Bischof Erwin Kräutler appelliert bei seinem Heimatbesuch an Politiker und Medien, sich gegen das Staudammprojekt in Belo Monte einzusetzen. Foto: EDS

Das Staudammprojekt Belo Monte stoppen!

Bischof Erwin Kräutler kämpft für das Überleben der Indios am Xingu

SALZBURG (eds/wk – 20. 6. 2012) / „Das Staudammprojekt Belo Monte muss gestoppt werden, es geht um das Überleben Zehntausender Menschen am Fluss Xingu“, sagte heute der austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler (72) bei einem Pressegespräch in Salzburg. In seiner Bischofsstadt Altamira, die 120.000 Einwohner zählt, herrsche jetzt schon Chaos. „Es funktionieren weder die Sozial- und Gesundheitsversorgung noch die öffentliche Sicherheit“, berichtete der Bischof. Das „Refugio“, ein Haus für Kranke in Not, das SEISOFREI Salzburg unterstützt, sei komplett überfordert.

Erwin Kräutler, der den „Missionaren vom Kostbaren Blut“ angehört, war nach seinem Studium in Salzburg 1965 als Priester nach Brasilien gegangen. Seit 32 Jahren leitet er mittlerweile als Bischof die größte Diözese des Landes am Fluss Xingu. Wegen seines Einsatzes für die Armen und für die Rechte der Indios hatte er immer wieder Morddrohungen erhalten. Mitarbeiterinnen des Bischofs wurden brutal ermordet. Mittlerweile bewachen ihn ständig vier Polizisten. Mehrere in- und ausländische Auszeichnungen würdigen das Werk des Bischofs, der trotz der derzeitigen schwierigen Situation „die Hoffnung nie aufgeben wird“.

Der Staudammbau werde im Dreischichtbetrieb vorangetrieben. „Nach der Fertigstellung wird Altamira zu einem Drittel überflutet, bis zu 40.000 Menschen werden ihre Häuser verlieren“, weiß der Bischof. Entstehen werde ein stinkender See mit viel Ungeziefer, so dass sich Malaria und das Denguefieber noch mehr ausbreiten können. Der Widerstand der Bevölkerung wurde bisher von der Regierung ignoriert. Neun Gerichtsverfahren laufen. „Staatspräsident Lula hat mir persönlich versprochen, nichts gegen den Willen der Menschen zu bauen. Er hat mich angelogen“, betont Kräutler. Die österreichische Firma Andritz AG, die an dem Projekt beteiligt ist, habe mit ihm noch nie gesprochen. Bischof Kräutler sieht die einzige Chance, den Bau zu stoppen, in weltweiter medialer Aufmerksamkeit. „Denn in Amazonien sind 60 weitere solche Kraftwerke geplant“.

SEISOFREI Salzburg fördert die Arbeit von Bischof Kräutler jährlich mit 30.000 Euro. Das „Refugio“ ist ein Gesundheitszentrum, in dem auch die Ärmsten behandelt werden. Im Haus für Mutter und Kind werden Schwangere vor und nach der Geburt betreut, pro Jahr werden rund 300 Frauen aufgenommen.

Weitere Informationen: www.seisofrei.at