Das Glück hat 4 Wände

Frau W. träumt von den eigenen vier Wänden – einer kleinen Wohnung.

Salzburg. Weihnachten ist das Fest der Liebe – aber auch die Zeit der Wünsche und Geschenke.  Große Packerl unterm Christbaum erwartet sich Frau  W. nicht. „Das passt schon, ich brauch nicht viel.“  Aber einen Wunsch hat sie doch. „Auch wenn ich weiß, das Christkind kann mir den wohl nicht erfüllen.“ Frau W. träumt von den eigenen vier Wänden – einer kleinen Wohnung. Seit fünf Jahren schon ist ihr „Daheim“ ein Pensionszimmer in der Stadt Salzburg.   

Ein paar Quadratmeter zum Wohnen, Schlafen und dazu eine Küchenzeile. Das ist die kleine Welt, für die im Monat mehr als 400 Euro fällig sind. Bei einer Pension, die knapp 800 Euro ausmacht, heißt das: Jeden Euro genau einteilen. „Beim Einkaufen achte ich auf die Aktionen. Es geht sich irgendwie aus“, wiegelt Frau W. ab. Viel mehr als das Sparen und die beengte Situation mache ihr im Haus mit den 26 vermieteten Zimmern der ständige hohe Lärmpegel zu schaffen. „Es ist immer laut. Du kriegst alles mit, was rundherum passiert – ob du willst oder nicht.“ Möchte sie das Gemeinschaftsbad auf der Etage benützen, fange sie erst einmal zum Putzen an. 

„Das halte ich nicht mehr aus.“ An diesen Punkt komme sie immer öfter. Frau W. malt sich dann aus, wie das wäre in den eigenen vier Wänden. „Ich könnte zur Ruhe kommen und hätte wieder ein echtes Zuhause.“ 

Wohnungslos – das kann schnell gehen

Wohnungslosigkeit? Kann mir nicht passieren, denken wohl die meisten Menschen, die einer geregelten Arbeit nachgehen und immer ein Dach über dem Kopf hatten. Doch es gibt Ereignisse wie Trennung oder Jobverlust, die Frau oder Mann ziemlich schnell aus der Bahn werfen können. 

Bei Frau W. waren es ihre Depressionen. Lange nicht richtig behandelt, setzten sie eine Abwärtsspirale in Gang, die in der Delogierung gipfelte. Einige Jahre hatte sie gar keinen Wohnsitz, ist bei Bekannten untergekommen. „Ich hab beinahe wie ein U-Boot gelebt.“ Heute habe sie den Alltag ganz gut im Griff und könne sich auf Freundinnen und ihre Familie verlassen. „Wenn ich mal wieder in ein Loch falle und der Absturz droht, ist es mein Sohn, der mich da rausholt.“ Den Heiligen Abend verbringt die gebürtige Stadt-Salzburgerin bei ihrer Tochter. „Mama, du brauchst nichts kaufen“, hört sie von ihr. Doch den Enkerln möchte sie schon gerne eine Kleinigkeit mitbringen und eine Freude machen. 

Ihr größtes persönliches Glück wäre eine eigene Wohnung. Begleitung auf ihrem Weg  dahin findet Frau W. bei der Wohnintegration der Caritas. „Schon alleine dass ich hier mit jemanden reden kann, hilft mir.“ Wohnungen können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freilich nicht aus dem Hut zaubern. Leistbarer Wohnraum ist nach wie vor Mangelware in Salzburg. 

Foto (RB/ibu): Den Schlüssel  zu den eigenen vier  Wänden umdrehen. Für die meisten Menschen ist das eine tägliche Routine, für rund 1.400 in Salzburg nicht  – sie sind wohnungslos.