Bis 28. Dezember ist die Doppelausstellung über Fürsterzbischof Colloredo im Diözesanarchiv und im Landesarchiv zu sehen. Foto: SLA

Doppelausstellung über Erzbischof Colloredo

Diözesanarchiv beleuchtet den „Kirchenfürsten“ und Landesarchiv den „Landesherrn“

SALZBURG (eds/kap – 16. 6. 2012) „Erzbischof Hieronymus Colloredo. Kirchenfürst und Landesherr“ lautet der Titel einer Doppelausstellung, die ab 27. Juni in Salzburg zu sehen ist. Der vor 200 Jahren gestorbene letzte Fürsterzbischof von Salzburg (1732-1812) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der katholischen Aufklärung in der Habsburgermonarchie. Seine geistlichen Ämter stehen im Mittelpunkt einer Schau im Archiv der Erzdiözese Salzburg, im Salzburger Landesarchiv geht es um seine politische Funktion als „Landesherr“. Die Doppelausstellung bleibt bis 28. Dezember 2012 geöffnet.

„Trotz seines scheinbaren Scheiterns“ habe der adelige Erzbischof auf vielen Gebieten die Grundlage für Entwicklungen gelegt, die langfristige Wirkung zeigten und oftmals erst Jahrzehnte später realisiert werden sollten, heißt es in einer Ankündigung. Dies solle die Schau aufzeigen und „einen Beitrag leisten, um das Wirken dieses Erzbischofs aus einem modernen Blickwinkel zu betrachten“.

Colloredo, der im Jahr 1800 vor den heranrückenden Truppen Napoleons von Salzburg nach Wien fliehen musste, starb zwölf Jahre später mit 80 Jahren im Wiener Exil. Er war der letzte mit weltlicher Macht ausgestattete Fürsterzbischof. Drei Jahre nach Colloredos Flucht - im Jahr 1803 - verlor Salzburg für immer seine Selbstständigkeit als unabhängiges geistliches Fürstentum.

Den Bestrebungen von Kaiser Franz I., ihn zur Abdankung zu veranlassen, leistete Colloredo entschiedenen Widerstand. Dadurch blieb die Erzdiözese Salzburg erhalten. Davor hatte der Erzbischof die Aufklärungspolitik Josephs II. mitgetragen und wollte Salzburg - oft gegen den Widerstand der Bevölkerung - zu einem aufgeklärten Musterland machen. Der Erzbischof bemühte sich um ein modernes und damit gerechteres Steuerwesen („Hieronymuskataster“) und blieb durch Maßnahmen zur Verbauung besonders hochwassergefährdeter Flussläufe bis heute von Bedeutung.

Als Kirchenfürst hatten in erster Linie seine Bemühungen im Zusammenhang mit den „Emser Punktationen“ (die den Eingriffen der päpstlichen Kurie in die erzbischöflichen Rechte Schranken setzen sollten), die vielfältigen Maßnahmen zur „Entbarockisierung“ der Religionsausübung und die Reduktion der zahlreichen Feiertage nachhaltige Wirkung. Der hochgebildete und intelligente Colloredo förderte auch die Kunst und Wissenschaft. Er war Auftraggeber Mozarts und Michael Haydns und ein besonders engagierter Kunstsammler. Bestattet wurde er auf eigenen Wunsch im Stephansdom in Wien. 2003 wurde er in die Krypta des Salzburger Doms überführt.

Zum Auftakt der Doppelausstellung wird am Mittwoch, 27. Juni, um 14.30 Uhr im Foyer des Salzburger Landesarchivs das Buch „Erzbischof Colloredo und sein Kataster. Eine Steuerreform am Ende des Erzstiftes Salzburg“ präsentiert. (Infos: www.salzburgmuseum.at/498.html)