Am richtigen Platz

Mission.  Margaretha Moises war Anfang zwanzig als sie 1953 in Le Havre an Bord eines Frachtschiffes ging, drei Wochen dauert die Ozeanüberquerung. Wenn die heute  85-jährige gebürtige Bad Hofgasteinerin über den Anfang ihrer Mission in Kolumbien erzählt, erinnert sie sich an jede Einzelheit. Bei ihrem Heimatbesuch im Pongau und in der Stadt Salzburg spricht sie aber auch über die Gegenwart: Friedensprojekte in Kolumbien und den Papstbesuch.  

Salzburg/Medellín. Als die junge Margaretha ihrer älteren Schwester Herlinde als Franziskanerin nach Kolumbien folgte, bedeutete das einen Abschied für immer von den Eltern. „Das Wichtigste ist, dass wir im Himmel oben wieder alle zusammen sind.“ Das habe der Vater damals zu ihr gesagt, erinnert sich Margaretha Moises. Er habe seine Kinder stets im Glauben gestärkt. „Wir  waren für alle Stürme gewappnet.“

In ruhigem Fahrwasser verlief das Leben der Moises-Schwestern nämlich nicht. Doch ein anderer Platz als Kolumbien war nicht vorstellbar wie Margaretha unterstreicht und berichtet, wie der Orden sie nach den Anfangsjahren in ihrer neuen Heimat erst nach Spanien und später nach Vorarlberg versetzte. Margaretha empfand das als Strafe. Sie wünschte sich nur eines: „Bitte, darf ich wieder zurück.“  

In Kolumbien wirkte sie als Lehrerin, studierte Pädagogik und Theologie. Die schönsten Zeiten habe sie vor allem in der Jugendarbeit erlebt.  Unvergessen sei die Vorbereitung auf den ersten Besuch eines Papstes im Land gewesen. „Die Menschen freuen sich auch jetzt auf den Papst, der ja im September nach Kolumbien kommt. Doch damals war das etwas anderes. Fenster und Türen gingen auf, in jedem Dorf wurde das Volk vorbereitet.“ Am 24. August 1968 habe dann Papst Paul VI. in Medellín die historische Generalversammlung der Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik eröffnet.   

Unerschrockenes Eintreten für die Armen 

Zur Herzensaufgabe wurde den Franziskaner-Missionarinnen der Einsatz für die  Armen. „Als meine Schwester das erste Mal die Armut in den Dörfern gesehen hat, war ihr klar: Die Menschen brauchen jemanden, der bei ihnen ist.“ Den Mächtigen und Großgrundbesitzern war das unerschrockene Eintreten für die Rechte der Landlosen und  Vertriebenen ein Dorn im Auge. Herlinde wurde verhaftet und eingesperrt; Margaretha von der Geheimpolizei abgeholt und verhört. Doch selbst von diesen Erlebnissen haben sich die beiden nicht aufhalten lassen. Bis heute lebt Margaretha Moises die Option für die Armen. Sie leitet ihre eigene Hilfsorganisation CEDAL und kümmert sich um das Werk ihrer 2006 verstorbenen Schwester Maria Herlinde. Die „Stiftung Mutter Herlinde Moises“ setzt sich mit Bildung, Gesundheitsversorgung und Pastoralarbeit für eine bessere Zukunft der Menschen in Pasacaballos und in den Dörfern am Dique-Kanal ein.

Friedensarbeit als Herausforderung 

Trotz ihres Alters, Margaretha Moises ist 85, zur Ruhe setzen kommt nicht in Frage. Gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin Gladys Daza Hernández widmet sie sich weiter Bildungsprojekten und besonders der Friedens- und Versöhnungsarbeit. Ein Friedensabkommen hat den langjährigen Konflikt zwischen den linksgerichteten Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc) und der Regierung endlich beendet. „Doch die Aufarbeitung und Versöhnung wird noch lange dauern. Fast jede Familie hat Erfahrungen oder kennt ein Opfer.“ 

Spenden: Die Arbeit der Moises-Schwestern wird seit langem von SEI SO FREI, der entwicklungspolitischen Aktion der Kath. Männerbewegung Salzburg, unterstützt. IBAN: AT10 3500 0000 0001 4100; Verwendungszweck  „Sr. Margaretha Moises“.

 

Foto (ibu): Von Salzburg nach Kolumbien – genau gesagt von Bad Hofgastein aus, wo sie aufgewachsen ist, machte sich Margaretha Moises vor mehr als 60 Jahren auf nach Kolumbien in die Mission. Sie kam und blieb – die richtige Person am richtigen Platz. Nach Salzburg und in den Pongau kommt sie aber immer gerne auf Heimatbesuch.