Marko Feingold. Foto: EDS.

Feingold erhält "Kurt-Schubert-Gedächtnispreis"


WIEN/SALZBURG (kap/eds – 08. 02. 2010) / „Österreichs Kirche hat einen besonderen Auftrag zum Auftreten gegen Antisemitismus und für den christlich-jüdischen Dialog.“ - Das war der Tenor bei der Verleihung des ersten "Kurt Schubert Gedächtnispreises für interreligiöse Verständigung" an Hofrat Marko Feingold, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, vor kurzem in Wien.

Feingold, der heuer 97 Jahre alt wird, war Häftling in den Konzentrationslagern Auschwitz, Neuengamme, Dachau und Buchenwald. Nach Kriegsende engagierte er sich in der Hilfe für Kriegsflüchtlinge und beim Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde in Salzburg, wobei er sich besonders um die Integration von Flüchtlingen aus Osteuropa bemühte. Als Zeitzeuge hat er vor unzähligen Schülern und Erwachsenen gesprochen.

Schon in den 1960er-Jahren begann sich Marko Feingold für den christlich-jüdischen Dialog zu engagieren, der Salzburger Stadtpfarrer Prälat Franz Wesenauer war hier zuerst sein katholischer Partner. Seit 1977 ist er Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg.

Der "Kurt Schubert Gedächtnispreis" wurde Feingold von der Vizepräsidentin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Sigrid Jalkotzy-Deger, überreicht. An der Preisverleihung nahmen auch Bischof Egon Kapellari, der evangelische Altbischof Herwig Sturm, der Präsident des Ökumenischen Rats der Kirchen, Bischofsvikar Nicola Dura, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs, Anas Schakfeh, und der Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinden, Raimund Fastenbauer, teil.

Die kirchliche "Kontaktstelle für Weltreligionen", der Ökumenische Rat der Kirchen, der Katholische Akademikerverband, das Stift Klosterneuburg und der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit erinnern mit dem neu geschaffenen Preis an den vor drei Jahren verstorbenen Doyen der österreichischen Judaistik und Wegbereiter des christlich-jüdischen Dialogs: Kurt Schubert (1923-2007).

Der frühere Leiter der Abteilung Religion im ORF-Hörfunk, Hubert Gaisbauer, würdigte Marko Feingold in seiner Laudatio für dessen Bescheidenheit und Humor. Feingold sei nicht jemand, "der seine Religion oder den Namen des Allmächtigen stets vor sich herträgt". Er stehe für eine "Zeugenschaft auch als Haltung der Versöhnlichkeit, ohne Zuhilfenahme von Schuldzuweisungen, so verständlich diese auch wären".

Feingold führe bis heute glaubwürdig und lebendig vor, dass gutes Einvernehmen nicht durch ein "unter den Teppich kehren" erreicht wird, Verständigungspartner durchaus auch Kritik aushalten müssten und eine tragfähige Verständigung von Wahrheit, Respekt und Liebe geprägt sei, betonte Gaisbauer.

"Antisemitismus ist Antichristentum"

Der Schubert-Schüler und Dekan des Internationalen Theologischen Instituts (ITI) in Trumau, Bernhard Dolna, wies bei dem Festakt im Curhaus am Wiener Stephansplatz auf die zentralen Beiträge des Judentums für den interreligiösen Dialog hin. Er erinnerte an den amerikanischen jüdischen Theologen Abraham Joshua Heschel (1907-72), der betont hatte, dass "Religionen heute nicht mehr selbstgenügsam sein können“, sondern aufeinander angewiesen seien. Es gehe immer um den Zugang "zu dem wirklich existierenden Gott, der in wirklich leidenschaftlicher Liebe einen wirklichen Bund schließt". Die Religionen müssten sich laut Heschel auf einer Ebene treffen, die dies anerkenne.

Als eine der dringlichsten Aufgaben für Juden und Christen heute nannte Dolna die Rettung des "Glanzes der Hebräischen Bibel in den Herzen der Menschen". Dafür müssten Juden und Christen zusammenarbeiten. Es gelte zu erkennen: "Antisemitismus ist Antichristentum und Antichristentum ist Antisemitismus."

Jüdische Tradition und österreichische Identität

Der Leiter der Kultursektion im Außenministerium, Botschafter Emil Brix, wies auf die größere Offenheit der Europäischen Union für den Dialog mit den Religionen hin. Dies sei auch im Lissabon-Vertrag verankert. Brix erinnerte zudem an die Bedeutung des jüdischen Erbes Österreichs. "Die jüdischen Traditionen haben ganz entscheidend zur österreichischen Identität beigetragen", zitierte der Botschafter den Judaisten Kurt Schubert.

Der Leiter der österreichischen bischöflichen "Kontaktstelle für Weltreligionen", Msgr. Petrus Bsteh, erinnerte an die großen Verdienste Schuberts für den interreligiösen Dialog nicht nur mit dem Judentum. So sei Schubert auch Gründer der für Dialogpionierleistungen bekannt gewordenen Zeitschrift "Kairos" gewesen, und zwar schon Jahre vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65).

Österreich könne nicht zuletzt durch die Leistungen von Persönlichkeiten wie Schubert auf ein gutes Verhältnis der Religionsgemeinschaften untereinander und mit dem Staat verweisen, so Bsteh. Freilich gebe es immer Gefahren und es gelte wachsam zu sein, "denn es gibt immer auch die Gefahr, dass das Verhältnis kippt".