Den Alltag kurz vergessen

Ferienlager.  In der Schule der Barmherzigen Schwestern in Broumana drücken syrische Flüchtlingskinder neben gleichaltrigen Libanesen die Schulbank. Ein Ferienlager soll die Integration weiter verbessern.  „Viele wohnen mit ihren Eltern in kleinen Wohnungen in der Hauptstadt Beirut. Im Sommer ist es hier unerträglich heiß. Das Feriencamp war für die Kinder auch die Chance, eine Woche in einer anderen Umgebung zu verbringen“, berichtet Stefan Maier von der Caritas Salzburg.

Broumana.  Heiß ist es im  Sommer auch im libanesischen Bergort Broumana und in St. Vinzenz, der Schule und dem Internat der  Barmherzigen Schwestern. Doch es ist um einiges erträglicher als in der Hauptstadt Beirut. Für Abkühlung sorgte während des Sommercamps außerdem ein großes Planschbecken im Innenhof von St. Vinzenz. Rundherum lagen die Mädchen und Buben auf Badematten. „Da kam richtiges Badeurlaub-Feeling auf. In ein Freibad konnten wir leider nicht mit den Kindern. Die meis-ten können nicht schwimmen. Das wäre zu gefährlich gewesen. Sie hatten auch mit dem Mini-Pool ihren Spaß“, so Maier. Der Leiter der Auslandshilfe der Caritas Salzburg war gemeinsam mit Marie Ghia, der Internatsleiterin von St. Vinzenz, verantwortlich für die Durchführung des Ferienlagers. Ein Freiwilligen-Team unterstützte sie. Teilgenommen haben 80 syrische und einige irakische Mädchen und Buben sowie Kinder aus bedürftigen libanesischen Familien. 

Fast wäre das Camp heuer abgesagt worden. „Nahrungsmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs sind knapp im Libanon und werden immer teurer“, erklärt Maier. Vier Millionen Einwohner hatte der ohnehin schon dichtbesiedelte und kleine Libanon. Seit dem Ausbruch des Krieges in Syrien sind zwei Millionen Flüchtlinge hinzugekommen. Die Infrastruktur droht ständig unter dieser Last zusammenzubrechen. Der Strom fällt jetzt schon oft aus, die Trinkwasserversorgung ist ein Problem und die Lebenserhaltungskos-ten klettern nach oben. „Teilweise bezahlt man für Lebensmittel mehr als bei uns in Salzburg. Im Vergleich: der Mindestlohn im Libanon liegt bei 500 US-Dollar. Damit auszukommen ist eigentlich unmöglich.“   

Das Abschiednehmen fiel schwer 

Die Caritas Salzburg machte das Ferienlager schließlich mit einer Finanzspritze doch noch möglich. So konnten die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer acht ausgelassene Tage miteinander verbringen: Spielen, Karaoke-Singen, Baden, eine Kreuzritterburg und ein Seifenmuseum besuchen oder in einer Zirkusschule Artistenluft schnuppern.  Verständlich, dass die Heimreise viel zu schnell  kam. „Einige der Kinder wollten gar nicht mehr weg aus St. Vinzenz. Da hat sich der Abschied eine Stunde hingezogen“, erzählt Stefan Maier, der weiß: „Das Ferienlager ist für die Kinder eine unbezahlbare Auszeit von ihrem tristen Alltag. Vom Erlebten werden sie lange zehren.“      

Fotos (Stefan Maier): Im Feriencamp in Broumana konnten syrische, irakische und libanesische Kinder unbeschwerte Tage verbringen. Möglich machte das Sommerlager die Unterstützung der Caritas Salzburg. Schule und Internat St. Vinzenz in Broumana sind seit langem Projektpartner der heimischen Caritas.