„Bin gut angenommen“

Pensionierter Pfarrer im Freiwilligen-Einsatz in Kolumbien

Pasacaballos. Nach der Matura für ein paar Monate oder länger zu einem freiwilligen, sozialen Einsatz in Afrika oder Lateinamerika. Immer mehr junge Leute machen diese Erfahrung. Weniger bekannt ist, dass es auch für ältere Semester die Möglichkeit gibt, mit einem Internationalen Freiwilligendienst etwas Sinnvolles für sich und andere zu leisten. Der pensionierte Seelsorger Kurt Udermann aus Kärnten verstärkt seit Februar das Team der Stiftung Mutter Herlinde Moises im kolumbianischen Pasacaballos. 

Fern von der Heimat seiner Berufung folgen. Das macht Kurt Udermann derzeit in Kolumbien. Als Priester leistet er einen ganz besonderen Freiwilligendienst und übt dabei auch pastorale Tätigkeiten aus. Sein Einsatzgebiet ist die nach der gebürtigen Bad Hofgasteiner Franziskaner-Missionarin Herlinde Moises benannte Stiftung.  Die „Fundación Madre Herlinda Moises“ setzt sich mit Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Berufsausbildungen und Menschenrechtskursen für ein besseres Leben der Menschen an der kolumbianischen Küste ein. 

Von Ossiach an die Atlantikküste

Kurt Udermann hat einen bewegten Le-benslauf: Er war erst in Taiwan und dann als Pfarrer in den Diözesen Gurk-Klagenfurt und Graz tätig. Jetzt lebt und wirkt er für ein halbes Jahr mitten unter den Menschen in den Armenvierteln von Pasacaballos. „Beim Friedensgruß fallen die Schranken auch gegenüber den Fremden. Mit einer verblüffenden Offenheit und einem herzlichen Lächeln werden einem die Hände entgegengestreckt und man fühlt sich unweigerlich angenommen“, schreibt er (www.udermann.com) in seinen wöchentlichen Briefen aus Kolumbien. 

Anfang Februar ist Udermann von Bodensdorf am Ossiachersee nach Cartagena de Indias an der kolumbianischen Atlantikküste aufgebrochen. Die Stadt war in der Kolonialzeit ein Zentrum des Sklavenhandels und ist heute aufgrund der gut erhaltenen Altstadt eine Tourismus-Metropole. An den Rändern und in den Außenbezirken reiht sich jedoch ein Elendsviertel an das andere. Eines davon ist Pasacaballos. Dort hat „Madre Herlinda“, wie Maria Herlinde Moises liebevoll genannt wurde, Mitte der 1960er Jahre ihr Werk aufgebaut.  Unterstützung kommt nach wie vor aus der Salzburger Heimat, vor allem durch „Sei So Frei“, der entwicklungspolitischen Aktion der Katholischen Männerbewegung. Zur Zeit bringt sich „Sei So Frei“ gemeinsam mit dem Land Salzburg in die Renovierung des Sozial- und Kulturzentrums der Stiftung ein. 

Alltag in einer anderen Kultur

„Meine Aufgabe hier besteht vor allem in der priesterlichen Seelsorge“, berichtet Kurt Udermann. In der Region sind einige Pfarren unbesetzt und so ist der österreichische Seelsorger gut „ausgelastet“. „Am Aschermittwoch habe ich meine erste Messe in spanischer Sprache im Dorf Lomas de Matunilla gefeiert.“ Ein Massaker aus der Zeit des Bürgerkriegs lähmt das Dorf bis heute. „Die gesamte Osterliturgie werde ich in dieser schwer heimgesuchten Gemeinde feiern, denn es ist letztlich der Friede Christi, den nur der gekreuzigte Gottessohn uns schenken kann“, ist Udermann überzeugt. 

Die täglichen Herausforderungen in seiner neuen Welt beschreibt der Priester so: „Dass jeden Tag die Sonne scheint ist gut fürs Gemüt, zehn Grad weniger wäre noch besser. Ich staune über mich selbst, dass ich mit dem Lärm eigentlich gut zurechtkomme. Man geht hier nicht zu jemand hin, um ihm etwas zu sagen, sondern es wird geschrien. Und das vor dem Fenster! Absolut zufrieden bin ich mit dem Essen. Jeden Tag etwas anderes, viel mit Bananen, und ,jugos‘ (Fruchtsäfte). Ach ja, die Moskitos plagen mich.“

Weltweit Erfahrung teilen

 Die Organisation „voluntaris“ führt gemeinsam mit Partnerorganisationen seit 2011 internationale Freiwilligendienste durch. Der Kontakt zur Moises-Stifung in Kolumbien lief über Wolfgang Heindl von „Sei So Frei“ in Salzburg. 

Schwerpunkt von „voluntaris“ ist die Entsendung älterer Freiwilliger nach Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Der 67-jährige Udermann hatte in einer Radiosendung davon gehört und sich beworben. „Die Projektpartner in den 15 Einsatzländern schätzen die Berufs- und Lebenserfahrung der Leute sehr“, erklärt Georg Primas von „voluntaris“. Er bringt die Menschen mit Erfahrung und die Projekte zusammen. „Wir haben bisher noch für jeden Beruf einen passenden Einsatz gefunden – von Lehrern, Krankenschwestern bis zu Handwerkern.“  Im Durchschnitt verbringen die Freiwilligen ein halbes Jahr im Ausland. Jedem Einsatz geht eine umfassende Vorbereitung voraus.  

Foto: Kurt Udermann ist pensionierter Pfarrer und derzeit im Einsatz in Kolumbien. Die Menschen begegnen ihm mit großer Offenheit. Spätestens beim Friedensgruß fallen die Schranken. / Foto: RB/Udermann