Auf Wunsch der Kaiserin

Josef von Nazaret, der Bräutigam der Gottesmutter Maria und (Nähr-)Vater Jesu ist auch der Landespatron von Tirol. Am 19. März wird sein Fest gefeiert.

Josef stammte aus dem Geschlecht des Königs David, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen würde. Er lebte als Zimmermann in Nazaret. Nach späterer Überlieferung soll er damals ein schon alter, 80-jähriger Mann gewesen sein. Als er erfuhr, dass Maria schwanger war, zweifelte er an deren Treue und wollte sich von ihr trennen; doch ein Engel erklärte ihm in einem Traumgesicht, dass Maria „vom Heiligen Geist“ schwanger sei, und Josef blieb bei ihr (Matthäusevangelium 1, 18–21). Zum letzten Mal wird Josef in den Evangelien erwähnt, als er und Maria den zwölfjährigen Jesus im Tempel diskutierend mit den Schriftgelehrten vorfanden, wobei nur von Jesu „Eltern“ die Rede ist und Josef nicht explizit genannt wird (Lukasevangelium 2, 41–51). Im Neuen Testament bleibt Josef immer irgendwie im Schatten: kein einziges Wort ist von ihm überliefert, er scheint stumm die Anweisungen Gottes auszuführen. Auch von seinem Tod wird nichts erzählt. Papst Pius IX. ernannte Josef 1870 zum Patron der ganzen katholischen Kirche.

Eine Idee des Barocks

Noch ist vielen Zeitgenossen das Fest des hl. Josef ein Begriff. Sie wissen, der Nährvater Jesu ist Landespatron von Tirol. Aber, was viele nicht wissen, dass dieser Heilige erst seit dem Jahr 1772 zum besonderen Beschützer Tirols bestimmt wurde. In germanischer Zeit, als das Land mehr und mehr christlich wurde, hat sich nämlich der in einer Ritterrüstung dargestellte heilige Georg als Symbolfigur herauskristallisiert. Zur Zeit der Landeswerdung Tirols im 13. Jahrhundert, man sprach vom „Land im Gebirge“, wurde dann wirklich der hl. Georg als Landespatron genannt. Die diesem Heiligen geweihten Kirchen und viele Darstellungen oder Statuen bezeugen dies. Dann kam das 18. Jahrhundert, die Zeit des Absolutismus. Um die so gepriesene älteste Festlanddemokratie in Tirol war es immer schlechter bestellt. Kaiserin Maria Theresia (1740–1780) regierte absolut. Immer wieder sprach sie von einem Herzenswunsch, in ihren Kronländern den hl. Josef als jeweiligen Landespatron zu sehen.

Ihre Begründung entsprach dem Geist des Barock: Als fromme Herrscherin war sie davon überzeugt, dass es dem Haus Habsburg im Himmel besser ginge, wenn möglichst viele Kronländer den hl. Josef zum Landespatron erwählen würden. Dieser Wunsch drang auch bis ins Land im Gebirge. Das Tiroler Gubernium wandte sich im September 1771 schriftlich an die Kaiserin mit dem Wunsch, „fürderhin anstelle des hl. Georg den hl. Josef zum Patron des Landes Tirol zu bestimmen“. Die erlauchte Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Schon mit Hofkanzleidekret vom 11. Jänner 1772 entsprach die Regentin dem Wunsch der Tiroler.
red/Dr. Heinz Wieser