Anders, neu & offen

Gottesdienst. Das vergangene Wochenende war für die Salzburger Stadtpfarre Salzburg-St. Andrä vom 120-Jahr-Jubiläum geprägt. Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Pfarrkirche fand der Festreigen einen eindrücklichen Abschluss. 

 

 

Salzburg-St.Andrä. Sonntagabend, 20 Uhr. Aus der Kirche am Mirabellplatz tönen jazzige Klänge. Immer noch strömen Menschen in das sanft beleuchtete Gotteshaus. Dass es sich bei der abendlichen Feier nicht um eine gewöhnliche Liturgie handelt, wird gleich bei der Begrüßung klar, als Initiatorin Birgit Esterbauer vom Liturgiereferat der Erzdiözese Salzburg und Mona Müry die aktuellen Stimmungen der knapp hundert Gottesdienstbesucherinnen und -besucher im „Garderobengebet“ mit in die Feier hineinnehmen. Jede Stimmung hat Platz – ob gestresst, motiviert, neugierig, rastlos. Man fühlt sich angenommen. Und angekommen. 

Gottesdienst für Ungläubige und Zweifler 

Wohlfühlatmosphäre und ein anderer, moderner Sound der Band „Worship oida“ begleitet diese Thomasmesse, ein neues Gottesdienstformat, das sich insbesondere an „Ungläubige, Zweifler und andere gute Christen“ wendet. Ein traditioneller Sonntagsgottesdienst „kann ein unglaubliches  Geschenk sein“, sagt Esterbauer im Vorfeld der Feier. Aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung weiß die Liturgiereferentin aber auch: Immer mehr Menschen verstehen die geschichtsträchtige Formensprache nicht oder können sich in ihr nicht wiederfinden.  

Tradition trifft auf moderne Formen 

Mit einer offenen Phase versucht die Thomasmesse deshalb, Raum für die eigene Lebenswelt zu schaffen. Nach der Predigt von Bruder Bernd Kober und Theologin Maria Traunmüller zum Thema „Sehnsüchte“ stehen acht verschiedene Stationen bereit: Ein Licht der Dankbarkeit entzünden, Scherben als Symbol für zerbrochene Lebensträume in die Hände Gottes legen oder sich von jemanden segnen lassen und Zuspruch finden – die Beteiligung der Mitfeiernden ist möglich, aber nicht verpflichtend. Die eingängigen Klänge, die beruhigende Atmosphäre und das Wohlwollen der Anwesenden: Es entsteht ein Gemeinsames, das für viele Anwesende beim Friedensgruß und dem gemeinsamen Brot-Brechen spürbar wird. Gestärkt mit dem Segen treffen sich das ökumenische Vorbereitungsteam des Gottesdienstes, die Musiker und die Besucherinnen und Besucher nach der Feier zur gemeinsamen Agape. Gute Wünsche für die kommende Woche werden weitergegeben und Erfahrungen ausgetauscht. Das Fazit: Die Thomasmesse ist anders. Und gerade deshalb Andockstelle für viele. 

Foto: Ins Licht bringen. Anliegen, Wünsche und Gedanken fügten die Gottesdienstbesucher und -besucherinnen zu einer stimmungsvollen Installation zusammen. 

Foto: RB/Erzdiözese Salzburg