Der Glaube hat überlebt

Albanien. Die religiösen Wurzeln in dem kleinen Land am Westbalkan sind trotz 45 Jahre kommunistischer Diktatur nicht ausgerissen. Im Gegenteil. 

Tirana. Seit dem Tod Enver Hoxhas herrscht in der Heimat von Mutter Teresa religiöse Vielfalt – die christlichen und muslimischen Religionsvertreter setzen seither auf Dialog und Verständigung. Das bestätigt auch Don Konrado. Der 75-jährige Belgier ist einer von 43 Priestern, die im Bistum der albanischen Hauptstadt Tirana ihren Dienst tun. Dass Geistliche wie er jeden Sonntag in einer Kirche Messe feiern können, war lange Zeit alles andere als selbstverständlich.

Diktatur hinterließ Spuren

Enver Hoxha hatte 1967 den „ersten atheistischen Staat der Welt“ ausrufen lassen. Von da an war jegliche Form von Religionsausübung unter Strafe gestellt. Kirchen und Moscheen wurden zweckentfremdet oder zerstört. 25 Jahre Gefängnis drohten bei einem Kreuzzeichen in der Öffentlichkeit. Ein Rosenkranz in der Tasche oder ein Kreuz im Haus konnten den Tod bedeuten. „Viele Menschen aller Religionen sind in der Zeit der Diktatur für ihren Glauben gestorben“, erzählt Don Konrado. Der Glaube konnte nur im Verborgenen überleben, so der Priester. Das sei auch der Grund, warum viele Albaner heute zwar gläubig sind, aber ihre Religion nicht praktizieren, ist er sich sicher. „Wir haben in unserem Land zwar wenige Atheisten, doch viele, die ihren Glauben nicht mehr öffentlich leben“, weiß der Belgier.

„Das Interesse wächst“

Dass mittlerweile wieder neue Gotteshäuser gebaut wurden, sieht Don Konrado als Zeichen des Aufbruchs. Die Bischofskirche von Tirana, in der der Geistliche als Vertretung ab und zu seinen Dienst tut, wurde 2003 erbaut. „An Sonntagen ist sie immer voll“, berichtet der Geistliche und erzählt von einem Anstieg von Erwachsenentaufen und einem großen Andrang junger Leute vor den Beichtstühlen. „Das Interesse am Glauben wächst in unserem Land“, ist sich der Priester sicher. 

Dialog und Verständigung

Derzeit sind zehn Prozent der rund 420.000 Einwohner der albanischen Hauptstadt Katholiken, sechs Prozent orthodoxe Christen und 58 Prozent Muslime. Was die Verständigung unter den Religionen betreffe, könne Tirana Vorbild sein, betont Don Konrado und berichtet: Die Religionsvertreter treffen sich regelmäßig und sprechen miteinander über Aktuelles, gegebenenfalls auch über Probleme. „Bisher haben wir immer Wege zueinander gefunden.“ chp

 

Bildtext: Mutter Teresa: Vor der Kathedrale von Tirana erinnert eine Statue an den „Engel der Armen“. In ihre Heimat durfte die Heilige aufgrund der religionsfeindlichen Regimes nicht einreisen. Erst 1989, nach dem Tod des Diktators Enver Hoxha, reiste sie zurück zu ihren Wurzeln. Kirchturm und Minarett – in Tirana nebeneinander. Die Religionen setzen auf Dialog. Don Konrado lebt gerne in Tirana und zeichnet ein hoffnungsvolles Bild von der Zukunft. Fotos: Höckner