Betmöbel + Kunstwerk

Dom. Kunstvoll geschnitzte Einhörner, eindrucksvoll gestaltete Wappen und kleingliedrig verspieltes Blattwerk. Die Kirchenbänke des Salzburger Doms sind nicht nur Zeugen zahlreicher Stoß-, Bitt- und Dankgebete. 

Salzburg. Das Gestühl hat – will man eine Hochrechnung wagen – mindestens 300.000 Gottesdienste „besetzt“. Das sieht man dem Sitzmöbel mittlerweile auch an; mehr als 300 Jahre „Stehen, Sitzen und Knien“ haben den Kirchenbänken zugesetzt. Zwar wurde beim Wiederaufbau des 1944 bombardierten Gotteshauses oberflächlich ausgebessert, eine umfangreiche Restaurierung wurde aber seit Bestehen der handgearbeiteten Sitzmöbel nicht in Angriff genommen.

Erfreuliche erste Ergebnisse

Domkustos Johann Reißmeier und Baumeister Hermann Aigner sahen nun dringenden Handlungsbedarf. Die Kniebänke als auch die Unterstellungen auf der das schwere Gestühl befestigt ist, sind abgenutzt; am Schnitzwerk sind teils schwere Schäden festgestellt worden und auch das Holz ächzt unter den schweren alten Lacken und Anstrichen. Gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt hat man sich nun an die umfangreichen Restaurierungsarbeiten gewagt; die ersten Bänke sind jetzt fertiggestellt, informiert Domkustos Reißmeier: „Der Herr Erzbischof und einige Domherren haben sich das restaurierte Gestühl schon angeschaut und waren ganz begeistert. Es ist wirklich schön geworden. Ich habe auch eine ganz große Freude damit.“ 

Drei Werkstätten sind mit den Restaurierungsarbeiten des Holzgestühls betraut, informiert Aigner. „In einem ersten Schritt werden alte Lacke und Anstriche abgetragen, damit die Holzoberfläche wieder bearbeitet werden kann.“ Danach wandert das Gestühl zur nächsten Werkstatt. Dort werden gerissene Hölzer neu verleimt und die Oberfläche wieder aufgebaut. „In einem dritten Schritt wird die Oberfläche aufgefrischt und das Holz mit Ölen behandelt, damit es wieder im ‚alten‘ Glanz erstrahlt“, erzählt Aigner.  

Neben der Restaurierung  fielen noch andere Arbeiten an, von denen die Gottesdienstbesucher nachhaltig profitieren: „Wir haben sowohl die Bankheizung wieder in Stand gesetzt als auch eine Induktionsschleife in den zwei vorderen Blöcken angebracht; alles auf dem neuesten Stand der Technik“, informiert der Baumeister. Hörbehinderte Menschen können so dem Gottesdienst via Hörgerät ohne störende Nebengeräusche folgen.

 Projekt noch nicht ausfinanziert

600.000 Euro sind für das Projekt veranschlagt. Ob alle Sitzbänke inklusive der hinteren Reihen restauriert werden können, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Spendenaufrufe seien bereits erfolgt, das Projekt ist aber immer noch nicht ausfinanziert, so Aigner. Domkustos Reißmeier ergänzt: „Der Dom ist fast ständig eine Baustelle und kostet viel Geld. Ohne die Hilfe der Erzdiözese, von staatlichen Einrichtungen und von privaten Spendern wäre das unmöglich zu schaffen.“ 

Das handgearbeitete Gestühl prägt den Innenraum der Salzburger Bischofskirche seit dem 17. Jahrhundert und erfreut nicht nur die Gottesdienstbesucher, sondern auch jährlich mittlerweile zwei Millionen Touristen – „Tendenz steigend“, so Reißmeier, der betont: „Unser Dom ist ein Besuchermagnet ersten Ranges und ein Aushängeschild für Salzburg.“

 

Bildtext: Das Bischofswappen von Johann Ernst Reichsgraf von Thun ziert die Vorderseite eines der zahlreichen Gestühle. In der Werkstatt wird die Holzoberfläche des Sitzmöbels freigelegt und neu aufgebaut. Die Schnitzereien – Einhörner, Ranken und Blattwerk – werden aufgefrischt. Fotos: Hermann Aigner, Hannes Eder (2)

 

Spenden für die Renovierung des Domgestühls sind steuerlich absetzbar.

Überweisungen an: Bundesdenkmalamt, 1010 Wien

Verwendungszweck: Aktionscode „A87“

IBAN: AT 07 0100 0000 0503 1050

BIC: BUNDATWW