Beten und der Kriege schämen

Mit Umarmungen  für die Vertreter zahlreicher Religionen hat Papst Franziskus seine Teilnahme am Friedenstreffen von Assisi begonnen. Die Begegnungen sind für den Papst „kein Spektakel“, sondern notwendiger Schritt zur Überwindung der Kriege.

Assisi. Franziskus begrüßte nach seiner Ankunft am Dienstag Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, den syrisch-orthodoxen Patriarchen Aphrem II. von Antiochien, Anglikaner-Primas Justin Welby, Roms Oberrabbiner Riccardo di Segni und den Vizepräsidenten der Al-Azhar-Universität, Abbas Shuman. Die Religionsvertreter aßen gemeinsam mit Flüchtlingen aus Asien und Afrika zu Mittag. Die Frauen und Männer werden von der Gemeinschaft Sant‘Egidio betreut, die auch das mehrtägige Treffen in Assisi unter dem Motto „Durst nach Frieden“ organisiert hat. 

Bereits seit Sonntag hatten sich rund 10.000 Menschen – darunter 500 Religionsführer, Geistliche, Politiker, Wissenschaftler und Intellektuelle –  in Assisi zur Diskussion über Krieg und Frieden versammelt. Zum Abschluss beteten die Religionsgemeinschaften an verschiedenen Orten in der Franziskus-Stadt. Das christlich-ökumenische Friedensgebet fand in der Unteren Basilika statt.

Vom Leid aufrütteln lassen 

Noch vor seiner Abreise nach Assisi hatte Franziskus betont, die Vertreter aller Religionen versammelten sich nicht zu einem „Spektakel“. Es gehe darum, für den Frieden zu beten, „bis man sich der Kriege schämt“, so der Papst. Der 20. September solle ein „Tag des Gebets, der Reue, des Weinens um des Friedens willen“ sein. Jeder Mensch solle durch sein Gebet und Weinen dem Krieg und der Gewalt, die ein „Werk des Bösen“ seien, auftreten. Gott bloß dafür zu danken, selbst vom Krieg verschont geblieben zu sein, sei der falsche Ansatz.

Nachdrücklich forderte Franziskus, sich vom Leid der Betroffenen aufrütteln zu lassen: „Wenn wir unsere Ohren verschließen vor dem Leid jener, die bombardiert werden, die durch den Menschenhandel leiden, dann kann es sein, dass eines Tages dies an uns geschieht und wir auf Antworten warten.“ Friede solle „ohne Unterscheidung der Religionen“ aufgenommen werden, denn jede Religion glaube, dass Gott „nur für den Frieden einstehen“ könne. Einen „Gott des Krieges“ gebe es nicht. 

kap

Bild (KNA): In Assisi zum Internationalen Weltfriedenstreffen traf Papst Franziskus auch den orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I.

 

 

Anlässlich des Internationalen Weltfriedenstreffens in Assisi trifft Papst Franziskus am 20. September 2016 den orthodoxen Patriarchen Bartholomaios.