Eine gemeinsame Gründonnerstagsliturgie im Pfarrverband

Im Pfarrverband Pfarrwerfen – Werfenweng – Tenneck und Werfen feierten die Pfarren 2008 die Gründonnerstagliturgie erstmals gemeinsam. Wie kam es dazu und wie wurde es umgesetzt?

"Die drei österlichen Tage mit dem gemeinsamen Gründonnerstag beginnen". - Unter dieser Überschrift lud Pfarrer Schreilechner im gemeinsamen Pfarrbrief die Menschen ein ihren Glauben zu feiern. Wie und warum sich die Pfarren entschieden, diesen Weg einer gemeinsamen Feier zu gehen, beschrieb Christian Schreilechner so:
"Nun sind es fast fünf Jahre, dass wir im Pfarrverband versuchen ein Stück miteinander unseren Glauben zu leben und Kirche zu sein. In unterschiedlichen Bereichen gehen wir Schritte miteinander und bekommen Impulse voneinander. Sonntag für Sonntag feiern wir in jeder einzelnen unserer Gottesdienstgemeinden das Abendmahl. Überall sind dabei Frauen und Männer, die durch das Dasein die Gottesdienste mittragen und durch ihre Dienste mitgestalten. Mal sind wir weniger, mal spüren wir wieder deutlicher, wie viele wir eigentlich sind und sein könnten.

Ich persönlich erlebe immer stärker, wie mir in den vergangenen Jahren in allen Orten Menschen aus den Gottesdienstgemeinden ans Herz gewachsen sind. Es geht mir inzwischen gerade an besonderen Festtagen ab, dass wir nicht alle miteinander feiern und Gott loben können."

Bei einer PGR-Klausur stellte sich heraus, dass auch Pfarrgemeinderäte ähnliche Empfindungen in dieser Frage hatten. Nach eingehenden Beratungen wurde überlegt, ob nicht das, was im Lauf des Jahres zwar regelmäßig, aber doch in allen Orten extra gefeiert wird, nicht auch einmal gemeinsam geschehen sollte. Der Gründonnerstag schien dafür eine geeignete Feier zu bieten. Als der Tag, an dem Jesus die Seinen noch einmal ganz bewusst versammelt hat, ehe sie auseinander geraten sind und ihr Glaube schweren Prüfungen ausgesetzt wurde. Nach all den Erfahrungen um das Leiden und Sterben Jesu war es vielleicht neben der Realität der Auferstehung gerade diese letzte gemeinsame Mahlfeier, die die Jünger später gestärkt in alle Welt gehen ließ.
Mit dieser theologischen Brille betrachtet wuchs der Wille der Pfarrgemeinderäte, diesen Tag auch für das größere und stärkende Miteinander im Pfarrverband zu nützen. So wurde nach ernsthaftem Abwägen aller Für und Wider beschlossen, 2008 einmal eine gemeinsame Gründonnerstagliturgie zu versuchen.

Wie wurde gefeiert?

Obwohl es in allen Orten und Kirchen für den Gottesdienst auch gute Traditionen gibt, erschien die Kirche in Werfen für diese Feier am besten geeignet. Die Eucharistiefeier begann um 19.30 Uhr. Als Form wurde die in Tenneck seit Jahren erprobte gewählt. Das heißt, dass die Eucharistie mit der urchristlichen Form der Agape (Liebesmahl unter den Feiernden) verbunden und im Anschluss in einem ruhigen und besinnlichen Abschluss der Gang Jesu zum Ölberg von der ganzen Feiergemeinde mit vollzogen wurde. Aus allen Pfarren wurden Gestaltungselemente eingebracht (musikalisch/ LektorInnen/ KommunionhelferInnen/ Brote für die Agape etc.) und auch im Presbyterium wurde das Miteinander sichtbar gemacht.
Damit in den anderen Pfarren auch liturgische Akzente stattfinden konnten, gab es in Werfenweng eine Anbetungszeit und in Pfarrwerfen die Ölbergstunde. Diese Gebetszeiten begannen um 18 Uhr. So konnten sie auch der Einstimmung auf die gemeinsame Liturgie dienen.
Damit die gemeinsame Eucharistie in Werfen ebenso für die Personen, die nicht mobil sind, erreichbar war, wurden durch Pfarrgemeinderäte und durch die Pfarrbüros Fahrgemeinschaften organisiert.

Die Rückmeldungen zeigten, dass diese Form des miteinander Feierns vor allem von denen, die die kirchliche Kerngemeinde bilden, als sehr stärkend und verbindend erlebt wurde. Die Dauer der Liturgie (ca. 1,5 Stunden) wurde nicht als zu lange empfunden. Im Gegenteil, es kommt ins Bewusstsein, dass wir uns an diesem Abend eben genau für diese Feier Zeit nehmen wollen. Es ist aber auch eine Erfahrung, dass die etwas andere Art von Liturgie gerade auch Menschen anspricht, die sich sonst im Gottesdienst nicht so wieder finden.
Für die kommenden Jahre wurde beschlossen, den Gründonnerstag in genau dieser Weise zu gestalten. Es zeigte sich heuer, dass es für viele eine Selbstverständlichkeit wurde daran teilzunehmen. Es ist die Kirche voll und damit ergibt sich ein neues Gefühl von Gemeinde. Dieser Tag hebt sich somit von den anderen Tagen ab und es ist eigentlich für alle, die daran teilnehmen, nicht mehr zu denken, dass es in den einzelnen Orten extra Liturgien gäbe.

Der Pfarrverband besteht aus den Pfarren Pfarrwerfen, Werfenweng und Werfen mit Tenneck sowie der Seelsorgestelle Pöham. Das Pfarrteam bildet sich aus Pfarrer und Dechant Christian Schreilechner, Pastoralassistentinnen Birgit Renzl und Carina Weixler und als ständigen Aushilfspriester Militärpfarrer Peter Paul Kahr. Die Seelsorgestelle wird durch P. Anton Außersteiner begleitet.