100 Prozent Zustimmung

„Als Frau der Basis“ sieht sich Evi Oberhauser. Bei der jüngsten Vollversammlung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs in St. Virgil wurde die Tirolerin zur zweiten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Salzburg/Tirol. Das Ergebnis der Abstimmung hätte nicht besser ausfallen können – hundert Prozent Ja-Stimmen. So eindeutig haben Frauen aus ganz Österreich Evi Oberhauser in der Vollversammlung zu ihrer zweiten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. „Das hat mich schon wahnsinnig gefreut“, erklärt die Kitzbühlerin, die sich dennoch Bedenkzeit erbeten hatte, als sie vor einem Monat als Kandidatin vorgeschlagen wurde. „Ich bin 66 Jahre alt, arbeite noch zwei Tage und schreibe an meiner Dissertation.“ In ihrer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt sie sich mit den „Lebensentwürfen hochbetagter Frauen“. Über mangelnde Beschäftigung kann sich Oberhauser also nicht beklagen. „Auf der anderen Seite ist es eine Ehre, gefragt zu werden. Jetzt freue ich mich auf die Aufgabe.“ Erfahrung bringt sie auf jeden Fall mit. Sie war lange in der Leitung der Katholischen Frauenbewegung der Erzdiözese, hat sie als stellvertretende Vorsitzende von 2005 bis 2013 ganz wesentlich mitgestaltet und die kfb Salzburg in dieser Zeit in der Bundesleitung vertreten. Nach wie vor wirkt sie als Regionalleiterin für die Region St. Johann und Brixen im Thale. Die Frauenbewegung ist aber schon weitaus länger in ihrem Leben präsent.

Evi Oberhauser ist seit 35 Jahren Mitglied in der größten Frauenorganisation Österreichs. „Die Gemeinschaft und die Spiritualität bedeuten mir sehr viel.“ Bereichernd seien immer wieder die Kontakte mit den unterschiedlichsten Frauen. „Eine Burgenländerin aus dem Seewinkel sieht halt manche Dinge anders als eine Tirolerin. Doch gerade das macht es spannend.“

Hinausgehen zu den Frauen

Möglichst häufig das Gespräch und die Begegnung mit den Frauen an der Basis suchen – „ich bin ja eine von ihnen“ – möchte sie auch in ihrem neuen Amt. „Das heißt für mich, hinausgehen und bei Bildungsveranstaltungen vor Ort sein.“ Ein zentrales Anliegen sei ihr die Entwicklungszusammenarbeit oder gerade jetzt das Flüchtlingsthema. „Hier den Blick drauf zu haben und zu sensibilisieren ist mir wichtig.“

Regelmäßig wird sie von nun an in Wien anzutreffen sein, um mit ihren Vorstandskolleginnen in der noch bis 2018 dauernden Periode die Geschicke der kfbö zu lenken und dabei besonders die Interessen des „Westens“ einzubringen. „Für mich ist dieses Ehrenamt eine persönliche Bereicherung und meine Lebenssituation macht es möglich“, betont Oberhauser, die sich natürlich im Klaren darüber ist, dass es in Zukunft einiges mehr an Organisation und Zeitmanagement brauchen wird, um alles unter den Hut zu bekommen.

„Verstehen uns als politische Kraft“

Bei der Vollversammlung im Salzburger Bildungshaus stand für die kfb-Frauen nicht nur eine Wahl auf dem Programm. Sie bekräftigen ihre Rolle als politische Akteurinnen im Kampf für Verteilungsgerechtigkeit. „Die kfbö versteht sich als politische Kraft, die Meinungsbildung, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit in der Gesellschaft vorantreibt“, so Vorsitzende Veronika Pernsteiner. Das bedeute im Sinne von Papst Franziskus „an die Ränder“ zu gehen: „Wir müssen jenen Teil der Bevölkerung in den Blick nehmen, der am unteren Ende der Einkommens- und Vermögensskala angesiedelt ist.“

Die Katholische Frauenbewegung macht sich für ein gerechtes Steuersystem stark: die Wiedereinführung von Vermögenssteuern, eine verteilungswirksame Erbschafts- und Schenkungssteuer, eine gerechte Besteuerung von Kapital und Konzerngewinnen, die Einführung von Finanztransaktionssteuern und das Trockenlegen von Steueroasen. „Wir treten auch für eine gendergerechte Steuer- und Budgetpolitik ein, weil jede Entscheidung darüber, wie Einnahmen lukriert oder Ausgaben getätigt werden, die Interessen von Männern und Frauen unterschiedlich berühren“, betont Veronika Pernsteiner. Derzeit würden viele Entscheidungen zulasten von Frauen getroffen.

Evi Oberhauser (l.) ist die neue stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreich – sie komplettiert mit Veronika Pernsteiner aus Oberösterreich und Andrea Ederer aus der Steiermark (r.) nun die kfbö-Spitze.