Anlauf für Umkehr

Am 6. Oktober startet in Rom die Amazonas-Synode

Salzburg. Neue Wege für die Kirche und für eine ganzheitliche Ökologie. Unter diesem Titel findet vom 6. bis 27. Oktober in Rom die Sonderversammlung der Bischofssynode für das Amazonas-Gebiet statt. Für das Rupertusblatt geht  Markus Büker, Referent für Theologische Grundfragen beim deutschen Hilfswerk Misereor, auf die wichtigsten Themen der Amazonien-Synode ein. 

Bei der Bischofssynode für das Amazonas-Gebiet werden drei Fragen zur Zukunft der katholischen Kirche im Zent-rum stehen: Wie setzt sich die Kirche für die Bewahrung des Ökosystems in Amazonien ein? Wie trägt sie dazu bei, die Rechte aller dort lebenden Menschen zu verteidigen? Wie schreitet sie bei der Anerkennung  indigener Völker und deren Weisheit voran? Was in Amazonien vor Ort geschieht, ist für Kirche und Politik weltweit relevant.  

1. Entwicklungsmodell

Die Regierungen Lateinamerikas setzen für die wirtschaftliche Entwicklung auf Export von Bodenschätzen und landwirtschaftliche Produkte. Über Jahrtausende eingespielte sensible Wechselwirkungen zwischen Mensch, Natur und Klima stehen auf dem Spiel. Die Amazonien-Synode reflektiert die Rolle der Kirche in diesem Prozess und verschränkt die soziale und ökologische Problematik. Insofern wird Amazonien zum Ernstfall nicht nur für die Glaubwürdigkeit der Kirche, sondern der Weltgemeinschaft. Angesichts der permanenten Verletzung der Menschenrechte in Amazonien ist festzuhalten: Menschenrechte gelten selbstredend auch für die dort lebende Bevölkerung. Was trägt Kirche in Amazonien und weltweit dazu bei, damit hinreichende Maßnahmen ergriffen werden, um hier die UN-Agenda 2030 und das Pariser Klimaabkommen umzusetzen? 

2. Weisheit der Ursprungsvölker 

Ein Grundanliegen der Synode ist es, die Ursprungsvölker selber zu Wort kommen zu lassen und sichtbar zu machen. Es war und ist demnach Sache der Indigenen, Nähe und Distanz, Akzeptanz und Widerstand gegen christlichen Glauben und ihre Sozialgestalt, die Kirche, zu definieren. 

Es geht nicht nur darum, die Grenzen der eigenen Lebens- und Wirtschaftsformen zu verstehen, sondern auch ihre zweifelhafte Universalisierung durch Regenwaldbewohner in Frage stellen zu lassen. Wird es der katholischen Kirche, nicht nur in der Kritik des Entwicklungsmodells, sondern auch in ihrer Theologie gelingen, ihre Form des westlichen Universalismus zu überwinden? Die Amazonien-Synode wird zum Testfall der heilsamen Dezentralisierung des Glaubens, von der Franziskus in seinem Lehrschreiben Evangelii Gaudium 16 spricht.

3. Neue Modelle von Kirche

Die Synode wird Konsequenzen aus der Anerkennung der indigenen Kulturen, ihrer Lebensweisen und Theologien ziehen müssen. Eine neue Beziehungsgestaltung zwischen Kirche und indigenen Völkern muss die historische Verantwortung klar benennen. Bei der Amazonien-Synode geht es also auch um Machtfragen; ein Thema, das die Kirche zurzeit an verschiedensten Stellen trifft, doch eine gemeinsame Basis hat: Wie lebt sie das Evangelium? Geht sie neu an die Ränder der Gesellschaft und solidarisiert sich mit den Armgemachten, hier: mit den Ursprungsvölkern und den anderen Bewohnern des Regenwalds?

Auf der Synode wird auch der Umgang der Kirche mit dem Zölibat diskutiert werden. Dabei geht es um die Funktion, die die verheirateten Männer und die Gemeinden in einer „Kirche mit amazonischem Gesicht“ auszufüllen haben. Franziskus macht damit den Umgang mit dem Zölibat zu einer pastoralen, nicht zu einer dogmatischen Frage. Über die Gleichberechtigung von Frauen in einer amazonischen Kirche ist damit aber noch gar nicht diskutiert.

Fazit: Synode von weltweiter Bedeutung

Wird es eine kirchenreformerische, eine missionarische oder eine entwicklungspolitisch bedeutsame Synode? Damit die Kirche Menschen und Natur wirkungsvoller verteidigen kann, muss sie sich inhaltlich, organisatorisch und institutionell weiterentwickeln. Wird sie damit sogar zum Testlauf für ähnlich gelagerte Synoden zu Asien und Ozeanien, zu Afrika, zum Mittleren und Nahen Osten und auch zu Nordamerika und Europa?                        

Bischof Kräutler am 2.10. in Salzburg

Vorbereitet hat die Amazonien-Synode mit dem vatikanischen Synodensekretariat ein Rat, dem Bischof Erwin Kräutler angehört. Kurz vor der Versammlung in Rom ist der em. Bischof von Xingu Gast in Salzburg: Mi., 2. 10., 19 Uhr, SN-Saal. Podiumsgespräch „Erneuerung jetzt – welche Reformen braucht die Kirche?“ und Präsentation des neuen Buches von Dom Erwin. Anmeldung: www.sn.at/reservierung oder  0662/8373-222

Tipp: Auf alle zentralen Synoden-Themen geht auch das Vorbereitungsdokument „Instrumentum Laboris“ ein. Die deutsche Fassung ist abrufbar unter: www.koo.at 

Foto: Amazoniens Vielfalt ist bedroht. Im Oktober beginnt die Synode zum Amazonasgebiet im Vatikan.

Foto: RB/Kopp/Misereor

 

 

Fluß Fluss Igarapé Sao Sebastiao (Seitenfluss des Rio Xingú) und Regenwald-Vegetation im indigenen Schutzgebiet TI APYTEREWA, Pará, Brasilien; Foto: Florian Kopp / Misereor