Bessere Welt hinterlassen

Papst Franziskus ist zum Abschluss seiner Kaukasusreise von Großmufti Allahschükür Paschazade empfangen worden. Die Begegnung fand als interreligiöses Treffen in der Heydar-Aliyev-Moschee in Baku statt.

Papst Franziskus setzte mit dem Scheich der kaukasischen Muslime einen Meilenstein im katholisch-islamischen Dialog: In Aserbaidschans Hauptstadt Baku rief Franziskus in der Heydar-Aliyev-Moschee zum Dialog der Religionen auf und verurteilte fundamentalistische Gewalt. Franziskus mahnte die Glaubensgemeinschaften, sich aktiv für die Lösung der Konflikte einzusetzen. Zugleich forderte er im Schatten eines 55 Meter hohen Minaretts vollständige Religionsfreiheit. Auch seine Zuhörerschaft war für eine Moschee ungewöhnlich. Außer dem Hausherrn, Allahschükür Paschazade und geistlichen Würdenträgern des Islam waren Vertreter des Judentums und der orthodoxen Kirchen gekommen. Es war das erste Mal, dass ein Oberhaupt der katholischen Kirche in einer Moschee vor Muslimen, Juden und Christen eine Ansprache hielt. Bereits Franziskus‘ Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hatten Moscheen besucht. Franziskus war in Istanbul und in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik in einer Moschee. Doch bislang fanden solche Besuche stets ohne offizielle Rede statt.

Aktiv für den Frieden einsetzen

Der Großmufti des Kaukasus nannte die ethnische und religiöse Vielfalt den „nationalen Reichtum“ seines Landes. Weiters lobte er die „fruchtbare“ Zusammenarbeit mit dem Vatikan. Paschazade gehörte zu den Unterzeichnern des Offenen Briefs der 138 Islamgelehrten, mit dem diese 2007 zu einer Intensivierung des Dialogs zwischen Christen und Muslimen aufriefen. Der 67-Jährige ist eine Autorität für den in Aserbaidschan dominierenden schiitischen wie für den sunnitischen Islam.

Franziskus hält eine Antwort der Religionen auf Gewalt für unaufschiebbar. Es sei „die drängende Stunde, geduldige Prozesse der Versöhnung einzuleiten“, so der Papst. „Gott und die Geschichte selbst werden uns fragen, ob wir uns heute für den Frieden eingesetzt haben.“ Die Frage der Zeit sei nicht die, „wie wir unsere Interessen verfolgen können, sondern welche Lebensperspektiven wir den kommenden Generationen bieten, wie wir eine Welt hinterlassen können, die besser ist als die, welche wir empfangen haben“. Aufgabe jeder Zivilgesellschaft sei es, der Religion „wirkliche und echte Freiheit zu garantieren“. Erneut wandte er sich gegen jede Instrumentalisierung von Glaubenslehren für Konflikte und Unterdrückung. „Niemals mehr Gewalt im Namen Gottes! Sein heiliger Name werde angebetet, nicht geschändet und verschachert von Hass und menschlichen Gegensätzen.“

Mit den anderen sprechen, für alle beten

Zum Verhältnis der Religionen sagte der Papst, es gehe weder um „versöhnlichen Synkretismus“ noch um „diplomatische Offenheit, die zu allem Ja sagt“. Er betonte: „Mit den anderen sprechen und für alle beten: das sind unsere Mittel, um Lanzen in Winzermesser zu verwandeln.“ Erneut sprach er sich für kulturelle Vielfalt aus: „Sich den anderen zu öffnen, macht nicht ärmer, sondern bereichert und hilft menschlicher zu sein.“

kap

Foto (KNA): Papst Franziskus und Großmufti Allahschükür Paschazade bei einem interreligiösen Treffen in der Heydar-Aliyev-Moschee in Baku