Altes Wissen für neue Wege

„Die Erde gibt uns zu essen und ein Dach über dem Kopf.“ Marcos Gomez ist ein bescheidener Mann, aber auch ein stolzer Bauer. 

Carnachique. Im peruanischen Andendorf Carnachique baut er wie die Generationen vor ihm auf den Terrassenfeldern an den steilen Hängen Gemüse an. Die Bodenbeschaffenheit mache es schwierig, produktive Landwirtschaft zu betreiben, erklärt der 60-Jährige. Seit drei Jahren arbeiten die Bauern mit Minka, der Entwicklungsorganisation von Romero-Preisträger Francisco San Martín, zusammen. „Unser Leben hat sich verändert. Durch die bessere Wasserversorgung reicht die Ernte jetzt aus, um alle das ganze Jahr über zu ernähren.“ 

Über holprige Straßen geht es hinauf in das Dorf. Carnachique liegt auf 2.800 Meter Höhe. Wenn nicht gerade Regenzeit ist, die nur eineinhalb Monate andauert, ist es schwierig für die Bauern die Böden in fruchtbare Felder zu verwandeln. „Das Klima macht uns zu schaffen. Die Sonneneinstrahlung ist stärker und es kommt immer weniger Regen. Wir müssen uns zusammentun und Allianzen bilden, damit auch unsere Kinder noch eine Zukunft im Dorf haben und nicht weggehen. Von der Politik können wir nichts erwarten, keine Wertschätzung und keine Hilfe“, beteuert Gomez, Vorsitzender der Bauernvereinigung in Carnachique. 

„Ohne Wasser keine Landwirtschaft. Und ohne Landwirtschaft kommt es zu Abwanderung“, bringt es William Siapo von Minka auf den Punkt. Seit 2015 setzt er gemeinsam mit den Bauern Schritte, die ihnen eine Perspektive in ihrem Heimatdorf eröffnen. „Die Basis dafür ist Vertrauen“, betont Siapo. „Wir sagen nicht: Ihr müsst das so oder so machen. Wir stärken das Selbstbewusstsein der Leute und setzen auf ihre Erfahrung gemeinsam mit neuem Know-how.“ 

Die Antworten für ein besseres Leben sind vor allem Wasserreservoirs und das Wassertropfsystem. „In Schläuchen leiten wir Wasser aufs Feld, wo es die Pflanzen tröpfchenweise erreicht“, beschreibt Bauer Ronald Alvarez die Technik. Er freut sich über einen weiteren großen Speicher. „Wenn es regnet füllen wir ihn auf und können dann die trockenen Zeiten überbrücken.“ 

Gesunde Ernährung fördern

Lauch, Kohl, Sellerie, Mangold, Brokkoli, Salat, Spinat, Chilli und natürlich Mais und Kartoffeln. Die Vielfalt ist beeindruckend. „Doch die Menschen haben verlernt, sich gesund zu ernähren“, bedauert Marcos Gomez und William Siapo ergänzt: „Rasch merkten wir, dass es neben der Wasserspeichern noch anderes braucht. Die Bauern verkauften ihre Prokukte, doch selber haben sie davon nur sehr einseitig gegessen. Kinder waren mangelernährt.“ So kam die Idee mit der „Biomesse“ in Carnachique, die sich um Biodünger, Biolandwirtschaft und gesunde Ernährung dreht. Gastronomieschülerinnen und -schüler bieten ihre Gerichte an und die Leute sehen und schmecken, was sie aus den Lebensmitteln zubereiten können. An einem anderen Stand geht es um Saatgut und in einem Vortrag darum, wie es richtig angebaut wird. „Wir wollen die Landwirte motivieren, wieder ihr eigenes Saatgut zu gewinnen. Das an der Küste gekaufte Saatgut ist nicht nur teuer. Es ist nicht an die Böden und das Klima in der Bergregion angepasst. Die alten indigenen Pflanzen wachsen besser und brauchen weniger Wasser“, zählt Siapo die Vorzüge auf. Er plädiert dafür, das Wissen und die Anbauweisen „unserer Ahnen“ zu bewerben und zu erhalten.  

Wasser ist das zentrale Thema

In den Anden gibt es zumindest im Sommer Niederschlag. Beeinflusst vom Humboldtstrom regnet es an der Küste Perus praktisch nie. Das Wasser aus den Bergen muss den schmalen Wüstenstreifen versorgen, an dem mehr als die Hälfte der peruanischen Bevölkerung lebt. 

„Wasser ist das zentrale Thema im ganzen Land“, unterstreicht der Minka-Gründer und diesjähriger Romero-Preisträger Francisco San Martín. Seine Organisation fördert mit Unterstützung der Katholischen Männerbewegung und SEI SO FREI Kleinbauern und die Bio-Landwirtschaft. „Mit Minka lebt der Traum, unseren Kindern und Familien ein gutes Leben zu ermöglichen“, sagt Ronald Alvarez, der sich mit 39 Jahren schon über ein Enkerl freuen kann. Er war einer der Ersten, der sich der Bauernvereinigung in Carna-chique anschloss. „Dieser Weg ist der Richtige“, ist er überzeugt.

Aus dem Hirtenwort von Erzbischof Franz Lackner

Erst vor wenigen Wochen hat Papst Franziskus Erzbischof Oscar Romero heilig gesprochen und einmal mehr an die Sorge für die Armen erinnert. Sie sind Teil dieser Welt und Teil unseres Glaubens, sie zeigen klar und deutlich, worum es im Kern des Evangeliums geht. Beim ersten Auftreten Jesu im Lukasevangelium heißt es programmatisch: Ich bin gesandt, „damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe“. (Lk 4,18)

Dem Auftrag, den Armen zu helfen, hat sich SEI SO FREI verschrieben. Die von der Katholischen Männerbewegung ge-gründete entwicklungspolitische Aktion führt heuer zum 60. Mal die Adventsammlung durch. Zum Jubiläum dieser wichtigen kirchlichen Hilfsaktion möchte ich ganz besonders um Unterstützung bitten und Ihnen die Arbeit des diesjährigen Romero-Preisträgers ans Herz legen:

Francisco San Martín. Er hat in unserer Erzdiözese studiert und setzt sich in seiner Heimat Peru für Bergbauernfamilien ein. Wo Felder mühevoll von Hand bestellt werden, Trockenheit die Ernte bedroht und Kinder unterernährt sind, bringt er Hoffnung: Wasserspeicher werden errichtet, sie helfen Trockenzeit zu überbrücken und Hungersnot zu lindern. Die Familien erhalten technische Unterstützung und werden beim Umstieg auf Biolandbau begleitet, was zu höheren Einnahmen führt und ein selbstständiges Leben in Würde möglich macht.

Mit Ihrer Spende bei der SEI SO FREI-Adventsammlung helfen Sie den Bergbauernfamilien in den Anden Perus. Für dieses Zeichen der geschwisterlichen Nächstenliebe danke ich von Herzen!

Tipp: Die Unterstützung von Bergbauernfamilien in Peru steht heuer im Mittelpunkt der Adventsammlung. Jeder Euro schenkt Wasser und Leben! Diesem Rupertusblatt liegt ein Spendenzahlschein bei oder einfach unter www.seisofrei.at spenden.