Pfarrkirche Tamsweg

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ist die Kirche von Tamsweg von einer Filialkirche der Pfarre Mariapfarr zu einer selbstständigen Pfarrkirche erhoben worden. Gehörten zunächst große Teile des heutigen Gemeindegebiets von Tamsweg noch zu Mariapfarr, erfolgte 1793 eine Reform der Pfarrgrenzen, die nach kleineren Korrekturen in späteren Jahren im Großen und Ganzen den heutigen Gemeindegrenzen entsprechen. Nur Seetal ist im 19. Jahrhundert wieder zur eigenständigen Pfarre aufgewertet worden. Mariapfarr war die Urpfarre des Lungaus, das Zentrum der Seelsorge. Jahrhunderte lang hatte der Pfarrer dort auch das Amt des Archidiakonalkommissärs für den Lungau und die angrenzende Steiermark. Die geschichtlichen Entwicklungen brachten eine wachsende Bedeutung Tamswegs als Zentralort mit sich, sodass 1670 der Sitz des Archidiakonalkommissärs bzw. seit 1804 des Dechants hierher verlegt wurde. Seit 1969 ist für Salzburg geregelt, dass das Amt des Dechants nicht mehr an eine bestimmte Pfarrstelle gebunden ist, sondern durch eine Wahl des Seelsorgspersonals des Dekanates  jeweils für sechs Jahre verliehen wird. Seither wurden im Dekanat Tamsweg aber immer die Pfarrer von Tamsweg zu Dechanten gewählt. Waren nach 1793 der Pfarre Tamsweg noch drei, zwischendurch sogar vier Kooperatoren als Mitarbeiter in Gottesdienst und Seelsorge zugeteilt, wird 2015 der letzte Kooperator von Tamsweg abgezogen. Neben den unzähligen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und den ReligionslehrerInnen, die Aufgaben übernehmen, die in früheren Zeiten nur von Priestern getragen wurden, stehen jetzt aber auch hauptamtliche MitarbeiterInnen mit theologischer Qualifikation zur Verfügung, um eine gediegene Seelsorge zu gewährleisten.

 

Zur Geschichte der Kirche

An der Stelle der heutigen Pfarrkirche standen nach heutigem Wissensstand zwei Vorgängerkirchen: Die eine aus der Romanik, die in den Urkunden von 1231 und 1246 erwähnt ist, die andere aus der Gotik, die im 18. Jahrhundert dem barocken Neubau weichen musste. Die Grundrisse dieser Vorgängerkirchen konnten bei Ausgrabungen 1993 ergraben bzw. rekonstruiert werden.

Der Wohlstand des Lungaus im 18. Jahrhundert - der Bergbau sicherte Einkommen, und auch die landwirtschaftlichen Produkte waren gefragt, da in benachbarten Landesteilen die Bevölkerung durch die Vertreibung der Protestanten stark dezimiert und die Wirtschaft dadurch ruiniert war - schlug sich in der Sehnsucht nach „modernen“, lichtdurchfluteten Kirchen nieder. Schon 1716 erhielt der im Vergleich zur gotischen Kirche sehr mächtige Kirchturm von Tamsweg eine neue Glockenstube und Spitze im Barockstil. 1738 wurde die gotische Kirche abgerissen, bis 1741 der Neubau errichtet und in den folgenden 20 Jahren ausgestattet. Renovierungen sind von 183536, 1871 und 1940-1943 bekannt. Die letzte Innenrenovierung fand 1992-1995 statt, das Äußere fand seine heutige Gestaltung 2001/02.

Ganz wenig erinnert noch an die Vorgängerkirchen: Im Dachboden der Kirche lässt sich an der östlichen Turmmauer noch der gotische Dachansatz erkennen. Der frühbarocke Taufstein mit dem geschnitzten Deckel hatte schon in der gotischen Kirche seinen Platz und steht jetzt im Altarraum. Auch das Kreuz, das im Triumphbogen der Kirche hängt, stammt noch aus der Vorgängerkirche, wo es nach dem Konzil von Trient (1545-63) angebracht wurde, das die Entfernung der Lettner, der alten Aufbauten zwischen Kirchenschiff und Chorraum, anordnete. Das romanische Kreuz, das jetzt im Altarraum der Pfarrkirche Unternberg hängt, zierte wahrscheinlich bis dahin den Lettner zuerst der romanischen, dann der gotischen Kirche und gelangte nach der Entfernung des Lettners in Privatbesitz.

