Armut für alle …

In Ägypten leben 160.000 offiziell registrierte Flüchtlinge. Die Dunkelziffer liegt freilich wesentlich höher und ist trotzdem wenig im Vergleich zu den Millionen im Libanon, der Türkei oder Jordanien.

Doch die Lebensbedingungen für Flüchtlinge im Land am Nil sind schwierig. „So viele Ägypter haben keine Arbeit. Wie sollen dann die Flüchtlinge Jobs finden? Sie haben auch gar keinen Zugang zum Arbeitsmarkt.“ Youssef Aziz ist Caritas-Direktor in Alexandria. Die Caritas hilft den Menschen mit Lebensmitteln, medizinischer und psychologischer Betreuung und mit Kleinkrediten.

 

Salzburg/Alexandria. Historisch gibt es eine enge Verbindung zwischen Syrien und Ägypten – die beiden Länder schlossen sich von 1958 bis 1961 zur Vereinigten Arabischen Republik zusammen. „Uns eint die arabische Kultur, dieselbe Sprache und Religion. Anfangs waren die Akzeptanz und die Bereitschaft groß, die ,Brüder und Schwestern‘ zu unterstützen“, berichtet Caritas-Direktor Aziz. Doch das Problem sei die schlechte wirtschaftliche Lage. „Die hohe Arbeitslosigkeit, das desolate Bildungssystem, die Armut – darunter leiden Millionen Ägypter. Wie sollen da die Flüchtlinge überleben?“ Keine Arbeit, kein Geld, keine Perspektive. So lässt sich das Dasein der meisten Syrer zusammenfassen, ihre Ersparnisse sind längst aufgebraucht, Wertgegenstände wurden verkauft, die meisten Flüchtlinge können kaum ihre Mieten und ihre Lebensmittel bezahlen.


Es ist die Ausweglosigkeit, die Verzweiflung, die die Menschen dazu treibt, ihr Leben bei der Überfahrt nach Europa zu riskieren – wenn sie überhaupt das Geld für die Schlepper aufbringen können. Abdel, der mit seiner Frau und seinen drei Kindern seit fast vier Jahren in Alexandria ist, kann es nicht. Außerdem sei es mit seiner Behinderung noch gefährlicher, und er wolle seine Kinder nicht dem hohen Risiko aussetzen. Abdel hatte im syrischen Homs trotz seiner körperlichen Beeinträchtigung, er leidet an Kinderlähmung, eine gut bezahlte Arbeit. In Ägypten muss er sich und seine Familie mit Gelegenheitsjobs in einem Supermarkt, in einem Restaurant oder auch als Verkäufer von Handyzubehör über Wasser halten.


Mit Mikrokrediten Überleben sichern


Eine offizielle Arbeitserlaubnis bekommen die Flüchtlinge in Ägypten nicht. Ihnen bleibt nur der so genannte „informelle“ Sektor. Seit einiger Zeit versucht die Caritas, Flüchtlingen durch die Vergabe von Kleinkrediten beim Aufbau einer eigenen Existenz zu helfen. „Sie investieren das Geld in ein Kleingewerbe als Schuster, Bäcker oder Schneider. Sie eröffnen Shops oder verkaufen Sandwiches und Desserts“, erklärt Nagwan Amin, Mitarbeiterin der Caritas Alexandria. Die Auslandshilfe der Caritas Salzburg fördert das Mikrokredite-Programm in Alexandria, zu dem natürlich auch arme ägyptische Familien Zugang haben. Stefan Maier von der Caritas Salzburg: „Unser Ziel ist es, Familien sozial und wirtschaftlich zu stärken und ihnen so ein Leben in Würde zu sichern. Ein Großteil unserer Kreditnehmer sind Frauen, die zum Beispiel durch die Aufzucht und Verkauf von Geflügel oder anderer Kleintiere ihre Familien ernähren.“

 

TIPP: Mehr zu den Hilfsprogrammen für Flüchtlinge im ägyptischen Alexandria unter www.caritas-salzburg.at

 

Bildtext: Gestrandet in Ägypten. Zwar gibt es im Land keine Zeltlager, die Flüchtlinge kommen in privaten Wohnungen unter, doch der Alltag ist trotzdem ein Überlebenskampf. Die Ersparnisse sind aufgebraucht, das Geld für Essen und Schule fehlt. Arbeitsmöglichkeiten sind kaum vorhanden. Foto: kap/Pulling