Das Wohl der Kranken umfassend im Fokus

Seelsorge hat die Wertvorstellungen der Patientinnen und Patienten im Blick

Salzburg. Seelsorge hat die Wertvorstellungen der Patientinnen und Patienten im Blick sollte deshalb bei der passenden Therapie mitsprechen. Sterben sei zudem ein natürlicher Prozess, von dem Kinder nicht ausgeklammert werden sollten. Darauf wurde bei der Österreichischen Krankenhausseelsorgetagung in St. Virgil kürzlich hingewiesen. 

„Seelsorger haben eine wichtige Funktion“, sagte Barbara Friesenecker, Medizinethikerin an der Uniklinik Innsbruck, bei einer Podiumsdiskussion. „Sie erfahren vieles aus dem Leben des Patienten oder der Patientin und welche Werte wichtig sind. Das fließt in Besprechungen ein.“ Er verstehe sich als Mediator und Widerständigen, meinte Matthias Hohla, Seelsorger im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Salzburg. Hinterfragen sei im Theologie- und Philosophiestudium ein Thema, im Medizinstudium aber nicht. „Seelsorgerinnen und Seelsorger haben Wertevorstellungen und Glauben der Erkrankten im Blick. Wenn sie nicht hinzugezogen werden, fällt das unter den Tisch.“ 

Seelsorger hätten nicht die medizinische Kompetenz, aber im Team bringe jeder seine Erfahrungen mit dem Erkrankten ein – so könne eine umfassende Therapie-Empfehlung gegeben werden. So früh wie möglich sollte man sich um eine Patientenverfügung kümmern – nur vier Prozent der österreichischen Bevölkerung hätten eine: „Wir sollten jemanden bestimmen, der weiß, was mir wichtig ist im Leben. Wenn ich dann nicht mehr entscheiden kann, kann derjenige es. Ansonsten muss der Arzt handeln, der den Patienten eigentlich nicht kennt“, so Friesenecker.

„Sterben ist ein Thema, vor dem jeder Angst hat“, meinte die Ärztin. „Ich habe bei Freunden in Maria Alm gesehen, wie der Sterbende begleitet wurde. Die Familie trauerte gemeinsam, die Kinder waren dabei.“ Wenn Kinder es wollen, werden sie darauf vorbereitet und sogar bewusst in den Intensivbereich gelassen, berichtete Helga Tschugg, Leiterin der Pflege Intensiv an der Uniklinik Innsbruck. „Es kommt zu berührenden Erlebnissen: Die Kinder malen am Tisch und geben ihr Bild dem Sterbenden mit auf seinen Weg.“ Die Krankenhausseelsorgetagung stand unter dem Titel „Vom guten Tun und Lassen. Chancen und Herausforderungen für die Seelsorge im Kontext medizinethischer Fragen im Krankenhaus“ und richtete sich an alle haupt- und ehrenamtlich Tätigen im Krankenhaus und in den Pflegeheimen aus den klinischen Bereichen der Seelsorge, der Pflege und der Medizin.

Foto: Interdisziplinarität bei der Podiumsdiskussion. Für Teamarbeit plädierten Helga Tschugg, Matthias Hohla und Barbara Friesenecker (v. l.).

Foto: RB/jup