Der Friedhof, der spätestens seit der Pfarrerhebung um die Kirche herum angelegt war, musste 1833 an seinen heutigen Platz - damals im freien Feld - verlegt werden und erhielt in diesem Jahr auch die Kapelle. 1916, 1970 und 1999 wurde der Friedhof erweitert, das Anwachsen der Bevölkerung und der Wunsch nach Familiengräbern (anstelle der alten Reihengräber, die nach Exhumierung der Gebeine neu belegt wurden) erforderten mehr Platz.

 

Führung durch die Kirche

Der erste Eindruck, wenn man die Kirche bei Tageslicht betritt, ist Licht, Farbenpracht und Lebendigkeit. Barocke Kirchen wollen ein Fenster zum Himmel öffnen und ein schwaches Spiegelbild der himmlischen Herrlichkeit zeigen. Deshalb gehören große Fenster, Engelsgestalten (104 an der Zahl in dieser Kirche!) und Stuck als Abbild der Wolken, sowie prächtige Altäre mit Blattgoldverzierungen und lebendigen, fast tanzenden Heiligenfiguren zur Ausstattung. Auch in der Pfarrkirche Tamsweg wird dieser Eindruck auf gelungene Weise vermittelt: Zusammen mit der Feierlichkeit des Gottesdienstes soll ein Vorgeschmack des Himmels, ein Anklingen der Auferstehungsfreude ermöglicht werden. Erst bei näherem Hinsehen offenbart sich, dass jede Menge Schmerz und Leid in diese himmlische Pracht eingebettet ist: Die Darstellung des Kreuzwegs Jesu, die Statuen des Schmerzensmannes (der gegeißelte Jesus) und der Schmerzensmutter (die trauernde Maria, Mutter Jesu), die Leidenswerkzeuge der Heiligen stellen die dunkle Seite der Wirklichkeit dar. Aber alles ist gut aufgehoben in der Hoffnung auf die Auferstehung, die das Gesamtbild prägt!

Bemerkenswert ist, dass fast alles, was wir jetzt bewundern können, von einheimischen Handwerkern und Künstlern geschaffen wurde. Der Baumeister Fidelis Hainzl aus St. Lambrecht, der Tischler Andrä Pirkner, der Bildhauer Johann Pult und der Maler Gregor IV. Lederwasch, alle aus Tamsweg, verantworteten Bau und Ausstattung. Nur der Stuck und zwei Altarblätter an den rechten, südlichen Seitenaltären (Hl. Sebastian und Hl. Josef) stammen von auswärtigen Künstlern.

Der Hochaltar - gestiftet von der Leonhards-Bruderschaft, der wichtigsten Gruppe im Pfarrleben der Zeit - erinnert mit seinen zwölf Säulen an das himmlische Jerusalem nach dem biblischen Buch der Offenbarung des Johannes. In der Mitte ist der Kirchenpatron, der Apostel Jakobus (der Ältere), dargestellt, wie er in den Himmel aufgenommen und von der göttlichen Dreifaltigkeit empfangen wird. Die Apostel Petrus, Jakobus der Jüngere, Judas Taddäus und Paulus umrahmen die Szene. Die Seitenaltäre spiegeln die Frömmigkeit der Zeit wieder: Zum einen widmeten wichtige Spender, der Graf Christof Kuenburg, Schlossherr in Tamsweg, und der Archidiakonalkommissär und Pfarrer Sebastian Schallhammer, Motor des Kirchenbaus, ihren Namenspatronen Altäre. Links (nördlich) hinten findet sich der Altar der zweiten Bruderschaft, der „Skapulier-Bruderschaft“, eine fromme Vereinigung, die als Abzeichen das „Skapulier“, zwei Marienbilder, verbunden mit zwei Schnüren und so um den Hals gehängt, dass ein Bild vorne und eines hinten gezeigt wird. Rechts (südlich) hinten verweist der Josefs-Altar auf die Verehrung des Hl. Josef, des „Nährvaters“ Jesu, die in der Barockzeit ihre Blüte hatte.

Bei der letzten Innenrenovierung erfolgte die Umgestaltung des Altarraums nach den liturgischen Erfordernissen unserer Zeit. Der Plan für die „liturgischen Orte“ Altartisch, Ambo und Priestersitz stammt vom Salzburger Diözesanarchitekten Peter Schuh.

 

Markus Danner

 

Quellen:

Martin, Franz, Die Denkmale des politischen Bezirkes Tamsweg (Österreichische Kunsttopographie 22), Wien 1929.

Heitzmann, Klaus/Anton/Josefine, Tamsweg. Die Geschichte eines Marktes uns seiner Landgemeinden, Tamsweg 2008.

Archivalien der Pfarre Tamsweg.

Bilder: Verlag St. Peter, R. Weidl