Authentische Vorbilder gesucht

Glaubwürdige Vorbilder und geistliche Begleiter brauchen Jugendliche, damit sie ihren Bezug zur Kirche nicht verlieren.

Wien. Will die Kirche wieder einen Draht zur Jugend bekommen, braucht es „authentische Vorbilder“ im Glauben und eine verständliche Verkündigung: Das hat der Leiter der Jugend-Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz „JAKOB“, Thomas Gaber, dargelegt. Viele Jugendliche blieben den Sonntagsgottesdiensten fern, „weil für sie die ‚Messe‘ unverständlich geworden ist und die Predigten zu abstrakt sind“. Gaber ortet deshalb einen „großen Bedarf“ an Vorbildern und guten geistlichen Begleitern, „die ihre Beziehung zu Christus authentisch und glaubwürdig vorleben“.

Der Kirche empfiehlt der Experte, zur eigenen Lehre zu stehen. Das Evangelium sei nie  zeitgemäß gewesen. Den Ist-Zustand „irgendwie theologisch als zeitgemäße Norm schönzureden“, hält er deshalb für den falschen Weg. Gerade angesichts einer Zeit, die junge Menschen mit unrealistischen Erwartungen und einer kulturellen Leere konfrontiere, komme der klar formulierten kirchlichen Lehre eine neue Attraktivität zu. 

Auf langer Strecke alleine gelassen werden Jugendliche etwa beim Thema Sexualität. Der gängige Ratschlag „Habt Spaß, aber schaut, dass nichts passiert“ sei auf jeden Fall zu wenig. Junge Menschen seien deshalb bereit, sich auf einen anderen Weg einzulassen, so die Einschätzung Gabers. Orientierung könne Kirche hier nur dann bieten, „wenn sie hundertprozentig auf der kirchlichen Lehre steht“. Aber gerade im Hinblick auf das gelingende Leben Jugendlicher gebe es im deutschsprachigen Raum keinen innerkirchlichen Konsens. 

Glaube beginne allerdings nicht zuerst bei der Moral, sondern immer bei einer Begegnung und Freundschaft mit Jesus. Grundauftrag der Kirche sei deshalb – so Gaber – „vom genialen Plan Gottes, den er für jeden Menschen hat, zu erzählen“. Insofern sei Kirche kein Dienstleistungsunternehmen, „sondern ein Ort, wo Gott Beziehung mit uns möchte“.

Das Christentum in Europa sieht er auf dem Weg „von einer Volks- zu einer Entscheidungskirche“. Die Kirche hinke hier hinterher und gehe immer noch von volkskirchlichen Strukturen aus. Es brauche aber heute neue kreative Methoden und eine missionarische Kirche, die wieder an Strahlkraft gewinne. kap

Foto: Der Salzburger Dom voll mit jungen Menschen – beim Fest der Jugend der Loretto-Bewegung zu Pfingsten ist das Realität. Foto: Loretto