Ärmer, aber näher am Evangelium

Kirche wird in Zukunft materiell, personell und an Macht ärmer sein, „vielleicht aber näher am Evangelium“, betonte der neue Linzer Bischof Manfred Scheuer bei seiner Antrittspredigt im Linzer Mariendom.

Linz. Manfred Scheuer ist Bischof der Diözese Linz. An seiner feierlichen Amtseinführung am Sonntagnachmittag im Mariendom und dem Fest auf dem Domplatz nahmen Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, Kardinal Chris-toph Schönborn, Bischöfe aus dem In- und Ausland, Gäste aus der Ökumene und dem öffentlichen Leben sowie tausende Gläubige teil.
Eine Lanze für Flüchtlinge hat der neue Linzer Bischof in seiner Antrittspredigt gebrochen. Er forderte einen menschlichen Umgang mit Flüchtlingen. „Unsere Gedanken dürfen sich nicht auf Abschottung und Dichtmachen richten, sondern auf die Problemlösung.“ Scheuer äußerte die Überzeugung, es sei „humane Aufgabe und christliche Pflicht“, heimatvertriebene Menschen innerhalb des internationalen Rechts und der rechtsstaatlichen Rahmenbedingungen aufzunehmen. Eine weitere Option widmete er der Jugend. Die Gesellschaft schulde den jungen Menschen die Möglichkeit, das eigene Leben in die Hand zu nehmen und an einer Existenz zu bauen.

Dialog mit Kirchen und Religionen

Bischof Scheuer bezeichnete es als „Frage der Zukunftsfähigkeit der Kirche“, ob es gelingt, eine Sozialform des Glaubens mit einem „entkrampfteren Verhältnis zwischen Klerikern und Laien“ zu finden, mit guten Beziehungen zwischen Frauen und Männern sowie in Offenheit und Gastfreundschaft für suchende Menschen. Die Kirche dürfe nicht zu sehr mit sich selbst und den eigenen Problemen beschäftigt sein. Die Kirche werde „in Zukunft ärmer sein“. Er rechne damit in materieller und personeller Hinsicht, aber „auch ärmer an Bedeutung, Macht und Einfluss, vielleicht aber näher am Evangelium“. Scheuer bekannte sich in seiner Predigt auch zum ökumenischen Miteinander der christlichen Kirchen, zu positiven Beziehungen zur israelitischen Kultusgemeinde sowie zu tragfähigen Kontakten im interreligiösen Dialog. „Keine Religion ist eine Insel.“

„Ich komme alt und neu in die Diözese und nach Oberösterreich“, so Bischof Scheuer. Hier sei seine Heimat, freilich habe er auch anderswo Wurzeln geschlagen. Somit brauche er Zeit anzukommen.

kap

 

 

Amtseinführung: Dompropst Wilhelm Vieböck überreicht Bischof Manfred Scheuer einen Bischofsstab als Geschenk des Linzer Domkapitels. Foto: H. Wakolbinger/Diözese Linz