Das Meer der Armut

Unvorstellbar ist das Wort, das Kurt Bauer mehrmals verwendet, als er über seine Nepal-Reise spricht. Der Salzburger Filmemacher erzählt von Menschen, die ein Jahr nach dem Erdbeben noch immer in zusammengeschusterten Notunterkünften aus Wellblech und Plastikplanen leben, und von einer Not, die schon vor der Naturkatastrophe groß war. Momente der Hoffnung bescherte ihm der Mattseer Tom Stuppner. „Friends for Nepal“ heißt sein Verein, der eine Schule gebaut hat. Viel Schatten aber auch Licht – davon wird wohl der Film handeln, den Bauer aus seiner Nepalerfahrung machen möchte.

Nepal/Salzburg. Am 25. April 2015 erschütterte Nepal ein verheerendes Erdbeben. Beinahe 9.000 Menschen kamen um, Millionen weitere verloren ihr Dach über dem Kopf, Tempel und Paläste wurden zerstört. Ein Jahr später sieht Kurt Bauer wie langsam der Wiederaufbau vorangeht und vor allem die allgegenwärtige Armut, deren Ursache er nicht in allererster Linie im Erdbeben ausmacht. „90 Prozent der Menschen lebten schon vorher in Armut, der Rest sind Reiche und Superreiche.“

Bauer hat bereits einiges von der Welt gesehen – sich zuletzt in Rumänien und Ungarn auf die Spuren der Armutsmigranten begeben und diese Eindrücke filmisch verarbeitet. Trotzdem habe ihn das in Nepal Erlebte doch noch einmal anders, sehr heftig mitgenommen. „Ich sagte mir: Das ist wie im Jahre null“, so Bauer, der auch die Verwobenheit von Religionen, vor allem von Buddhismus und Hinduismus, mit dem Alltag der Menschen beobachtete.

Die Hauptstadt Kathmandu beschreibt er als „Gärkessel mit den unterschiedlichsten Einflüssen“. Erstaunlich sei die Verkehrslawine gewesen, in die man unweigerlich hineingerate. „Eigentlich gibt es ja kein Benzin beziehungsweise musst du an der Tankstelle zwei Tage darauf warten. Daher blüht der Schwarzmarkt.“ Über die staatliche Hilfe für die Erdbeben-Betroffenen kann Bauer nichts Gutes berichten: „Die Regierung gibt die Gelder nicht frei. Für die Nepalesen ist das keine Überraschung. Sie erwarten nichts. Sie haben schon so häufig schlechte Erfahrungen gemacht.“ Das Land führe zwar demokratische Wahlen durch, sei jedoch gleichzeitig von feudalen Machtstrukturen und Korruption geprägt und das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Vertreter dementsprechend gering.


Verein aus Mattsee hilft in Nepal

Jemand, der anpackt und mit Partnern vor Ort konkrete Verbesserungen umsetzt, ist Tom Stuppner. Der Mattseer ist mit einer Nepalesin verheiratet und Obmann des Vereins „Friends for Nepal“. In Lama Gaon, einem kleinen Ort in den Bergen, entstand eine Schule, in der heute 88 Kinder unterrichtet werden. Dank einer stabilen Bauweise konnte das Erdbeben der „Dolphin Magic School“ nichts anhaben. Ein Glück, denn Handlungsbedarf gibt es an anderer Stelle ohnehin genug. Ein aktuelles Projekt ist die Wasserversorgung von etwa 150 Familien. Sie müssen derzeit mit ihren Kanistern zur nächsten Quelle zwei Stunden zu Fuß vom Berg ins Tal gehen und dann wieder hinauf. Die Idee ist es, über Leitungen ausreichend Wasser in das Dorf zu pumpen um einen Tank zu befüllen. In Planung ist außerdem eine Biofarm, die den Schulabgängern Perspektiven und Jobmöglichkeiten eröffnen soll.

Über seine Nepal-Eindrücke plant Kurt Bauer einen Dokumentarfilm. Der Titel des Werks: „Meer der Armut“. Wenngleich der Filmemacher mit den Aktivitäten des Vereins seinem Publikum auch eine Insel der Hoffnung zeigen kann.

TIPP: Wer mehr über den Verein „Friends for Nepal“ von Tom Stuppner erfahren möchte findet Berichte, Bilder und Videos unter www.himalaya-development.org

Allein gelassen – nach dem Erdbeben in Nepal vor einem Jahr. Foto: Kurt Bauer

„Ohne Wasser kein Leben“, weiß Tom Stuppner.