Den Alltag leben können

Schleichend sei die psychische Erkrankung seiner Schwester spürbar ge-worden, erzählt Herbert Lang. Er ist froh, dass seine Schwester im Albertus-Magnus-Haus gut betreut ihren Alltag leben kann. Nach einjähriger Umbauzeit wurde das Haus vor kurzem wieder eröffnet.

Salzburg-Parsch. „Ich muss mir jetzt keine Sorgen mehr um Herta machen und kann als gläubiger Mensch wieder gut schlafen“, ist Lang beruhigt. Als Angehöriger hat er viel Kraft aufgebracht, um die 59-Jährige zu unterstützen – mit Schwierigkeiten, die das mit sich brachte. Zwei Kurzzeitpflegeplätze im Albertus-Magnus-Haus entlasten Angehörige und helfen Betroffenen in einer Krise. 

Hauptsächlich wohnen aber 36 Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen ab dem 45. Lebensjahr in vier Wohngruppen im Haus. Sie werden von den Fachkräften dabei unterstützt, ihren Alltag möglichst selbstständig zu gestalten. Wichtig sei auch das neue Angebot der Aufnahmebegleitung. „Die Menschen können andocken, die Wohnform kennen lernen“, beschreibt Andrea Schmid, Caritas-Bereichsleiterin Begleitung, Inklusion und Pflege.

Das Haus als Seniorenheim war nicht zu halten: „Notwendige Sanierungen und die Fortführung als Seniorenwohnheim mit einem zeitgemäßen Standard waren aus technischen und finanziellen Gründen nicht möglich“, erklärt Caritas-Direktor Johannes Dines. Als Wohnhaus für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen ist es aber ein Lückenschluss – der Bedarf ist da. Seit 2012 stiegen entsprechende Wohnplätze im Land Salzburg um 30 Prozent, 285 Plätze sind verfügbar. Schwere psychische Erkrankungen sind nicht häufiger geworden, sagt Bernhard Hittenberger, Leiter des psychosozialen Diensts: „Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Mit verbesserter Therapie und Möglichkeiten zur Rehabilitation werden die Menschen im Vergleich zu früher im Durchschnitt aber deutlich älter und benötigen zusätzlich zu ihrer psychischen Problematik auch körperliche Pflege.“ Der psychosoziale Dienst ist Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige, um das passende Angebot zu finden.

Anfänge der Dominikanerinnen

„Das Albertus-Magnus-Haus blickt auf eine mehr als hundertjährige Tradition der Dominikanerinnen von Salzburg. Der 1910 gegründete Orden setzte den Schwerpunkt in der Pflege, angefangen von der Betreuung von Menschen mit Behinderung bis hin zur Pflege älterer Menschen. Auch die Hospizarbeit hat ihre Anfänge im Albertus-Magnus-Haus“, erzählt Di-nes. Bereits 1910 gaben die Schwestern Menschen mit einer besonderen Beeinträchtigung ein Zuhause. 1939  kaufte der Orden den „Gasthof Bahnhof“ in Parsch und funktionierte ihn zum Altenheim „St. Josef“ mit 14 Plätzen um. Von 1973 bis 1975 erfolgte der Neubau des Albertus-Magnus-Hauses. 1989 übernahm die Erzdiözese das Haus und erweiterte die Einrichtung in den folgenden Jahren auf ca. 70 Plätze. Ein Meilenstein in der Geschichte ist der Aufbau der Hospizarbeit, die 1992 begann. 2011 nahmen die letzten sechs Schwestern Abschied, weil  junge Schwestern fehlten.

Fotos: In den Wohngruppen des Albertus-Magnus-Hauses wird gemeinsam gekocht. Erzbischof Franz Lackner segnete von der Kapelle aus die Räume, der Chor „Vielklang“ vom Caritas-Dorf St. Anton umrahmte die Feier. Fotos: Caritas Salzburg, jup