Den Verlassenen helfen

Einsatz. Unter schwierigen Bedingungen helfen die Ärzte von Austrian Doctors den Menschen in Sierra Leone, Nairobi, Indien, den Philippinen und Bangladesch. Auch Schulen entstanden. Dr. Brigitte Ritzer, ehemalige Salzburger Schulärztin, erzählt von ihrem Einsatz in den Slums von Dhaka/Bangladesch.

Salzburg/Dhaka. Der Zug ist schon zu sehen, die Menschen weichen gemächlich von den Gleisen. Sie sind es gewöhnt – dröhnen doch alle zwanzig Minuten Züge an ihrem Zuhause vorbei. Es ist eines der Slums, das die Ärzte von Austrian Doctors in Dhaka, Hauptstadt von Bangladesch in Südasien, besuchen. „Das ist unvorstellbar, es ist laut, Staub wirbelt auf, der Boden bebt. Wir sind nur ein paar Stunden dort, aber die Leute leben hier, Kinder spielen auf den Gleisen“, beschreibt Dr. Ritzer.


Zum sechsten Mal war sie im ärztlichen Einsatz in der 16-Millionen-Einwohner-Stadt. Die Menschen sind dankbar, einen Arzt können sich die meisten nicht leisten. Sie gehen in Apotheken, bekommen aber irgendetwas. „Dann nimmt jemand mit Armbruch Antibiotika“, so Ritzer. Die Allgemeinmedizinerin hat es mit den unterschiedlichsten Krankheiten zu tun, am häufigsten Atemwegserkrankungen, wie Asthma, COPD oder Tuberkulose. „Die Luft ist extrem schlecht vom dichten Verkehr, viele Ziegelfabriken um die Stadt herum verschmutzen die Luft. Die Leute sitzen zudem viel vor offenem Feuer um zu kochen. Dabei wird alles verbrannt – auch Putzlappen, getränkt in giftigen Substanzen.“ Davon rühren auch häufig Verbrennungen.


Die Menschen sind ob ihrer schweren Arbeit in Kleider- oder Ziegelfabriken ausgemergelt,sie leiden an Hauterkrankungen, Durchfall, Kinder sind oft unterernährt. Auffallend seien Behinderungen bei Kindern von Geburt an oder Beeinträchtigungen nach Schlaganfällen. „Da könnte man vielen helfen, damit die Kleinen wenigstens selber essen oder sitzen können. Aber es fehlt die Physiotherapie“, sagt die 72-Jährige.


Der Glaube spiele bei ihrer Arbeit keine große Rolle. In Dhaka bilden Christen mit 0,3 Prozent eine Minderheit, die Mehrheit sind Muslime. Männer dürfen mit mehreren Frauen leben, viele Frauen wurden verlassen, sind mit ihren Kindern allein. „Das sind schwere Schicksale, die Kinder müssen arbeiten, gehen betteln oder Müll sammeln. Fürs Lernen ist keine Zeit.“ Austrian Doctors betreibt drei Slumschulen, die 1.700 Kinder besuchen. „Dass die Kinder dort auch täglich eine warme Mahlzeit bekommen, ist für manche Eltern ausschlaggebend, sie in die Schule zu schicken. Nur eine bessere Bildung ermöglicht einen Ausstieg aus dem Slumleben“, so Ritzer. „Die Situation der Menschen ist deprimierend, aber es ist schön mitzuhelfen, dass sie nicht ganz verlassen sind“, erklärt sie. Es sei nicht ein Tropfen auf den heißen Stein, „es sind keine Zahlen, sondern Menschen und es ist gut, wenn man wenigstens einigen helfen kann“.

 

Benefizkonzerte:

☛ 12. 8., 19 Uhr, Schnurrngut Koppl: Wiener Philharmoniker.
☛ 13. 10., 19 Uhr, Salzberghalle Hallein: Querschläger.
☛ Infos und Karten: www.austrian-doctors.at, Spendenkonto: IBAN AT09 3500 0000 0816 0566

 

Info: Das Komitee „Ärzte für die Dritte Welt“ wurde 1982 in Frankfurt gegründet, der Salzburger Kinderarzt Dr. Werner Waldmann schloss sich 1989 an. Die ehrenamtliche Salzburger Ärztegruppe vergrößerte sich laufend. Der eigenständige österreichische Verein wurde 2008 von Dr. Chris-tian Gruber, Internist in Salzburg, und Dr. Waldmann gegründet. Heute erweitern österreichweit 100 Einsatzärzte als Austrian Doctors das German-Doctors-Team.

 

Bildtexte: Die Slums an der Bahn sind schon die besseren Unterkünfte, können aber jederzeit geräumt werden. „Die Menschen erhoffen sich in der Stadt ein besseres Leben, sie schlafen auf der Straße bevor sie sich am Gehsteig erbärmliche Hütten bauen können und wenigstens ein Dach über dem Kopf haben“, erzählt die Ärztin. 

 

Dr. Brigitte Ritzer (M.) freut sich, wenn sie den Menschen helfen kann – in der Ambulanz oder den Slums, ein Übersetzer ist immer dabei. Vor der Ambulanz gibt es Weiterbildung: Vorträge über Hygiene, Ernährung, . . .

 

In den Schulen bekommen die Kinder Essen und lernen zum Beispiel Schneidern für den Lebensunterhalt. Fotos: Ritzer