Denkt um! Kehrt um!

Erzbischof Franz Lackner beim Pfingstdialog

Segas. Pfingstdialog. „Big-data-Ideologie“ geht Weg der Quantität statt menschengerechter Qualität.Wie die heute weitgehend ohne Grundlagenforschung auskommende Medizin gilt auch für die digitale Revolution: „Es fehlen vom Ursprung her ethische Bezugspunkte.“ Darauf wies der Salzburger Erzbischof Franz Lackner beim heurigen Pfingstdialog „Geist&Gegenwart“ im südsteiri-schen kirchlichen Bildungszentrum Schloss Seggau hin. Fachleute aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kirche, Kultur und Medien hatten sich dort mit dem Thema „Das digitale Europa. No borders, no limits?“ auseinander gesetzt. Grenzenlosigkeit statt Selbstbeschränkung und Verantwortung gilt laut dem Salzburger Erzbischof auch für den IT-Bereich: „Man setzt viel zu schnell ein, was man weiß.“Lackner zitierte aus dem Buch „Digitale Ethik“ von Sarah Spiekermann, wonach Begegnungen, Gespräche, Auseinandersetzungen heute vornehmlich digital beziehungsweise medial vermittelt ge-schähen. „Das intuitive Element gehe dabei verloren“, befürchtet der Erzbischof. Er verwies auf den mittelalterlichen Franziskanerphilosophen Duns Scotus, für den Erkenntnis „unmittelbaren Kontakt“ voraussetzt. Auch abstrakte Abhandlungen beendete Duns Scotus mit den Worten: „Sicut patet intuendi – wie es dem Schauenden offen steht.“ Die letzte Wirklichkeit sei nicht begrifflich zu fassen, sondern schauend und hörend, erläuterte Lackner. „Für das menschliche Zusammensein ist das unersetzbar.“

Übernimm Verantwortung 

Zuletzt gab der Erzbischof dem Auditorium einige Imperative mit auf den Weg, die dem faustischen Bestreben des Immer-Mehr zuwiderlaufen: Dass jede Möglichkeit auch Wirklichkeit werden muss, sei „kein christlicher Grundsatz“, betonte Lackner. Es sei nicht angemessen, alle Möglichkeiten ausschöpfen zu wollen, es gelte auch mit unerfüllten Wünschen leben zu lernen und „Mut zur Selbstbeschränkung“ zu haben. Ein weiterer Appell Lackners: „Übernimm Verantwortung für dein Tun und dein Denken.“ Es gebe eine letzte Verantwortlichkeit, „einen Selbstbehalt, den wir nicht delegieren können“. Und es gebe eine letzte Instanz, die an die Menschen den Imperativ richte: „Denkt um! Kehrt um!“ kap

 

Foto: Er sei kein IT-Experte, gab Erzbischof Lackner unumwunden zu, „diese Welt birgt für mich weit mehr Ärger, Unverständnis und Orientierungslosigkeit als Hilfe und Freude. Ich suche immer noch lieber in Lexika und Büchern als im Internet.“

Foto: RB/Club Alpbach Steiermark/Michaela Lorber