Aufbrüche in Südkorea: Neue Kathedrale eingeweiht

Eine Jugendkirche mitten unter Szenelokalen der Millionenstadt, Sonntagsschulen mit tausenden Kindern und eine kontinuierlich wachsende Zahl von Christen: Das ist die Salzburger Partnerdiözese Daegu in Südkorea.

Daegu. Anlässlich der Einweihung der neuen Kathedrale traf eine Salzburger Delegation vor Ort zahlreiche Gesprächspartner. Erzbischof Thaddeus Cho Hwan-Il dankte für die fast 50-jährige Zusammenarbeit, „und dass derzeit zwei unserer Priester in Salzburg studieren dürfen“. Begonnen hat die fernöstliche Partnerschaft 1968 mit konkreter Hilfe: Die heute 85-jährige Krankenschwester Emma Freisinger aus Ebbs in Tirol baute die ersten Leprastationen auf. Daraus wurden staatliche Spitäler, die heute noch bestehen. Durch den Koreakrieg (1950 – 1953) stark geschwächt brauchte das Land Hilfe, die unter anderem jahrelang aus Österreich kam.


Heute gehört die Republik Südkorea mit 51 Millionen Einwohnern auf einer Fläche, die etwas größer ist als Österreich, zu den reichsten und höchst industrialisierten Ländern der Welt. In dem ursprünglich durch den Buddhismus und Konfuzianismus geprägten Land hat ein Koreaner, der in China getauft wurde, 1784 das Chris-tentum ins Land gebracht. Am Anfang mit viel Widerstand und Verfolgung konfrontiert (10.000 Tote; an die Märtyrer erinnern zwei Gedenkstätten) ist die Zahl der Christen trotzdem ständig gewachsen. Etwa die Hälfte der neu Getauften sind Erwachsene.
480 Priester für 160 Gemeinden Heute werden 5,6 Millionen Katholiken gezählt, davon leben in der Erzdiözese Daegu etwa 500.000. „25 Prozent davon besuchen regelmäßig die Sonntagsgottesdienste“, weiß Franz Xaver Choi. Er ist Professor am Priesterseminar Daegu, hat in Salzburg studiert. Für 160 Pfarren gibt es 480 Priester, „allerdings geht die Zahl der Eintritte ins Seminar zurück“, so Choi. Derzeit sind immerhin 146 Studenten im Priesterseminar (im Vergleich dazu Salzburg: 10).Mit der Salzburger Delegation reiste Bischof Fridolin Ambongo Besungu von der Partnerdiözese Bokungu-Ikela im Kongo nach Daegu. „Ich danke für die jahrzehntelange Unterstützung“ sagte Bischof Fridolin und überreichte Erzbischof Thaddeus ein farbenprächtiges Messgewand und eine Mitra aus dem Kongo. Bischofsvikar Martin Walchhofer übergab dem Oberhirten von Daegu ein wertvolles Salzburger Brustkreuz.

Kleine Gemeinschaften teilen die Bibel


Beim Besuch mehrerer Pfarren und diözesaner Ämter wurde deutlich, dass auch in Daegu nach neuen Wegen der Evangelisierung gesucht wird. In Naedang zum Beispiel, einer Pfarre, die mit Hilfe der Salzburger Pfarre Taxham ihre Kirche erbaute, leben 2.000 Katholiken, die in 14 Bezirke unterteilt sind. Sie kommen seit zehn Jahren dort jeweils in kleinen Gemeinschaften zusammen, lesen die Bibel und bereiten sich auf die Gottesdienste vor. Mitten unter den Szenelokalen von Daegu gibt es eine Jugendkirche. Dort finden regelmäßig Jugendmessen und andere Veranstaltungen statt. Father Francis, der Pfarrer, betreut mit den Jungpriestern Damiano und Matteo die Gemeinde. „Jede Woche feiern wir mit rund 500 Jugendlichen hier den Gottesdienst“, freut er sich. Die Gemeinde mitten im Stadtzentrum zählt 2.800 Gläubige, 1.200 davon besuchen die insgesamt sieben Gottesdienste am Sonntag. Darüber hinaus gibt es im angeschlossenen Pfarrzentrum ein reges Gruppenleben: Von Bibelrunden, Gebetsrunden und Cursillo bis zur nächtlichen Anbetung reicht die Palette der Angebote.


Jede Religionsgemeinschaft muss sich in Korea selbst um den Religionsunterricht kümmern, der nicht in staatlichen Schulen stattfindet. Daher gibt es in den Pfarren der Erzdiözese Daegu „Sonntagsschulen“, in denen die Kinder und Jugendlichen am Wochenende religiös ausgebildet werden. In der Stadtpfarre Wolseong gibt es außerdem eigene Ministrantengruppen und Runden zur Vorbereitung auf die Erwachsenentaufe. Allein im Vorjahr wurden in Wolseong 120 Frauen und Männer durch die Taufe in die Kirche aufgenommen.

Neue Kathedrale mit österreichischer Orgel


14 Bischöfe und mehr als 300 Priester zogen am 22. Mai in die mit rund 6.000 Gläubigen überfüllte neue Kathedrale ein, die Erzbischof Thaddeus segnete. Mit festlicher Musik und großem Chor – die Orgel liefert die österreichische Firma Rieger erst später – wurde der erste feierliche Gottesdienst mit der Altarweihe zelebriert. Der Erzbischof betonte die Bedeutung des Kirchengebäudes als Ort, an dem Gottes Gegenwart bewusst werde. In dem mit vielen Spenden mitten unter Wolkenkratzern auf einem kleinen Hügel errichteten Neubau werden vor allem durch die bunten Fenster und Rosetten besondere Lichteffekte erzielt. eds/wk

 

Bildtext: In der neuen Kathedrale wurde der Altar geweiht. Foto: eds