Michael Köhlmeier. Foto: PWT.

„Das Böse verführt manchmal mit Schönheit“

Michael Köhlmeier sprach bei der Internationalen Pädagogischen Werktagung in Salzburg über die Faszination des Bösen

SALZBURG (eds/ah – 10.07.2012) / „Im Märchen wie in Träumen präsentiert sich der Mensch in seiner Absolutheit, in seiner Totalität“, sagte der Schriftsteller Michael Köhlmeier gestern Abend in Salzburg bei der Eröffnung der 61. Internationalen Pädagogischen Werktagung. Das Tagungsthema lautet „Die Macht der Aggression“. Köhlmeier sprach in seinem Vortrag „Gewalt in Märchen und Mythen. Zerstörung oder auch Trost“ über die Faszination des Bösen. „Das Böse verführt uns manchmal mit Schönheit“, so der Redner.

Als Beispiel für eine Geschichte von unfassbarer Grausamkeit nannte Köhlmeier das Grimm'sche Märchen „Das Mädchen ohne Hände“, in dem der Vater für Geld seiner Tochter die Hände abhacken lässt. Was gebe es Schlimmeres als einen Vater, der dazu fähig ist?, fragte der Schriftsteller. Dennoch habe ihn diese Geschichte bereits als kleiner Junge fasziniert. Obwohl das Märchen ein Happy End hat, wäre die Faszination für ihn von der einen Szene ausgegangen, in der der Vater die grausame Entscheidung trifft. „Es beginnt mit dem Schrecklichen und endet mit dem Schönen. Aber der Anfang, das unfassbar Schreckliche, betrifft uns viel mehr“, betonte Köhlmeier. Ebenso könne es vorkommen, dass jemand einen Traum als schön empfindet, dessen Handlung jedoch im realen Leben als ein rein schreckliches Geschehnis wahrgenommen werden würde. „Im Traum wie im Märchen verarbeitet der Mensch seine Ängste.“ Dieser Satz sei so oft gesagt worden, sodass er mittlerweile geglaubt werde.

Die Faszination des Bösen, des Schrecklichen sieht der Schriftsteller auch im Christentum. Immerhin hätten sich 2000 Jahre Kulturgeschichte u.a. vom Leiden Jesu am Kreuz genährt. Hier sowie in Märchen gehe es stets um das Leben und das Sterben. „Traum und Märchen spiegeln das, was sich in Worten nicht darstellen lässt – das Grauen“, ist Köhlmeier überzeugt.

Aggression steuern

„Der Mensch kann nicht ohne Aggression gedacht werden“, sagte Erzbischof Alois Kothgasser in seinem Eröffnungsstatement. Jedoch müsse die Aggression gesteuert werden. „Die Macht der Aggression“ sei ein Zeitthema, es bewege die Menschen, erschrecke und belaste möglicherweise auch. Aggression bedeutet ursprünglich „auf jemanden zugehen“. Es sei aber nie klar, welche Gefühle damit verbunden sind, z.B. Angst, Schmerz, vielleicht auch Liebe. Eine christliche Grundhaltung könne bei der erzieherischen Arbeit sowie beim Umgang mit Aggression eine gute Basis sein, so lautete eine Botschaft des Erzbischofs an die Tagungsteilnehmer.

Näheres zur Tagung unter: http://pwt.kirchen.net/