„Als Gesellschaft zusammenstehen“

Mit Trauer und Bestürzung reagierten die Spitzen der Kirchen in Deutschland auf den Anschlag bei der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Die Todesfahrt eines Mannes mit einem Lastwagen kostete mindestens zwölf Menschen das Leben, 48 wurden zum Teil schwer verletzt. 

Berlin. „Die Gewalt auf dem Weihnachtsmarkt ist das Gegenteil dessen, was die Besucher wollten“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Sein Mitgefühl gelte den Angehörigen der Toten und Verletzten. „Für alle werde ich beten. In dieser schweren Stunde für die Stadt Berlin und unser Land gilt es, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen und zusammenhalten“, so Marx.  Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sprach von einer „fürchterlichen Gewalttat“; „wir alle sind entsetzt über diese brutale und sinnlose Gewalt. So viele unschuldige Menschen sind ihr zum Opfer gefallen.“ Es handle sich um eine „feige Gewalttat“. Mit zahlreichen Menschen in Deutschland und weltweit sei er im Gebet vereint. 

Der Vorsitzende der Kirchengemeinde der Berliner Gedächtniskirche, Anselm Lange, war Augenzeuge. Er musste von der Polizei eine halbe Stunde nach der Todesfahrt aus der Kirche über den Platz geführt werden. Er habe „erschütternde Bilder wahrnehmen müssen“, sagte er. „Ein Anschlag ist immer eine Untat.“ Doch angesichts der Zerstörung ausgerechnet vor dieser Kirche, dem Berliner Friedenssymbol schlechthin, könne er keine Worte finden. 

Offenheit nicht aufgeben 

„In tiefer Betroffenheit“ hat auch der österreichische, evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker die Nachricht von der Terrorattacke auf den Weihnachtsmarkt in Berlin aufgenommen. Er bete für die Opfer und Angehörigen. Besonders schmerzlich sei, dass der Anschlag „am Platz vor einer Kirche durchgeführt wurde, die selbst ein Mahnmal gegen Krieg, Gewalt und Terror ist“. In einer Aussendung erklärte Bünker, der auch Generalsekretär der Evangelischen Kirchen in Europa ist, wörtlich: „Die Menschen kann ich nur bitten, zusammenzuhalten und sich von feigen Anschlägen wie diesen nicht von ihren Grundüberzeugungen einer offenen Gesellschaft auf rechtsstaatlicher Grundlage abbringen zu lassen.“             

kap

Foto: Nach dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt bei der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche riefen die Kirchen zum Gebet für die Opfer und Angehörigen auf.