v.l.: LH a.D. Dr. Hans Katschthaler (Vorsitzender "Pro Oriente" Salzburg), Univ.-Prof. Dr. Dietmar Winkler, Erzbischof Dr. Alois Kothgasser, Pastorin Mag. Esther Handschin (Evangelisch-Methodistische Kirche), Pfarrer Mag. Martin Eisenbraun (Altkatholische Kirche). Foto: EDS.

„Im Religionsunterricht kann Ökumene wachsen“

Erzbischof Kothgasser lud zum traditionellen Ökumenischen Empfang ein.

SALZBURG (eds/ah – 20. 01. 2010) / Kennen wir einander? – Diese Frage stellte sich beim gestrigen Ökumenischen Empfang im Kardinal-Schwarzenberg-Haus in Salzburg, bei dem VertreterInnen der verschiedenen christlichen Konfessionen Einblicke in ihren Religionsunterricht gaben. Erzbischof Dr. Alois Kothgasser lud als Vorsitzender des Komitees der Sektion Salzburg von „Pro Oriente“ anlässlich der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen zu diesem Abend ein. Neben dem Religionsunterricht war zudem die Beziehung zwischen Römisch-Katholischer Kirche und den Ostkirchen ein Thema.

Organisatorische Herausforderungen

„Mein Wunsch ist es, dass meine Kollegen und Kolleginnen wahrgenommen werden, auch wenn sie im regulären Schulalltag teilweise untergehen“, sagte Superintendentin Luise Müller und berichtete über ihre Erfahrungen als ehemalige evangelische Religionslehrerin. 30 Schulen im gesamten Bezirk Kufstein waren es, in denen sie unterrichtete. Hierzulande sei vielen Menschen nicht bewusst, dass es auch Schulstunden für nicht-katholische Kinder gibt. Der Kontakt zu den DirektorInnen sowie anderen LehrerInnen wäre laut Müller in ihrer aktiven Zeit nur teilweise vorhanden gewesen, da der Unterricht häufig am Nachmittag stattfand. „Die Stundenplaneinteilung stellte oft eine Schwierigkeit dar.“ Als weitere Herausforderung nannte die Superintendentin die plötzliche Umstellung von einer Vorschulklasse auf eine Maturaklasse. „Die Arbeit erfordert sehr viel Beweglichkeit und Organisation, aber für mich war es immer spannend und interessant.“

Pfarrer Martin Eisenbraun bestätigte diese eben genannten Herausforderungen. Am Religionsunterricht der Altkatholischen Kirche nehmen zurzeit 61 Kinder aus 28 Schulen teil. Die Eltern bringen ihre Söhne und Töchter aus dem Land und der Stadt Salzburg zum Unterricht, der in den Räumen der Gemeinde im Schloss Mirabell abgehalten wird. „Staus können schon mal dafür sorgen, dass die Stunde um einige Minuten verzögert beginnt“, weiß Eisenbraun. Auch Krankheiten bringen den Lehrer manchmal in organisatorische Nöte, zum Beispiel wenn vier von fünf Schülern aus einer Klasse von Infektionen betroffen sind. Aber: „Die Situationen sind immer lösbar“, merkte der Pfarrer an.

Auch Erzpriester Dumitru Viezuianu von der Rumänisch-Orthodoxen Kirche erzählte über seine Arbeit als Religionslehrer und präsentierte stolz das erste orthodoxe Lehrbuch, das seit diesem Schuljahr verwendet wird. Er unterrichtet unter anderem im Erzbischöflichen Privatgymnasium Borromäum orthodoxe Religion. „So funktioniert Ökumene“, freute er sich.

Die Ökumene werde immer lebendiger, waren sich die VertreterInnen aus den verschiedenen christlichen Kirchen in Salzburg einig. „Im Religionsunterricht kann Ökumene wachsen“, fügte Martin Eisenbraun hinzu. In Hinblick auf die Verkündigung eines gemeinsamen Christentums sei es wichtig, den Kindern und Jugendlichen das Verständnis zu vermitteln, dass etwas anderes auch in Ordnung ist. „Ökumene realisiert sich dort, wo Menschen zusammenkommen“, sagte Erzbischof Kothgasser überzeugt.