Auch Geschiedene haben ihren Platz

„Neu beginnen“ ist Titel einer Seminarreihe für Getrennte mit neuem Partner in der Diözese Innsbruck.

Innsbruck. Mit der Initiative wendet sich die Diözese Innsbruck jetzt in besonderer Weise jenen Menschen zu, die nach Trennung oder Scheidung einen neuen Partner oder eine neue Partnerin gefunden haben. Erklärtes Ziel: Menschen nach einer Trennung in ihrer neuen Beziehung zu begleiten und auch mithilfe des Glaubens Hilfe zu bieten. Dafür bietet die Diözese im Frühjahr vierteilige Seminare in ganz Tirol an. „Auch wenn eine zweite kirchliche Eheschließung nicht möglich ist, möchten wir allen Paaren deutlich machen, dass sie in der Mitte unserer Kirche ihren Platz haben“, betonte dazu Bischof Glettler. 

Als zugrunde liegende Haltung nennt die Diözese: „Wir freuen uns darüber, dass Menschen nach Erfahrungen des Scheiterns dem Leben wieder trauen und neue Beziehungen wagen.“ Dies ge-schehe in Respekt vor der Freiheit der Paare und im Bemühen, den „Weg zu guten Entscheidungen“ zu unterstützen. Laut Bischof Glettler kommt eine große Ermutigung für die Initiative „Neu beginnen“ von Papst Franziskus und seiner Enzyklika „Amoris laetitia“. Dort habe dieser der Liebe die Fähigkeit zugesprochen, „Zukunft zu wagen“ und betont: „Die Quelle des christlichen Glaubens eröffnet neue Wege und ungeahnte Möglichkeiten.“

Trennungen und das Zerbrechen von Beziehungen beträfen mittlerweile alle gesellschaftlichen Schichten – auch die im Zentrum der Kirche Beheimateten, heißt es zur Ausgangslage der Initiative „Neu beginnen“. Bischof Glettler dazu: „Viele fühlen sich aus der Kirche hinausgedrängt, von ihr verurteilt oder sanktioniert.“ Genau mit diesen Menschen wolle man in Beziehung treten und mit „Neu beginnen“ einen Weg gemeinsam gehen. „Deutlich möchte ich für unnötige Verletzungen, die durch ein zu hartes oder unbarmherziges Verhalten kirchlicher Verantwortungsträger verursacht wurden, um Entschuldigung bitten“, sagte Glettler. Die Diözese Innsbruck setze das Angebot, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen, voneinander zu lernen und Wege der Versöhnung gemeinsam zu gehen.

Zur Frage des Kommunion-empfangs für wiederverheiratete Geschiedene meinte der Bischof: „Wir wollen wegkommen von der Fixierung darauf.“ Nach einer „guten Zeit der Unterscheidung und gewachsenen Versöhnung“ sollen die Betroffenen selbst entscheiden, ob sie kommunizieren möchten oder nicht. kap

 

Bildtext: Bischof Glettler (r.) entschuldigte sich für Unbarmherzigkeit und Härte kirchlicher Verantwortungsträger gegenüber Geschiedenen; im Bild mit Alfred Natterer, Brigitte Wasle-Kaltenegger und Bernhard Wasle. Foto: RB/dibk