Anders, aber gleich

Bildung. Ihre Zukunft sei nicht so wichtig. „Ich wünsche mir nur ein glückliches Leben für meine Tochter Dina. Deshalb bin ich sehr froh, dass sie in Beth Aleph in die Kindergartenklasse geht. Sie soll Englisch lernen und alles was sie für später braucht.“  Meskawet kommt aus Äthiopien. Sie ist eine von hunderttausenden Arbeitsmigrant-Innen, die illegal und damit ohne Schutz im Libanon sind. Ihre Kinder haben die denkbar schlechtesten Startbedingungen. Einzig in Beth Aleph  finden sie Bildung, Fürsorge und Normalität. Die Caritas Salzburg unterstützt das Vorschulprojekt der Lazaristen in Beirut.

Beirut. „Es gab von Anfang an Probleme. Ich hatte fast nie frei und bekam für einen ganzen Tag oft nur ein Sandwich. Mein Boss sagte dann: Du bist zum Arbeiten und nicht zum Essen in den Libanon gekommen.“ Als Meskawet schwanger wurde, schmiss sie ihr Chef raus. Den Reispass der heute 32-Jährigen behielt er. Die Äthiopierin ist seither als U-Boot im Land. Ihre vor vier Jahren geborene Tochter Dina existiert offiziell gar nicht. Ohne Papiere ist der Zugang zu Kindergarten und später zur Schule versperrt. „Unsere Sozialarbeiterinnen kümmern sich darum, begleiten die Eltern zu Ämtern oder organisieren bei Bedarf rechtlichen Beistand“, erklärt P. Ziad Haddad. Er ist Leiter des Vorschulprojekts Beth Aleph. Das Haus des Alphabets ist der einzige Ort in der libanesischen Hauptstadt, der Kindern von Migrantinnen und Flüchtlingen eine Chance gibt. 

Kinder schützen und fördern  

Sudan, Bangladesch, Sri Lanka, Irak, Syrien, Madagaskar, Eritrea…Kinder aus zwölf Nationen sitzen in den Klassenzimmern der Vorschule im christlichen Viertel Achrafieh.  „We are different but the same“ steht in einer von den Kindern gebastelten Karte. Und dieses „Anders, aber gleich“ ist  im Haus des Alphabets gelebter Alltag. „MigrantInnen werden oftmals von oben herab behandelt. Umso wichtiger ist es, sich für die Rechte der Kinder einzusetzen und ihnen Selbstbewusstsein zu vermitteln.“ 

Das hohe Niveau der pädagogischen Be-gleitung macht die Kinder fit für das Regelschulsytem. Auf dem Stundenplan in Beth Aleph stehen Englisch, Lesen, Schreiben und Rechnen. Daneben ist aber für die Kleinen im Alter zwischen drei und sieben Jahren ausreichend Zeit zum Spielen, Tanzen und Singen. „Alles was sie lernen, auch der respektvolle Umgang untereinander, lernen sie bei uns“, fasst Projektkoordinatorin Suzanne Abi Ghanem zusammen. Zuhause sind ihre Schützlinge oft sich selbst überlassen, da die Eltern den ganzen Tag arbeiten müssen. Sie sind froh, wenn sie ihre Kinder gut aufgehoben und mit ausreichend Essen versorgt wissen. „Die Jause verweigern manche“, erzählt Suzanne, „aber nicht, weil sie keinen Hunger haben. Sie wollen das Pausenbrot für ihre Geschwister oder ihre Mama mit nach Hause nehmen.“

Tipp: Im Februar lenkt die Caritas den Blick auf die Not von Kindern. Das Rupertusblatt stellt „Hoffnungsprojekte“ vor. Spenden und weitere Infos unter www.caritas-salzburg.at

Foto (ibu): Meskawet träumt von einer sorgenfreien Zukunft für ihr Kind. Die Vorschule Beth Aleph ist für sie der erste Schritt, „damit Dina einmal ein glückliches Leben führen kann“.

 

Ein zweites Zuhause voll Wärme

Interview mit Suzanne Abi Ghanem, Koordinatoren des Vorschulprojekts Beth Aleph in Beirut.

RB: Wie sieht der Alltag mit Kindern aus zwölf Nationen aus? 

Suzanne Abi Ghanem: Wenn sie zu uns kommen, sprechen sie meist nur ihre Muttersprache und sind sehr schüchtern. Doch Beth Aleph wird bald zum zweiten Zuhause. Die Kinder entwickeln sich und beherrschen schon nach kurzer Zeit die Unterrichtssprachen Englisch und Arabisch. In der Gemeinschaft lernen sie, einander zu respektieren und zu teilen. Die Herkunftsländer sind selbstverständlich Thema. Die Kinder sollen sich nicht minderwertig fühlen. Im Libanon haben sie selten Gelegenheit stolz auf ihre Wurzeln zu sein. Sie sollen wissen, sie sind alle gleich viel wert mit denselben Rechten.

RB: Was bedeutet die Unterstützung der Caritas Salzburg?

Suzanne Abi Ghanem: Alle Kinder haben das Recht auf Bildung, unabhängig von Herkunft oder Religion. Ich sehe in Beth Aleph täglich wie unsere Schützlinge profitieren – das macht die Hilfe aus Salzburg möglich. Beth Aleph ist ein Schritt zur Integration der Kinder in die libanesische Gesellschaft und in das Schulwesen. Das Bildungsprojekt trägt auch zur Akzeptanz von MigrantInnen bei, wenngleich sie noch immer eine Randgruppe im Land sind, die es sehr schwer hat.   

RB: Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Beth Aleph?

Suzanne Abi Ghanem: Vor sieben Jahren haben wir mit 45 Schülern angefangen, jetzt sind es schon 125. Schön wäre es, wenn wir Kinder in höheren Schulstufen unterrichten und noch mehr aufnehmen könnten. Ich möchte allen eine gute Bildung mitgeben. Sie sollen die Chance erhalten, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und ihre Talente zu entdecken.