An die Ränder der Gesellschaft

Die Jugend in Liberia braucht nach der Wahl dringend Zukunftsperspektiven. Salesianerbruder Lothar Wagner fordert Bildungs- und Joboffensive für junge Menschen sowie Notunterkünfte und besseren Schutz vor Gewalt.

Liberia. Auf den neuen liberianischen Präsidenten George Weah kommen große Herausforderungen zu, weiß Salesianerbruder Lothar Wagner. Der langjährige Projektpartner der österreichischen Hilfsorganisation Jugend Eine Welt zeichnet ein düsteres Bild des Landes: Tausende Kinder und Jugendliche leben obdachlos auf den Straßen der liberianischen Hauptstadt Monrovia. Sie sind oft die Nachkommen von geschätzten 10.000 ehemaligen Kindersoldaten, die nach dem bis 2003 andauernden Rebellenkrieg nicht wieder in ein normales Leben zurückfanden. Andere verloren während der Ebola-Krise 2014 ihre Eltern. „Liberia hat eines der schlechtesten Bildungssysteme der Welt, unglaublich viele Kinder müssen schon in jungem Alter schwer arbeiten.“

Von Präsident Weah wünscht sich Br. Lothar eine engagierte Bildungs- und Joboffensive für junge Menschen. Dringend nötig seien auch  Notunterkünfte sowie mobile Gesundheits- und Beratungsdienste, um die akute Notsituation tausender obdachloser Jugendlicher zu lindern. Sie müssen sogar in Gräbern schlafen, weil sie sonst kein Dach über dem Kopf haben.

Zukunft für vergessene Kinder

Die Salesianer Don Boscos sind in Liberia mit mehreren Bildungseinrichtungen und einem Jugendzentrum präsent. Ein besonderes Anliegen sind Br. Lothar Wagner die von der Gesellschaft vergessenen Kinder: Mädchen und Buben, die wegen kleiner Vergehen jahrelang hinter Gitter wandern, „Friedhofskinder“, Straßenkinder, Kinderprostituierte, junge Drogensüchtige. 

„Unser Ordensgründer Don Bosco hat uns aufgetragen, jungen Menschen aktiv zur Seite zu stehen, ihnen zuzuhören und an ihrem Leben Anteil zu nehmen. Und Papst Franziskus ruft unermüdlich dazu auf, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen – diesen Ruf sollten wir ernst nehmen. Ich persönlich vergesse nie den Blick eines Jungen, dem ich auf dem Friedhof von Monrovia begegnete. Er sah mich aus der Tiefe eines Grabes an, in dem er die Nacht verbracht hatte. Nach einer Weile lächelte er. Es sagte nichts, aber mit diesem Lächeln gab er mir die Erlaubnis, näherzukommen und seine Welt kennen zu lernen.“  

Bildtext: Grab-Schlafstätte – obdachlose Jugendliche in Liberia müssen  in Gräbern schlafen, weil sie sonst kein Dach über dem Kopf haben.       

Foto: Jugend Eine Welt