Christen und Dialog stärken

Papst Franziskus ging es in den Vereinigten Arabischen Emiraten darum, die Christen zu unterstützen und den Dialog mit dem Islam zu intensivieren.

Salzburg/Abu Dhabi. Mit seinem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) setzte Papst Franziskus ein deutliches Zeichen, dass es ihm um eine Stärkung der christlichen Präsenz auf der Arabischen Halbinsel bei gleichzeitiger Intensivierung des christlich-muslimischen Dialogs geht, betont der Salzburger Orient- und Ostkirchenexperte Dietmar Winkler von der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg. Die Reise des Papstes sei dabei kein Einzelereignis, sondern im Kontext zahlreicher vatikanischer Initiativen zu sehen und dabei gewiss nicht der letzte Schritt.

Winkler verwies auf den Besuch des libanesischen Maroniten-Patriarchen Kardinal Bechara Boutros Rai im November 2017 in Saudi Arabien. Er traf dort König Salman ibn Abd al-Aziz und Kronprinz Mohammed bin Salman und sei von dem als historisch bewerteten Besuch bei den wahabitischen Herrschern mit der Einschätzung zurückgekehrt, er sehe Chancen für mehr Religionsfreiheit, erinnerte Winkler.

Auch der im Vatikan für den interreligiösen Dialog zuständige Kurienkardinal Jean-Louis Tauran (1943–2018) sei noch wenige Wochen vor seinem Tod im April 2018 nach Riad gereist und habe zu Religionsfreiheit und einem gleichberechtigten Miteinander aller Gläubigen aufgerufen.

Möglicherweise habe der Vatikan sogar an einen Besuch des Papstes in Saudi-Arabien gedacht, doch die Ermordung des saudi-arabischen Journalis-
ten Jamal Khashoggi im Konsulat seines Landes in Istanbul und die politischen Folgen dieses Mordes hätten eine solche Reise wohl für längere Zeit unmöglich gemacht. „Aber das sind letztlich nur Spekulationen“, so Winkler.

Der Theologe verwies außerdem darauf, dass der Vatikan sicherlich nicht nur zufällig mit dem in Wien angesiedelten König-Abdullah-Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog (KAICIID) eine weitere Kontaktmöglichkeit mit Saudi-Arabien pflegt. Dem Rat der Vertragsparteien des Ende 2012 von Saudi-Arabien, Österreich und Spanien geschaffenen Zentrums gehört der Heilige Stuhl als Ständiger Beobachter an.

„Biotop“ für christlich-muslimische Begegnung

Letztlich seien die Vereinigten Arabischen Emirate aber auf jeden Fall eine gute Basis für den ersten Besuch eines Papstes auf der Arabischen Halbinsel, hielt Winkler  fest. Zum einen stellten die bis zu 1,2 Millionen in den Emiraten lebenden Christen mit 12,5 Prozent der Gesamtbevölkerung eine bedeutende Minderheit im Land, zum anderen seien dort die Bedingungen für die Christen im Vergleich zu den Verhältnissen in anderen Staaten auf der Arabischen Halbinsel recht gut. Innerhalb der Kirchenareale könnten die Christen ungehindert ihre Religion frei ausüben, so der Experte. Es gebe zahlreiche Kirchen im ganzen Land, die Kirchen würden auch einige Schulen führen. Zudem gebe es seit 2007 diplomatische Beziehungen zwischen den Emiraten und dem Heiligen Stuhl.

Winkler sprach von einem „Biotop“, in dem wichtige Akzente in der christlich-muslimischen Begegnung gesetzt werden könnten. Dabei stehe nicht der theologische Dialog im Vordergrund, sondern die zwischenmenschliche Begegnung und das Bemühen um ein gedeihliches Miteinander im täglichen Leben. 

Heiliger Franz von Assisi als Vorbild für Papst Franziskus

Für den Salzburger Theologen durchaus bedeutsam ist auch, dass der Besuch von Papst Franziskus genau 800 Jahre nach der Begegnung des heiligen Franz von Assisi mit Sultan Al-Kamil in Ägypten stattfand. Der Heilige war 1219 in den Orient gereist und habe mit seinem Besuch einen tiefen Eindruck vor Ort hinterlassen und die Begegnung mit dem Kalifen sei laut Tradition von großem Respekt geprägt gewesen. Möglicherweise ist das ein gutes Omen für den nun anstehenden Besuch von Papst Franziskus. Der Papst und seine muslimischen Gesprächspartner „werden wohl auch nun die Gemeinsamkeiten der Religionen, etwa die Barmherzigkeit, in den Mittelpunkt rücken“, so Winkler. Der Papstbesuch stand schließlich unter dem Motto „Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens“. 

kap

Foto: Der heilige Franz von Assisi versucht Sultan Al-Kamil zu bekehren. Darstellung aus dem 15. Jahrhundert von dem italienischen Maler der Renaissance Benozzo Gozzoli (um 1420–1497).