


1. Das Leben redet immer von dem, woran wir glauben.

Wir erzählen immer schon von Gott in dem, wer wir sind. Die Frage ist aber: Ist dies der Gott Jesu, von dem unser Leben erzählt? Dieser Tatsache müssen wir uns auch als amtliche ChristInnen bewusst sein.


2. Wir erzählen vom Gott Jesu Christi im Jetzt.

Das Erzählen steht im Rahmen von Solidarität und Aufmerksamkeit auf die Welt und die Menschen von heute. Wir brauchen ein Klima der Aufmerksamkeit, der Ehrlichkeit und der Solidarität mit den Existenzproblemen der Menschen im Dekanat Hallein heute. Voraussetzung ist die Anerkennung der Eigenart der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation. Diese Aufmerksamkeit und Anerkennung muss in den einzelnen Aktionen und Begegnungen zum Tragen kommen. Gerade die Zusage von Heil, von Heilung kann nur dort möglich sein, wo ich um das Unheil weiß. Nur wer das Unheil kennt, kann vom Heil konkret und glaubhaft sprechen. Es gilt also, genau hinzuschauen, was Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche bewegt, denen wir begegnen. Erst dann kann mein Reden bestärkend sein.


3. Das Erzählen von Gott ereignet sich in einer Kultur der Begegnung,

in der eine Kirche gebildet wird, die der Hoffnung nachfragt und den Glauben vorschlägt.

  • Dazu braucht es eine Begegnung auf gleicher Augenhöhe. Begegnung ist also keine Einbahnstraße, es braucht den Verzicht auf Macht. Es geht nicht um die Ausdehnung des kirchlichen Einflussbereiches, sondern um den Prozess der wechselseitigen Entdeckung von Evangelium und Leben. (Manchmal habe ich den Verdacht, dass es uns darum geht, wenigstens für eine kurze Zeit frühere Verhältnisse herzustellen, in der die Kirche noch Macht hat und die Gesellschaft bestimmen kann.)


 

  • Wenn ich nach der Hoffnung der Anderen frage, ist es entscheidend, dem Gegenüber das Wort zu erteilen. Es geht darum, andere zu ermächtigen, ihre eigene kleine Erzählung der Geschichte Gottes mit ihnen zu erzählen. Es ist entscheidend, Gesprächs-, Zeichen- und Begegnungsräume zu eröffnen, wo der/die Andere das Interesse an seinem/ihrem Leben spürt und dadurch äußern kann, was seine/ihre Hoffnung ausmacht. Im Vorschlagen des Glaubens erteilt man der Hoffnung des/der Anderen das Wort. Die Sprachfähigkeit der/des Anderen soll also erhöht werden. Es geht um eine Haltung der Ansprechbarkeit, die andere willkommen heißt und das Gespräch erleichtert.


 

  • Den Glauben vorschlagen bedeutet ein konsequentes, ortsgenaues Begegnen. Ein konkretes Einlassen auf eine konkrete Situation. Das Vorschlagen des Glaubens lebt von der Situation und Dynamik einer konkreten, aktiv achtsamen und institutionell-unverzweckten Begegnung. Vielsprachigkeit in der Begegnung ist notwendig: Schweigen, Reden, Hören, Feiern, einen Weg gemeinsam gehen. Entscheidend ist für jedes pastorale Tun, damit es zum Vorbild des Glaubens wird, dass es durchdrungen ist vom Willen zu einem wirklichen Begegnungsgeschehen, vom vertrauensvollen Interesse am konkreten Leben und von der Absicht, dem anderen das Wort zu erteilen. Es braucht also das respektvolle Zugehen auf den anderen, das Eröffnen eines Raumes, in dem sich der/die Andere artikulieren kann.


 

  • Eine Kultur der Begegnung, in der nach der Hoffnung gefragt wird und Glaube vorgeschlagen wird, steht im Dienste des Wachsens auf beiden Seiten. Die Dynamik der Begegnung verändert auch die Botschaft und mich selber. Unsere eigene Lernbereitschaft ist also angefragt.


