Das Schicksal der Frauen

Diözesangeschichte: Wenn wir die Frauenklöster in Salzburg nach dem Alter ihrer Gründung betrachten, so muss natürlich mit Abstand das Benediktinnenstift Nonnberg den Anfang machen. 

Warum gerade dieses Kloster der Aufhebung entging – darüber war in der Stadt eine Fülle von Gerüchten zu hören. Am hartnäckigsten hielt sich dieses:

Sommer 1938, die vierklassige Mädchen-Volksschule, die das Kloster unterhielt, war schon geschlossen worden. Nun beschäftigte sich die Liquidationskommission mit der Aufhebung des Konvents. Als „Chef“ dieses Unternehmens fungierte der in der Wolle braun gefärbte Turnlehrer Hermann Amanshauser. Das Unglück wollte es, dass eben zu diesem Zeitpunkt seine Gemahlin bei einer Bergtour auf dem Hohen Göll tödlich verunglückte. Die ganze Stadt deutete dies als Gottesurteil. 

Die viel wahrscheinlichere Erklärung für das Fortbestehen von Stift Nonnberg dürfte jedoch dieses gewesen sein: Die braunen Machthaber haben sich ausgerechnet, dass es sie billiger kommt, wenn sie die alten Schwestern aller anderen Frauenklöster der Stadt (Ursulinen, Loreto, Barmherzige usw.) nach Nonnberg übersiedeln als wenn sie ein eigenes Altersheim dafür bauen müssten. So war dies der Preis des Überlebens. Zu den fast hundert eigenen Nonnen kamen nun plötzlich noch einmal so viel hinzu. Sie hausten dort bis 1945 wie die Sardinen zusammengepfercht in mehreren Sälen.

Alle anderen Frauenklöster, die es in der Stadt Salzburg 1938 gab, haben hier erst nach der Reformation Fuß gefasst (die Domfrauen und Petersnonnen sind schon im Mittelalter verschwunden). 

Die Kapuzinerinnen von Loreto, die ja 1633 als Flüchtlinge aus Landshut gekommen waren, mussten nun nach mehr als dreihundert Jahren ihres Bestehens die Aufhebung erleben. Die Postdirektion beanspruchte die Räumlichkeiten als Zentralstelle für die Feldpost. Nur die Kirche blieb bestehen. Ein alter Kapuziner hauste armselig in einem Nebenraum der Sakristei. Als im November 1944 die Kirche schwer von Bomben getroffen wurde, war auch das vorbei. Doch der Wiederaufbau begann rasch – schon 1946 war das Notdürftigste repariert und Kirche und Kloster konnten wieder ihren Dienst beginnen.

Die Ursulinen hat Erzbischof Johann Ernst Graf Thun 1690 aus Klagenfurt nach Salzburg berufen. Sein Hofarchitekt Fischer von Erlach erbaute ihnen Kirche und Kloster. Sie gründeten die erste Mädchenschule der Stadt. 

Gleich nach dem Umbruch wurde ihnen jede Lehrtätigkeit untersagt. Sowohl das Mädchen-Realgymnasium als auch die Lehrerinnenbildungsanstalt wurden verstaatlicht. Alle Schwes-
tern mussten das Haus verlassen, das Kloster wurde aufgehoben. Soweit sie nicht auf dem Nonnberg Unterschlupf fanden, konnten sie auf ihre landwirtschaftliche „Sommerfrische“ nach Glasenbach ausweichen. 

Erst nach dem Krieg kam es unter Landeshauptmann Josef Klaus zum Neubau des heutigen Ursulinenklosters mit den Schulen in Glasenbach. Das alte Gebäude dient heute hauptsächlich als Haus der Natur. Die Kirche wurde dem griechisch-katholischen Kultus überlassen. 

Für den darniederliegenden Krankendienst berief Erzbischof Kardinal Friedrich Fürst zu Schwarzenberg 1844 die Barmherzigen Schwestern aus Paris nach Salzburg. Er schenkte ihnen die große Niederlassung in Schwarzach. Von ihrem Mutterhaus in Mülln aus besorgten sie in mehr als fünfzig Niederlassungen in den Märkten und Dörfern der gesamten Erzdiözese den Alten- und Krankendienst. Darüber hinaus unterhielten sie auch eigene Schulen – wie in Bramberg. 

Auch die Augustiner Chorfrauen in Goldenstein (Elsbethen) mussten im Juli 1938 Schule und Internat schließen. Sie entgingen einer Aufhebung nur, weil sie ein gemeinnütziges Altersheim ausrichteten. Erst im September 1945 konnten das Internat und die Privat-Hauptschule wieder eröffnet werden.

Das 1886 erbaute große Kloster der Guten-Hirten-Schwestern in St. Josef (Hellbrunner Straße) wurde schon im April 1938 einem NS-Kommissionär unterstellt. Ab September 1938 wurde das Kloster als Lazarett beschlagnahmt, in dem die Schwestern im Krankendienst arbeiteten. Erst 1947 wurde dieses aufgelöst und das ganze Haus dem Orden zurückgegeben. 

Auch die Halleiner Schulschwestern wurden schon am 14. März 1938 einem nationalsozialistischen Kommissionär unterstellt. Am 8. April 1940 wird die Kongregation aufgelöst und das gesamte Vermögen enteignet. Die alten und kranken Schwestern wurden auf andere Klöster aufgeteilt. Im Mutterhaus durfte niemand verbleiben. 

Sogleich ab Juli 1945 begann wieder das Ordensleben. Auch die Schulen in Hallein und das Elisabethinum in St. Johann/Pg. wurden wieder eröffnet. Auch einige der 32 Filialen in den Märkten und Dörfern wurden geschlossen, aber die Schwes-tern in den Bezirkskrankenhäusern durften bleiben. 

Die 1897 von der seligen M. Theresia Lédochowska gegründete Petrus-Claver-Sodalität für die afrikanischen Missionen hatte ihren Sitz in Maria Sorg/Kasern. Im Juni 1939 wurde der gesamte Besitz beschlagnahmt; die Schwestern fanden am Nonnberg eine Unterkunft. Erst im Juni 1946 konnte die inzwischen ganz verwahrloste Missionsanstalt wieder bezogen werden.

Die Schulschwestern von Vöcklabruck führten seit 1887 Kindergarten, Volks- und Hauptschule in der Schwarzstraße in Salzburg. Außerdem waren ihnen die Caritasanstalt in St. Anton im Pinzgau und die Krankenpflege in der Lungenheilanstalt Grafenhof im Pongau übertragen. Insgesamt waren 72 Schwestern in der Erzdiözese tätig. Die Schule in der Schwarzstraße konnte nach dem reparierten Bombenschaden erst wieder 1946 bezogen werden.

Die Dominikanerinnen wirkten seit 1910 in der Krankenpflege. Ihr Kloster lag in der Wolf-Dietrich-Straße, bis es 1944 zerbombt wurde. Die 15 Schwestern fanden am Nonnberg Unterschlupf. Ihr Altenheim in der Gaisbergstraße wurde erst nach dem Krieg neu gebaut und erweitert. 

Prälat Dr. Johannes Neuhardt

Foto (AES): Das erzbischöfliche Palais wurde von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und für ihre Zwecke genutzt. Von hier aus wurde auch über das Schicksal der Frauenorden in Salzburg entschieden.