Belebendem vertrauen

Die Fußball-WM in Russland ist in vollem Gange: Papst Franziskus rief zu Dialog, Begegnung und Brüderlichkeit zwischen Kulturen und Religionen auf. Auf diese Weise könne das Sportereignis Solidarität und Frieden in der Welt fördern. Allerdings gibt es auch Kritik: Die deutsche Abgeordnete im Europäischen Parlament, Rebecca Harms, forderte in einem offenen Brief die EU-Regierungen auf, die WM nicht zu besuchen. Der Boykott gelte „Wladimir Putins Verhöhnung unserer europäischen Werte“.

Salzburg/Moskau. „Sport ist ein wunderbarer Partner für den Glauben“, sagt Erzbischof Franz Lackner. „Ich vertraue auf die belebende Allianz, beide Bereiche können einander helfen, Einseitigkeiten und Verengungen auszugleichen. Das habe ich sehr intensiv zu Fronleichnam beim Ankick zum Integrationsfußballturnier empfunden. Gemeinsam mit Marko Feingold, dem Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, – drei Tage nach seinem 105. Geburtstag – da gab es keine Barrieren“, so der Fußballfan, der selbst in der Jugend beim SV Halbenrain (Südsteiermark) kickte. Der Erzbischof hofft und tippt, dass Brasilien den Weltmeis-ter-Titel nach 2002 zum sechsten Mal nach Südamerika holt. 

Der Moskauer Patriarch Kyrill I. wünscht sich natürlich eine gute Leistung der russischen Nationalelf. „Ich hoffe, dass das Großereignis ein Erfolg wird und sich positiv auf die Stimmung in unserem Land auswirkt“, so das russisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt. Außerdem rief der Patriarch die Gemeinden vor Ort auf, ausländische Gäste in den Kirchen freundlich willkommen zu heißen. Das sei eine „pastorale Pflicht“.

Russische Menschenrechtsverstöße

Bei aller Fußball-Euphorie dürften aber nicht die „groben Menschenrechtsverstöße“ in Russland vergessen werden. „Willkürliche Bombenangriffe auf Schulen, Krankenhäuser und Wohngebiete in Syrien; die brutale militärische Invasion der Ukraine; systematische Hackerattacken; Desinformationskampagnen; Wahleinmischung; Versuche, die EU zu schwächen und zu destabilisieren – all das steht nicht auf der Visitenkarte eines guten WM-Gastgebers“, heißt es in dem offenen Brief.

„Solange Putin illegal die Krim besetzt, Ukrainer als politische Gefangene hält und den Krieg in der Ostukraine unterstützt, können wir nicht so tun, als sei der Gastgeber dieses Turniers unser gastfreundlicher Nachbar. Solange Regimekritiker und die freie Presse in Russland in ständiger Gefahr sind, können wir diesen Menschen nicht den Rücken zukehren. Auch wir sind der Überzeugung, dass Sport helfen kann, metaphorische Brücken zu bauen. Aber solange Putin echte Brücken in Syrien in die Luft sprengt, können wir nicht so tun, als sei diese Weltmeisterschaft ein Sportereignis wie jedes andere.“ Die Regierungen von Island und dem Vereinigten Königreich hätten bereits beschlossen, die Fußball-WM in Russland nicht zu besuchen. jup, kap

 

Bildtext: Erzbischof Franz Lackner ist ein begeisterter Fußballer, der nicht nur Fußballspiele besucht, sondern auch selber ein guter Spieler ist. Foto: Sobl/Archiv