Begründungen für Gesellschaft

Nationalfeiertag. Der Staat ist auf den „tieferen Grund und die übernatürli-che Motivation“ der Religion angewiesen.

 

 

Wien. Christen erfüllen einen wichtigen Dienst für die Gesellschaft, wenn sie ihren Glauben authentisch leben und diesen auch in ungelegenen Situationen bezeugen: Das hat Erzbischof Franz Lackner am Nationalfeiertag beim Festgottesdienst im Wiener Stephansdom dargelegt. In normaler Zeit anerkannte Werte und Übereinkünfte verlören in schwierigen Momenten des Lebens schnell ihre Gültigkeit, weshalb auch heute „Letztbegründungen“ notwendig seien – bieten könne diese nicht der Staat, sondern nur der Glauben, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz.

Im heutigen Frieden und Wohlstand ist der religiöse Glaube nicht ein „Überlebensmittel“ wie in schwierigen Zeiten und die Sehnsucht nach ihm schwindet, stellte Lackner fest. Dass die säkulare Gesellschaft „überaus menschenfreundlich“ erscheine und „vielleicht deswegen das Gespür für das Transzendente nicht mehr braucht“, gelte es zu akzeptieren statt schlechtzureden. Die Weltanschauung „ohne Bekenntnis“ sei heute „durchaus eine redliche Alternative zur Religiosität“, und auch der Absage an jegliche Staatsreligion könne man „als Christ nur zustimmen“.

Christen sollen sich einbringen

Doch auch in einem vom Humanismus geprägten Umfeld hätten Christen einen wichtigen Auftrag, hob der Salzburger Erzbischof hervor. Laienchristen sollten sich in den gesellschaftlichen politischen Diskurs einbringen, sich dabei am Beispiel Jesu orientieren und vor Machtstreben oder persönlicher Profilierung hüten. Sie sollten jedoch auch ihre übernatürliche Motivation erfahrbar werden lassen. Denn auch in säkularen Zeiten sei es wichtig, „zu allem Guten, das geschieht, einen tieferen Grund hinzuzugeben, eine übernatürliche Motivation“, sagte Lackner mit einem Zitat des polnischen Philosophen Leszek Kolakowski (1927–2009): „Offensichtlich können Einzelne ohne Religion ethisch hohe Standards erfüllen. Dass eine ganze Gesellschaft das vermag, bezweifle ich.“

Der Nationalfeiertag wird im Stephansdom seit Jahren geistlich akzentuiert und als „Gebet für Österreich“ mit Lichterprozession und Festgottesdienst zum Dank für Frieden und Freiheit gestaltet. Der endete mit dem Geläut der Pummerin.  kap

 

Bildtext: Erzbischof Franz Lackner (r.) mit Traude Gallhofer und dem Franziskanerpater Benno Mikocki vom Rosenkranz-Sühnekreuzzug.

Foto.: kathbild/rupprecht

 

 

Traude Gallhofer, P. Benno Mikocki OFM, Franz Lackner