Brückenbauerin

Protektor – Dieser Titel ist die höchste Ehrung, die die ökumenische Stiftung „Pro Oriente“ zu vergeben hat. Kürzlich wurde die em. Äbtissin des Stiftes Nonnberg, M. Perpetua Hilgenberg, damit ausgezeichnet.

Salzburg. Erzbischof Franz Lackner überreichte der Äbtissin das von Kardinal Christoph Schönborn unterfertigte Ernennungsdekret. Und der Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis), der den Festvortrag über „Freiheit und Gehorsam in der orthodoxen Theologie und Kirche“ hielt, überbrachte die Segenswünsche des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.

 

Der Vorsitzende der Salzburger „Pro Oriente“-Sektion, Prof. Dietmar W. Winkler, unterstrich, dass der Kreis der „Pro Oriente“-Protektoren durch eine Äbtissin, „eine Zeugin des monastischen Lebens“, besonders aufgewertet wird. Denn das Mönchtum sei durch die Geschichte hindurch immer auch ein besonderer Träger der Würde des Evangeliums gewesen, sagte Prof. Winkler und nannte die Äbtissin in wörtlicher Übersetzung des Protektoren-Titels „unsere neue Leibwächterin“.

 

Salzburgs em. Erzbischof Alois Kothgasser unterstrich in seiner pointierten Laudatio die Bedeutung des monastischen Lebens als „wesentliche Brücke“ der Ökumene. Das Bemühen um die innere Bekehrung und die Heiligkeit des Lebens sei die „Seele der ganzen ökumenischen Bewegung“. Von entscheidender Bedeutung sei aber auch die persönliche Begegnung, ohne die es keine Fortschritte in der ökumenischen Annäherung und Versöhnung geben könne. EB Kothgasser verwies auf seine ökumenischen „Pro Oriente“-Reisen, an denen M. Perpetua beteiligt war, von u.a. nach Konstantinopel 2006 über Russland 2008, Armenien 2010 bis Bulgarien 2013. Unauslöschlich sei etwa die Erinnerung an die Osternacht mit dem Moskauer Patriarchen Aleksij II. Gerade bei den Reisen nach Rumänien und Bulgarien sei ihm zutiefst bewusst geworden, wie sehr die europäische Integration „auch eine Frage des Miteinanders der getrennten Kirchen ist“, so Kothgasser: „Im spirituellen Austausch lernen wir voneinander.“ Der Alterzbischof hob besondere Aspekte des ökumenischen Einsatzes von M. Perpetua hervor, die er wörtlich als „Brückenbauerin“ bezeichnete. 

 

M. Perpetua betonte in ihren Dankesworten, dass „ohne Gottes Wirken keine Fortschritte möglich sind“. Sie selbst habe schon als Kind mehr evangelische als katholische Freundinnen gehabt. Von entscheidender Bedeutung sei dann die Begegnung mit Kardinal Franz König gewesen. M. Perpetua verwies auf die letzten Worte Kardinal Königs an Metropolit Michael Staikos „Die Ökumene muss weitergehen“.     kap

 

Bildtext: Die neue „Leibwächterin“ M. Perpetua Hilgenberg (3. v. l.) mit Prof. Dietmar W. Winkler, Erzbischof Franz Lackner, Metropolit Arsenios Kardamakis, em. Erzbischof Alois Kothgasser und Dr. Johann Marte. Foto: roi