Referierte bei der Werktagung über Gewaltspiele und Gewalt in Medien: Prof. Helmut Lukesch. Foto: KBW

Mit Gesamtstrategie gegen Gewalt

Pädagogische Werktagung sucht nach Auswegen und Lösungen

SALZBURG (eds/ah – 12. 07. 2012) / Welche Faszination geht von Gewaltspielen aus? „Blut, Töten und Waffen reizen, nicht etwa eine tolle Technik“, erläuterte der Regensburger Psychologe Helmut Lukesch bei der Pädagogischen Werktagung zum Thema „Gewalt in den Medien und Möglichkeiten der Prävention von Gewalt“. „Wenn Sie gewalttätiges Verhalten verhindern wollen, dann müssen die Organisationen handeln“, stellte der Freiburger Professor Klaus Fröhlich-Gildhoff fest. Die Antwort auf Gewalt und Aggression müsse eine Gesamtstrategie sein, an der Lehrer, Schüler und Eltern gleichermaßen mitarbeiten.

Aggressives Verhalten sei immer multikausal bedingt. Im Normalfall werde jemand, der gerade einen Film mit Gewalt verherrlichenden Szenen gesehen hat, nicht aus dem Haus gehen und einen Mord begehen. Jedoch fördern aggressive Modelle die Gewaltbereitschaft. „Aggressives Verhalten muss frühzeitig unterbrochen werden, sonst wird es verstärkt“, sagte Helmut Lukesch. Das Augenmerk müsse auf die Empathie und die Prosozialität, das freiwillig wohltuende Verhalten gegenüber anderen, gerichtet werden. Wer nämlich empathisch prosozial ist, sei weniger aggressiv. Ein Gegenpol zur Aggressivität sollte da sein. „Bei diesem Prozess sind die Eltern ganz wichtig.“

Prävention beginnt in der Organisation

„Pädagogische Beziehungen sind immer asymmetrisch und sie müssen es auch sein“, meinte der Professor für Erziehungswissenschaft und Sozialpädagogik, Klaus Wolf. Damit ist gemeint, dass Pädagogen etwas können oder wissen müssen, das die Kinder noch nicht können oder wissen. Dazu gehöre auch die körperliche Überlegenheit, die eine notwendige Voraussetzung für Erziehung ist. Die Frage für die Pädagogik sei, wie man mit dem Machtvorsprung umgehe, damit kein Missbrauch entstehen kann.

Der Psychologe und Psychotherapeut Klaus Fröhlich-Gildhoff, der sich mit Gewaltprävention und -intervention als Teil der Organisationsentwicklung in Schulen und Kindertageseinrichtungen beschäftigt präsentierte Studien, wonach isolierte Maßnahmen und einzelne Programme für „schwierige“ Kinder nur eine begrenzte Wirkung haben. Deshalb empfiehlt er bereits in der Organisationsentwicklung anzusetzen: „Es bedarf systematischer Arbeit, die von einer Analyse und Beschreibung der Schulsituation ausgeht und in die das gesamte Schulpersonal, die Schüler und ihre Eltern einbezogen sind.“ Präventionsprogramme seien erfolgreich, wenn sie langfristig und klar strukturiert sind und auch die Eltern und das soziale Umfeld erreichen.

So geht es bei der Werktagung weiter: Freitag, 13. Juli, 9:15 Uhr: Univ.-Prof. Dr. Franz Petermann über die pädagogische Förderung und Therapie von aggressiven Kindern und Jugendlichen. 10:45 Uhr: Univ.-Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz mit dem Thema: „Was verleiht uns Macht über die Macht? - Zur Kultivierung von Aggression“.

Informationen: http://pwt.kirchen.net