Besser Ex-Priester als kranke Person

Papst  Franziskus kam zu Treffen mit jungen Katholiken im Rahmen der Vorsynode.

Rom. „Mir ist lieber, dass jemand seine Berufung wieder aufgibt, als dass er eine kranke Persönlichkeit wird“: Das betonte Papst Franziskus bei einem Gespräch mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei dem Treffen in Rom. „Reden wir doch einmal Klartext: Wie viele kirchliche Missbrauchstäter enden so, weil man sie nicht affektiv hat reifen lassen?“, so der Papst wörtlich in einem Talk, bei dem ihm Fragen gestellt wurden.  

Der Papst betonte in einer Antwort auf die Frage nach einer gläubig-missionarischen Haltung und Leben im Ordensstand in einer materialistischen Umgebung, dass eine rein geistliche Ausbildung für Priester oder Ordensleute heute nicht hinreichend sei. Dazu müssten eine intellektuelle, eine gemeinschaftliche und eine missionarische Ausbildung treten. Man dürfe Menschen, die zu geistlichen Berufen ausgebildet werden, „nicht vor der Welt behüten“, denn das bedeute nahezu, sie zu „kastrieren“. Auch eine Mutter, die ihr Kind zu sehr behüte, nehme ihm etwas weg. „Sie lässt es nicht wachsen. Aber was ich hier von Priestern und Ordensleuten sage, gilt natürlich auch für die Laien. Nicht über-behüten“, so Franziskus. Es sei wie mit Tomaten, die man im Gewächshaus vor der Kälte behüte: „Sie haben keinen Geschmack mehr“.

Weitere Themen waren Zwangsprostitution, Missbrauch und Internet. Eine junge Frau aus Nigeria, die vor vier Jahren als Opfer von Menschenhandel nach Italien gekommen war, berichtete von einer „dramatischen Erfahrung“ als Zwangsprostituierte, von einer „völlig vernichteten Würde“. In einer Gemeinschaft von Schwestern habe sie eine Art „Auferstehung“ erfahren. „Wie kann man jungen Menschen helfen, sich bewusst zu werden, dass Zwangsprostitution ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist?“, fragte sie. Viele der Kunden von Prostituierten seien Katholiken, so die Nigerianerin.

Hier handle es sich um eine „Sklaverei unserer Zeit“, so Franziskus. Und dabei gehe er davon aus, dass der überwältigende Teil der Freier, die in Italien zu Zwangsprostituierten gingen, getauft seien. Immerhin gebe es viele kirchliche Initiativen, um Zwangsprostituierte aus ihrem Netz zu befreien und ihnen zu helfen, sich ein neues Leben aufzubauen. „Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und es kommt aus einer kranken Mentalität: Frauen ausnutzen.

kap

Bildtext: Papst Franziksus bei der Eröffnung des Vorbereitungstreffens von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Bischofssynode. Foto: KNA

 

 

Eröffnung des Vorbereitungstreffens von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zum Jugendtreffen zur Bischofssynode am 19. März 2018 im Vatikan.