Welser-Möst warnt vor „kultureller Kraftlosigkeit"

„Ouverture spirituelle“ soll auch 2013 Kultur und Religion ins Gespräch bringen

SALZBURG (eds/kap – 30. 7. 2012) / Auf eine Zeitreise hat Stardirigent Franz Welser-Möst zum Abschluss der „Ouverture spirituelle“ das Publikum bei den Salzburger Festspielen mitgenommen: Spielte die Gottesbeziehung für Musiker wie Johann Sebastian Bach oder Wolfgang Amadeus Mozart noch eine ganz selbstverständliche Rolle in ihrem künstlerischen Schaffen, so müsse man heute einen auch in der Kunst um sich greifenden Atheismus konstatieren. Dieser führe zu einer „fortschreitenden kulturellen Degeneration“ und lasse eine „große Ratlosigkeit“ zurück, hinter der sich eine „gefährliche kulturelle Kraftlosigkeit“ verberge, so Welser-Möst in einer Gesprächsrunde zur Eröffnung der Festspiele.

Der Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper bekannte sich in den „Disputationes“ bei der „Ouverture spirituelle“ zu einem hohen Maß an persönlicher Spiritualität. Er könne und wolle „bei aller Wissbegierde nicht ohne das Geheimnis leben“.

Festspiel-Intendant Alexander Pereira unterstrich zum Abschluss der diesjährigen „Disputationes“ seine Entschlossenheit, in den kommenden Jahren an einer „Ouverture spirituelle“ festzuhalten, um den Dialog zwischen Kultur und Religion fortzuführen. Das Interesse der Öffentlichkeit habe alle seine Erwartungen übertroffen. Man wolle im kommenden Jahr versuchen, noch mehr als bisher das Interesse der Jugend für spirituelle Grundfragen und geistliche Musik zu gewinnen, so Pereira. Schon jetzt stehe fest, dass Haydns „Schöpfung“ auch 2013 - dann unter Leitung von Nikolaus Harnoncourt - die „Ouverture spirituelle“ eröffnen wird.

Nach dem Judentum, dem heuer ein besonderer Schwerpunkt galt, wird im kommenden Jahr der Buddhismus und seine Beziehung zur christlich geprägten Kultur im Mittelpunkt der Salzburger „Disputationes“ stehen. Veranstalter werden auch im kommenden Jahr die Salzburger Festspiele und das „Herbert Batliner Europa-Institut“ unter Leitung von Erhard Busek sein.