 


4. Welchen Gott verkünden wir?

Ist es der Gott Jesu Christi? Ein wichtiges biblisches Kriterium ist die Spannung zwischen Nähe und Distanz zu den Menschen. Gott ist uns nahe, entzieht sich aber der Bemächtigung. Er ist uns nahe und zugleich entzogen. Unterliegt also Gott, den wir verkünden, der grundsätzlichen Entzogenheit und ebenso der grundsätzlichen Entdeckbarkeit? Am deutlichsten wird diese Spannung ausgedrückt im Schrei: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Der Schrei drückt eine große Nähe zu Gott aus, auch wenn sie in den Worten geleugnet wird. "Ich bin da für euch" - der Kern der biblischen Gottesrede. Es ist der Gott, der das Elend sieht, die laute Klage hört, der das Leid seines Volkes kennt. Es ist der Gott, der herabgestiegen ist, der mit den Menschen ist, der als der "Ich-bin-da", als "Gott der Geschichte aller Menschen" Mose sendet, diese Botschaft des "Ich-bin-da-Seins für Euch" weiter zu tragen. Gott, der da ist, aber nicht verfügbar ist. Der Dornbusch, der brannte und doch nicht verbrannte 

 


5. Was haben wir zum Heil zu sagen?

Mission ist der große selbstkritische Prüfstein unseres Glaubens: Wollen wir nur etwas zu sagen haben oder haben wir wirklich etwas zu sagen zum Heil der Menschen im Dekanat Hallein? Peinlich wirkt unser Reden und Auftreten, wenn man auf die Frage: "Was bedeutet es, wenn ihr sagt, ihr bringt uns das Heil?" keine Antwort hat und dennoch etwas sagt. Christen wollen wissen und sagen können, was es bedeutet, an den Gott des Jesus von Nazareth zu glauben. Es ist aber besser, nichts zu sagen, wenn man nichts zu sagen hat. Was haben wir also von Gott den anderen zu sagen? Wie können wir dies tun, dass sie uns glauben, dass es um ihr Heil geht? Es braucht also die interne Auseinandersetzung und Abklärung, was wir zu sagen haben.
 

 


6. Mission bedeutet: von den anderen und mit den anderen lernen,

was der Glaube heute bedeutet. Es geht darum, unsere Botschaft auszusetzen. Mission ist somit eine Öffnung zum Unbekannten hin, eine Reise ins Fremde. Dies erfordert eine Wertschätzung der Menschen, denen ich begegne. Es braucht den Glauben, dass Gott zu jedem Menschen eine eigene Beziehung aufbaut. D.h. auch, alle Menschen sind mögliche Orte der Entdeckung Gottes. Gott präsentieren heißt deshalb auch, ihn von jenen her neu zu entdecken, denen man ihn verkündet. Bischof Klaus Hemmerle drückte das einmal so aus: "Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe." Ich gebe dem anderen nicht nur die Botschaft, sondern am anderen ist diese Botschaft von mir immer auch neu zu entdecken. Das heißt letztlich, dass ich mich nicht selbst aus dem Spiel lassen kann, wenn ich den Menschen Gott präsentieren will.
 

 


7. Mission ist eine Pastoral mit Ausstrahlung.

Mission ist der Versuch, den Gott Jesu in Wort und Tat zu präsentieren, diesen Gott, der Freiheit schenkt und Solidarität verspricht und beides von uns auch fordert. Wie dieses Präsentieren als Pastoral mit Ausstrahlung in neuen Gegenden geht, weiß man nicht, bevor man es nicht versucht hat. Die Woche könnte so ein Versuch sein, in neuen Gegenden, bei anderen Menschen die Botschaft Jesu, den Gott Jesu als "Ich-bin-da" zu präsentieren. Durch diesen Versuch soll auch insgesamt eine Pastoral mit missionarischer Ausstrahlungskraft gefördert werden oder der Glaube in der heutigen Gesellschaft angeboten werden.
Sebastian Schneider