Bischof Erwin Kräutler (rechts) mit Wolfgang Heindl von der Aktion „SEISOFREI“, die seit Jahren die Arbeit des Bischofs unterstützt. Foto: EDS

 

Bischof Kräutler: „Im Sinne des Konzils weitergehen“

Einsatz der Kirche für Menschen am Rande der Gesellschaft ist wichtig

SALZBURG (eds/kap – 22. 6. 2012) Die Kirche muss im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils ihren Weg weitergehen: Das hat der austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler bei einem Gesprächsabend zum Thema „Wege aus der Kirchenkrise. Kirche 50 Jahre nach dem Konzil“ betont. Angst vor Neuem dürfe nicht dazu führen, dass man unfähig werde, neue Wege zu gehen. Das Konzil sei von einem neuen Geist getragen gewesen, der auch an den Strukturen gerüttelt habe. Sendung der Kirche sei es, „den Menschen die Liebe Gottes mitzuteilen“, so der Bischof. Die Kirche müsse daher wieder stärker „eine samaritanische, eine prophetische, eine geschwisterliche Kirche“ werden, die weiß, „wie es den Menschen geht“.

Kräutler, ein gebürtiger Vorarlberger, ist seit 1980 Bischof der flächenmäßig größten brasilianischen Diözese Altamira-Xingu und setzt sich seit Jahren für die Rechte indigener Völker ein. Er unterstrich die „Option für die Armen“ und den Einsatz der Kirche gerade für Menschen am Rande der Gesellschaft. „Armut ist kein Schicksal“, hob er hervor. „Armut wird gemacht. Jemand trägt die Verantwortung dafür.“

Der Bischof erinnerte in diesem Zusammenhang an seine 2005 ermordete Mitstreiterin Sr. Dorothy Stang und den 1980 erschossenen salvadorianischen Erzbischof Oscar Arnulfo Romero - nur zwei der vielen Märtyrer, die in Lateinamerika ermordet wurden, „weil sie sich im Namen des Evangeliums auf die Seite der Armen gestellt haben“.

1983 war Kräutler selbst wegen der Teilnahme an einer Solidaritätsaktion von der Militärpolizei festgenommen und verprügelt worden. Dabei hätten sich Menschen schützend vor ihn gestellt und gesagt: „Lasst ihn los, das ist unser Bischof!“, erinnerte sich Kräutler. Dieser Moment sei für ihn „wie eine zweite Bischofsweihe“ gewesen.